Zum Hauptinhalt springen

Das sind die Baustellen der Meisterkandidaten

Die vier Schweizer Topclubs haben das internationale Examen vermasselt. Immerhin weiss jeder von ihnen, woran er arbeiten muss.

In Göteborg war Luganos Linus Klasen nur selten dynamisch auf dem Eis zu sehen.
In Göteborg war Luganos Linus Klasen nur selten dynamisch auf dem Eis zu sehen.
Gabriele Putzu, Keystone

Gross war die Ernüchterung am Dienstagabend im Lager der Schweizer Eishockey-Fans. Zuerst entglitten den ZSC Lions und dem HC Lugano im hohen Norden Spiele, in denen sie auf Augenhöhe mitspielten. Die Siegestreffer für Kärpät Oulu und die Frölunda Indians fielen in der 59. respektive der 58. Minute, die Zeit zum Reagieren war anschliessend zu kurz. Gute zwei Stunden später stand dann auch das Ausscheiden des EV Zug fest, der gegen Red Bull München zu Hause den Vorsprung aus dem Hinspiel vergab. Und dass der SC Bern gegen Malmö das 3-Tore-Defizit nicht mehr korrigieren konnte, das war ohnehin keine Überraschung.

Gross war die Euphorie gewesen im Sommer. Die Zeit sei reif für einen Schweizer Gewinner der Champions Hockey League (CHL), meinte man, nachdem die vier bisherigen Austragungen alle von schwedischen (3) respektive finnischen Teams gewonnen worden waren. Der geschlossene Einmarsch in die Achtelfinals verstärkte diesen Eindruck noch.

In acht Spielen der K.-o.-Phase resultierte nur ein Sieg – das 3:2 von Zug in München im Hinspiel. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Mit Ausnahme von Bern, das gegen den Defensivbeton von Malmö über 120 Minuten kein Rezept fand, scheiterten alle drei Teams mit dem knappest möglichen Resultat, nämlich mit einem Tor Unterschied nach 120 Minuten. Natürlich werden Fehler auf europäischem Niveau schneller ausgenützt, das oft gehörte Argument bei internationalem Scheitern, die National League sei zu wenig kompetitiv, verfängt aber nicht.

Die Gründe sind bei jedem der vier Clubs andersartig gelagert. Hier ein Ratschlag an die Teams, woran sie im weiteren Saisonverlauf arbeiten müssen.

ZSC Lions: Fehler vermeiden

Wenn die Zürcher ihr Potenzial abrufen, sind sie zweifelsfrei ein Kandidat für den CHL-Titel, allerdings nur, wenn sie das Niveau über 60 Minuten halten können. Fehler von Routiniers wie vor allen drei Kärpät-Treffern erträgt es da aber nicht: Beim ersten Tor agierte Severin Blindenbacher zu wenig dezidiert, beim zweiten verlor Fredrik Pettersson die Scheibe in der Vorwärtsbewegung, beim dritten liess Kevin Klein seinem Gegenspieler zu viel Freiraum. Sieben Gegentore in zwei Partien sind zu viel.

HC Lugano: Die dummen Strafen

Linus Klasen tut gut daran, dieser Tage seine Teamkollegen zu einem Pizzaessen an die Gestade des Ceresio auszuführen. Nicht um zu feiern, aber um sich für seine drei Strafen in der Offensivzone in Göteborg zu entschuldigen, für einen Spieler seiner Klasse absolut unentschuldbar. Eine davon, kombiniert mit einer weiteren Teamstrafe wegen zu vieler Spieler auf dem Eis, war die Aufforderung für die Indians zum Anschlusstreffer, und auch das Siegestor seiner Landsleute erlebte der Schwede auf der Sünderbank. Die Disziplin ist auch in der Liga ein Problem: Einzig Genf-Servette weist noch eine Strafminute mehr aus als Lugano.

EV Zug: Mangelnde Durchsetzungskraft

36 Schüsse feuerten Lino Martschini, Garrett Roe und Co. auf Danny aus den Birken ab, der deutsche Nationalmannschaftskeeper wehrte aber alle ab. Zudem konnte er auch auf den Support seiner stämmigen Vorderleute zählen, die an eine moderne Abbruch-GmbH erinnerten und so die erste CHL-Viertelfinalqualifikation einer deutschen Mannschaft sicherten. Derart physisches Spiel ist Gift für die Zuger, denen mit Ausnahme von Carl Klingberg zu oft der direkte Zug aufs Tor fehlte. Die Absenz von Captain Rafael Diaz wirkte sich aus und manch einer trauerte auch Viktor Stalberg nach. Der physisch präsente Schwede hat in seinen ersten vier Spielen für Awangard Omsk in der KHL zwei Tore und einen Assist realisiert.

SC Bern: Keine Kreativität

Schwedische Teams sind, wenn überhaupt, durch Überraschungsmomente zu gefährden. Der SC Bern hätte grundsätzlich die Spieler, um solche zu schaffen, die Scherweys, Rüfenachts, Arcobellos und wie sie alle heissen. Im Moment muss man aber den Konjunktiv bemühen, denn sie wirken wie eingeschnürt in einem Korsett, regelmässige Beobachter vermissen im Team von Kari Jalonen die Spielfreude. Gegen die nationale Konkurrenz mag das dank individueller Geniestreiche oft noch reichen, eine Stufe höher wurden die aktuellen Limiten klar aufgezeigt. Rasch wurde allen klar, dass Bern an diesem Abend in der mehr als halb leeren Postfinance-Arena gegen die hervorragend organisierten Südschweden aus Malmö keine Wende herbeiführen würde.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch