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Das Schweigen der schwarz-weissen Familie

Frühere Chefs des HC Lugano stehen wegen Steuerbetrugs vor Gericht. Zum Auftakt wunderte sich der Richter, dass sonst niemand von den schwarzen Kassen gewusst haben soll.

Vor Gericht: Die beiden ehemaligen Präsidenten des HC Lugano, Beat Kaufmann (rechts) und Fabio Gaggini kommen mit ihrem Verteidiger Luigi Mattei (links) zum Prozess.
Vor Gericht: Die beiden ehemaligen Präsidenten des HC Lugano, Beat Kaufmann (rechts) und Fabio Gaggini kommen mit ihrem Verteidiger Luigi Mattei (links) zum Prozess.
Keystone

Mit nicht deklarierten Salären hat der Eishockeyklub Lugano den Fiskus um 3,5 und die AHV um 1,5 Millionen Franken betrogen. Während zehn Jahren kassierten rund 20 vor allem ausländische Spieler einen Teil ihrer Löhne schwarz (siehe Kasten).

Nun müssen die Verantwortlichen vor Gericht für diese Vergehen geradestehen. Angeklagt sind der damalige Vereinspräsident Fabio Gaggini, der Geschäftsführer Beat Kaufmann sowie ein weiteres Vorstandsmitglied, welches das Bankkonto führte, über das die schwarzen Zahlungen abgewickelt worden sind. Alle drei sind ehemalige Spieler der ersten Mannschaft des Vereins. Kaufmann amtet heute als CEO des EHC Basel.

Tiefe Löhne waren verdächtig

Ans Tageslicht war der Betrug gekommen, weil sich die Tessiner Steuerverwaltung über die vergleichsweise tiefen Saläre der Lugano-Stars wunderte. So erhielt etwa der Trainer Larry Huras beim «reichen» HCL wesentlich weniger Lohn als vorher beim «armen» Kantonsrivalen Ambri-Piotta. Als die Untersuchung der Justizbehörden in Gang kam, leugneten Gaggini und Kaufmann zunächst die Existenz der schwarzen Kassen. Doch bald gestanden sie.

Im Verlauf des Verfahrens hat sich ihre Rechtfertigung für das illegale Verhalten verändert, wie Einzelrichter Claudio Zali gestern aufgrund der Verhörprotokolle darlegte. Zunächst habe Kaufmann ausgesagt, vor allem im wirtschaftlichen Interesse des Vereins gehandelt zu haben. Später habe er dann geltend gemacht, solche Schwarzgeldzahlungen seien im Sport üblich, ja sogar notorisch. Das hätten auch die Leute auf der Strasse gewusst. «Ich will meine Verantwortung nicht mindern», fügte Gaggini gestern bei, «aber so war halt das Umfeld.»

Welche Rolle spielte Geo Mantegazza?

Die drei Angeklagten nehmen alle Schuld auf sich. Ausser ihnen habe niemand von den illegalen Zahlungen gewusst, betonten sie. Das wollte Richter Zali allerdings nicht recht einleuchten. Es sei doch seltsam, dass niemand sonst von diesen Praktiken gewusst habe, wo sie doch allgemein üblich gewesen sein sollen, stellte er fest. Und: Wenn die andern Mitglieder der Vereinsführung wirklich nichts gewusst hätten, so hätten sie doch zumindest heftig reagieren müssen. «In der Privatwirtschaft», so Zali, «wäre die fristlose Entlassung das Mindeste, was Kaufmann widerfahren wäre.» Geschehen sei jedoch das Gegenteil: Der Manager sei bis Ende Saison im Amt geblieben und dann mit Applaus verabschiedet worden. Weiter wunderte sich der Richter, dass die Angeklagten sich nicht dafür zu interessieren schienen, woher das Geld in der schwarzen Kasse stammte. Er selber habe doch bereits als Gymnasiast gewusst, dass Geo Mantegazza der Hauptsponsor des Vereins sei. Doch komme dieser Name in den Verhörprotokollen schlicht nicht vor. Er mache diese Feststellung nicht aus Neugier, sondern im Interesse des Fiskus, ergänzte Zali. «Wenn von diesem Konto schwarz ausbezahlt wurde, wurde ja vielleicht auch schwarz einbezahlt.»

Die Angeklagten mochten zu diesen Überlegungen nichts sagen. Und auch Paolo Rossi, der heutige HCL-Präsident, konnte oder wollte als Zeuge keine Klärungen anbringen. Und dies, obwohl er zur Tatzeit bereits im Verwaltungsrat der Betriebs-AG sass. «Das ist das Schweigen der schwarz-weissen Familie», sagte ein Prozessbeobachter dazu lakonisch.

Heute folgen die Strafanträge

Die Angeklagten sind geständig, und die Deliktsumme ist nicht bestritten. Der HC Lugano hat die hinterzogenen Beträge so gut wie zurückbezahlt, inklusive einer Busse von gut zwei Millionen Franken. Beim Prozess geht es daher «nur» noch um die strafrechtliche Aufarbeitung der Affäre. Heute wird der Prozess mit den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger fortgesetzt. Das Urteil dürfte noch diese Woche fallen.

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