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«Das Ganze kam immer wieder hoch»

Joël Vermin gibt mit 26 ein starkes WM-Debüt – und bewältigt damit auch ein schmerzhaftes Olympia-Out.

Eine verspätete Entdeckung im Schatten anderer: Joël Vermin (l.). (6. Mai 2018)
Eine verspätete Entdeckung im Schatten anderer: Joël Vermin (l.). (6. Mai 2018)
Jonathan Nackstrand, AFP

Am Freitag wurde das offizielle Teamfoto gemacht. Ist es Zufall, dass Sie zu den Letzten gehörten, die ihren Platz fanden, und in der hintersten Reihe standen?

Ich glaube, das geht eher nach Grösse. Die Plätze waren alle schon in der Garderobe zugewiesen, und ich wusste, dass zuerst noch andere in meine Reihe mussten. Darum habe ich einfach gewartet, bis alle durch waren.

Mit 26 bestreiten Sie Ihre erste WM. Wie erleben Sie Kopenhagen?

Für mich ist es ein megacooles Ambiente, ich kannte das bisher nur vom Fernsehen. Mit all den Fans ist es ein bisschen, wie wir es 2008 in Bern bei der Fussball-EM erleben durften – na ja, vielleicht nicht ganz im gleichen Ausmass.

Sie haben mit 2 am zweitmeisten Tore und mit 4 die beste Plus-minus-Bilanz der Schweizer Stürmer – und bleiben doch im Hintergrund. Erkennt man daran den WM-Neuling?

Schwierig zu sagen. Ich bin eigentlich auch sonst einer der Ruhigeren in unserer Garderobe. Von daher wäre ich auch nicht der Lauteste, wenn das jetzt meine zehnte WM wäre. Ich versuche einfach, so authentisch wie möglich zu sein. Es spielt keine Rolle, ob du drei, eine oder zehn Weltmeisterschaften gespielt hast.

Trainer Patrick Fischer hat Ihre Leistung nach dem Sieg gegen Weissrussland extra gelobt. Hat er Ihnen das auch persönlich gesagt?

Ja, das hat er. Aber natürlich hat die ganze Linie mit Timo Meier und Sven Andrighetto gut gespielt. Es hat schon einen Grund, dass die beiden in der NHL sind. Von daher war es für mich relativ einfach: Ich musste ihnen einfach die Scheibe geben …

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz nach vier Spielen aus?

Positiv. Wir hatten keinen sehr guten Start, liessen gegen die Österreicher einen Punkt liegen, gegen die Tschechen auch. Aber wir konnten uns von Spiel zu Spiel steigern, das ist sehr erfreulich.

Am Wochenende stehen Russland und Schweden auf dem Programm, die zwei Gruppenfavoriten. Wie gehen Sie diese Spiele an?

Mit der gleichen Einstellung wie die anderen Spiele auch. Klar wissen wir, dass das sehr gute Gegner sind. Das müssen wir auch respektieren. Trotzdem müssen wir keine Angst haben oder gar mit Hemmungen spielen. Die Tschechen haben gezeigt, dass auch die Russen verlieren können.

Sie hätten schon an Olympia im Nationalteam debütieren sollen, verletzten sich aber kurz vor dem Abflug nach Pyeongchang. Haben Sie das Turnier danach verfolgt?

Nur die Resultate. Spiele zu schauen, wäre schwierig gewesen: Das Ganze kam emotional immer wieder hoch, auch wenn ich andere olympische Wettkämpfe schaute. Es hat mich schon sehr gewurmt.

Bevor Sie im Sommer zu Lausanne wechselten, spielten Sie drei Saisons in Nordamerika. Inwiefern ist der Traum NHL noch präsent?

Natürlich wäre es immer noch ein Ziel, irgendwann wieder dorthin zu gehen. Aber das ist im Moment alles im Hinterkopf. Wenn es sich ergibt: schön. Und wenn es sich nicht ergibt: auch okay. Es ist nichts, an dem ich den ganzen Tag herumstudiere.

Wie blicken Sie zurück auf Ihre Jahre in Übersee?

Es war eine sehr lehrreiche Zeit, ich bin als Spieler wie als Mensch gewachsen, kann nur Gutes sagen und bin wirklich megafroh, habe ich das gemacht. Ich habe viele neue Kollegen gefunden, es war ein tolles Abenteuer.

Was nehmen Sie sportlich mit?

Auf dem kleineren Feld lernt man besser, die Scheibe abzudecken. Auch der Schuss ist extrem viel wichtiger. Und natürlich spielt man körperbetonter: Man hat viel mehr Chancen, einen Check fertig zu machen, und das wird auch verlangt. Gedanklich musst du ebenfalls viel schneller schalten – sonst wirds nichts.

Sie haben 24 NHL-Matches gemacht. Sind das mehr oder weniger, als Sie sich erhofft hatten?

Schwierig zu sagen. Als ich hinüberging, wusste ich ja nicht, was mich erwartete. Von dem her sind 24 schon viel. Ich ging eigentlich nicht davon aus, dass es sehr viele sein würden.

Sie spielten in der Organisation von Tampa Bay, das derzeit im Halbfinal steht. Verfolgen Sie das Playoff?

Ja, schon ein bisschen. Aber die meisten meiner Kollegen sind im Moment leider überzählig, ein Cory Conacher, ein Adam Erne.

Ist das WM-Niveau näher an der NHL oder an der Schweizer Liga?

Stilistisch gesehen, an Europa. Es ist auf den breiteren Feldern schwierig, den nordamerikanischen Stil zu spielen, du läufst immer ins Leere. Aber die Intensität ist höher, und etwas härter als in der Schweiz ist es schon.

Nach dem verpassten Playoff mit Lausanne und dem Olympia-Out ist diese WM eine Chance, die ­Saison mit einem Highlight abzuschliessen…

Ja, absolut.

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