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Das finnische Sackmesser

Lauri Korpikoski (31) wartete bis zuletzt vergeblich auf NHL-Offerten. Nun will der vielseitige Stürmer bei den ZSC Lions seinen goldenen Karriereherbst in Europa lancieren.

Das Schweizer Eishockey gefällt Lauri Korpikoski – doch seine Rolle im Team der Lions muss er noch finden.
Das Schweizer Eishockey gefällt Lauri Korpikoski – doch seine Rolle im Team der Lions muss er noch finden.
Urs Jaudas

Viele Berührungspunkte mit der Schweiz gab es im Leben des Lauri Korpi­koski bis vor kurzem nicht. Und doch trug er die letzten neun Jahre oft ein Souvenir aus der Schweiz mit sich ­herum. Nein, keine Uhr aus einer Manufaktur im Jura. Aber auch ein Schmuckstück: eine golden glitzernde Medaille. René Fasel höchstpersönlich hängte sie dem Finnen im Oktober 2008 in Bern um den Hals. Nachdem er mit den New York Rangers gegen ­Metallurg Magnitogorsk (4:3) den ersten Victoria-Cup ­gewonnen hatte.

Das Gipfeltreffen einer NHL-Equipe mit einem europäischen Topteam fand nur zweimal statt – in Zürich in bester Erinnerung ist 2009, als die ZSC Lions im Hallenstadion Chicago 2:1 schlugen. Jene Medaille ist nicht die, die Korpikoski am meisten am Herzen liegt. Das ist die olympische Bronzemedaille aus Sotschi 2014. Doch gerade deshalb trägt er sie wohl mit sich, in einem Täschchen, in dem er Hockey-Krimskrams mit sich führt wie Tape, um die Stockschaufel einzubinden. Die Medaille erinnert ihn an einen schönen Erfolg, aber würde er sie verlieren, wäre es kein Drama.

Ansonsten war die Schweiz für den 31-Jährigen ein unbeschriebenes Blatt. Bis er im Oktober die Chance bekam, sich in Lausanne dem Mannschafts­training anzuschliessen. Im heimischen Turku war es für ihn, der allein trainierte, schwierig geworden, Eis zu bekommen. Doch statt in Lausanne, wo er heute mit den Zürchern gastiert, unterschrieb er dann bei den ZSC Lions.

Mit ihm gewinnt der ZSC nur

«Wenn sie in Lausanne jemanden gebraucht hätten, wäre ich offen gewesen», sagt Korpikoski. «Aber es kam zu keinen Gesprächen.» So nahm ZSC-Sportchef Sven ­Leuenberger die Chance wahr, den Stürmer, den er schon im Sommer ­kontaktiert hatte, für die Lions zu engagieren. Ob das eine gute Idee war, bleibt abzuwarten. Korpikoski fiel noch nicht gross auf, schoss im Derby vor zwei Wochen immerhin sein erstes Tor. Und mit ihm ­haben die ZSC Lions inklusive Champions League alle vier Spiele gewonnen. Noch sucht der neue Mann seine Rolle im Team – und auch seine Position auf dem Eis. Denn die letzten elf Jahre spielte er, von ein paar Lockout-Monaten bei seinem Stammclub Turku ­abgesehen, stets in Nordamerika auf den kleinen Eisfeldern.

Die Umstellung sei schon beträchtlich, sagt er. Es hilft, dass er ein guter Schlittschuhläufer ist. So passiert es ihm anders als zu Beginn Verteidiger Kevin Klein kaum, dass er überlaufen wird. Kommt dazu, dass Korpikoski hier auf der für ihn ungewohnten Position als Center spielen muss – aktuell zwischen Wick und Kenins. In der NHL wurde er vornehmlich als Flügel eingesetzt. Doch gerade wegen seiner Vielseitigkeit wurde er in Übersee ja geschätzt. Er ist ein finnisches Sackmesser, kann in einer offensiv orientierten ­Linie ein­gesetzt werden, aber auch als Defensiv­stürmer, der Intensität kreiert und im Boxplay Strafen abarbeitet.

Seine beste Zeit hatte er in Phoenix, wo er 40 und 37 Punkte skorte. Respektable Werte. So erhielt er 2013 einen mit zehn Millionen Dollar ­dotierten Vier­jahresvertrag. Doch zuletzt nahm sein ­Aktienkurs in der NHL rapide ab. 2015 ­gaben ihn die Coyotes an Edmonton ab, das ihn 2016 aus dem Vertrag herauskaufte. Letzten ­Winter schnürte er die Schlittschuhe für Dallas und Columbus. Trotzdem hoffte er, nochmals in der NHL unterzukommen. Vergeblich. «Ich wartete so lange wie möglich, weil ich wusste, dass es schwierig ist, in die NHL zurückzukehren, wenn man einmal weg war.» Nun müsse er sich nicht vorwerfen, ­etwas verpasst zu haben. «Das erleichtert mir, das Kapitel NHL abzuschliessen.»

Lieber Zürich statt Peking

Grosse Pläne hat er in Zürich noch nicht geschmiedet. Er mag das Eishockey hier, das rasante Hin und Her, und seiner Verlobten und ihm gefallen die Stadt und der Lebensstil. Er schliesst aber nicht aus, es einmal in der russischen KHL zu versuchen, wo mehr Geld zu verdienen ist. «Aber dort gibt es nur fünf, sechs Clubs, wo man hinmöchte.» Die Kunlun Red Stars aus Peking, die sich auch um ihn bemühten, zählen nicht dazu.

Als Mann mit über 600 NHL-Spielen zweifelt Korpikoski jedenfalls nicht ­daran, dass ihm ein goldener Karriereherbst bevorsteht. Und davon wollen auch die ZSC Lions profitieren.

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