Courage in der Überzeit und die «Insel» Arcobello

Der SC Bern krampft sich zum dritten Sieg in Folge und ist mehr denn je von seinem Topskorer abhängig.

Mark Arcobello (vorne) und Captain Simon Moser beenden am Samstag in der Verlängerung Gottérons Nimbus.

Mark Arcobello (vorne) und Captain Simon Moser beenden am Samstag in der Verlängerung Gottérons Nimbus.

(Bild: Cyril Zingaro/Keystone)

Reto Kirchhofer@rek_81

Vielleicht muss einmal geklärt werden, was für die Konsumenten der SCB-Spiele zurzeit auf dem Menüplan steht – und was das bedeutet.

Zwischen Biel auf Rang 5 und Lugano auf Rang 9 liegen drei Punkte, die Mehrheit der National-League-Klubs ist in die Rangelei ums Playoff involviert. Bern klebt seit Wochen an der roten Trennlinie. Weshalb für den Meister die Affiche «Strichkampf» zum Alltag zählt. Und die Zutaten solcher Begegnungen sind nun mal Krampf, Verunsicherung, Nervosität, Fehler – nicht Esprit, Eleganz, Leichtigkeit und «Art on Ice».

Wer also erwartet hatte, der SCB würde im ultimativen Strichkampf die geschwächt angetretenen Freiburger an die Wand spielen, der wurde einerseits enttäuscht. Anderseits ist diese Erwartungshaltung im Januar 2020 realitätsfremd.

In den letzten Jahren war der Januar für den SCB eine Art «Leerlauf-Monat»: Die Tabelle bot keine Dringlichkeit, das Playoff war nah und doch fern. Nun aber ist jedes Januarspiel ein Krampf, jeder Sieg von hohem Wert. Dem 4:3 nach Verlängerung gegen Lausanne liess Bern ein 3:2 nach Überzeit in Freiburg folgen. Zwar gab der Meister in beiden Begegnungen im Schlussdrittel eine Führung preis. «Aber in unserer Situation sind vier Punkte positiv zu werden», sagte Topskorer Mark Arcobello. Trainer Kari Jalonen sprach von einer «guten Performance. Wir konnten umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten.»

Sprungers Check mit Folgen

Während Freiburgs Trainer Christian Dubé sein Personal zuletzt öffentlich in den Senkel stellte, pflegt der Finne die Kritik vornehmlich intern anzubringen. Er sagte: «Nun ist die Zeit gekommen, Courage zu zeigen.» Was der SCB gegen Lausanne und Gottéron in der Verlängerung auch tat.

Hauptsächlich prägt das Spiel der Berner aber die Suche nach Konstanz. Am Samstag entsprangen beidseits viele Aktionen dem Zufall, etwa Julien Sprungers Treffer zum 2:2, als der Puck irgendwie auf seiner Stockschaufel landete. Kein Zufall war, dass in dieser Szene die Zuordnung in der Defensive nicht stimmte – Sprunger hatte zuvor SCB-Verteidiger Yanik Burren mit einem Check gegen den Kopf aus dem Spiel genommen. Der Freiburger sprang leicht ab, fuhr den rechten Ellbogen aus. Mittlerweile ist ein Verfahren eröffnet worden.

Nach dem Ausgleich nahm das Zähringerderby Fahrt auf. Tore fielen bis zur Verlängerung keine mehr. Dort bugsierte der Meister die Könige der Überzeit vom Thron. Gottéron hatte zuvor in sechs Verlängerungen sechsmal getroffen. Am Samstag prägte der SCB die Zusatzschicht: Die Freiburger verzeichneten keinen Torschuss, bei Bern führte der sechste zum Erfolg: Captain Simon Moser lenkte Arcobellos Schuss ab.

Arcobellos Mentalität

Überhaupt: Arcobello. Auch ihm gelingt nicht alles, und doch wirkt der US-Amerikaner in der Mannschaft manchmal wie eine Insel des Selbstvertrauens in einem Meer Verunsicherter. Er sucht die Abschlüsse, riskiert die Querpässe, gestaltet die Angriffe. Gegen Lausanne lieferte er drei Assists, darunter den Pass auf Calle Andersson zum Siegtor. In Freiburg traf er zum 2:1, bereitete erneut den spielentscheidenden Treffer vor.

Mittlerweile ist der Center bester Skorer der National League (42 Punkte). «Auch bei mir läuft nicht alles geschmeidig», sagte Arcobello, «aber es geht darum, Risiken einzugehen und mutig den Sieg zu suchen, statt Angst vor dem Verlieren zu haben. Diese Mentalität brauchen wir im Kampf um Punkte.» Der Center lebt sie vor.

Am Freitag durfte sich Inti Pestoni an Arcobellos Seite versuchen, danach tauschte der Tessiner den Platz mit Vincent Praplan. In Freiburg begann Pestoni als 13. Stürmer. Jalonen ist auf der Suche nach den idealen Formationen. Zudem zwang ihn die Verletzung Matthias Biebers zu weiteren Anpassungen. Bieber hatte gegen Lausanne erstmals seit dem 16. November 2019 wieder gespielt. Nun fällt der Angreifer neuerlich aus.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt