«Einige Spieler tun sich schwer mit dem Konkurrenzkampf»

ZSC-Sportchef Edgar Salis kritisiert trotz guter Punkteausbeute, dass viele seiner Spieler nicht ihre Bestleistung bringen.

Auf ihn ist Verlass: ZSC-Topskorer Roman Wick schoss in Biel das entscheidende 4:3 in der Verlängerung. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Auf ihn ist Verlass: ZSC-Topskorer Roman Wick schoss in Biel das entscheidende 4:3 in der Verlängerung. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Mit dem 4:3 in Biel beendeten die ZSC Lions ihre Niederlagenserie . . .
(unterbricht) . . . Niederlagenserie?

Ja, zwei Niederlagen in Serie.
Den Ball flach halten, bitte!

Sie sind also zufrieden mit den Leistungen des Teams?
Das habe ich nicht gesagt. Unsere Punktausbeute ist in Ordnung. Aber sie spiegelt nicht, wie wir im Moment Eishockey spielen. Wir wussten, dass wir eine Weile brauchen würden, bis sich alle ­gefunden haben. Aber momentan sieht es so aus, als ob es noch länger dauert.

Woran liegt das?
Sicher auch daran, dass sich die Spieler an eine neue Kultur gewöhnen müssen. Auf dem Eis stimmt noch vieles nicht. Die Auslösungen stimmen nicht. Das Umschalten von der Defensive auf die Offensive ist viel zu kompliziert. Und wir schiessen zu wenig Tore, weil wir zu ­wenig Zug aufs Tor haben.

Bereitet der Systemwechsel den Spielern Probleme?
Das neue System bedingt vor allem in der Defensivzone Umstellungen. Aber so schwierig ist es nicht. Vor allem nicht, wenn man erfahrene Leute wie wir hat. Ich habe eher das Gefühl, viele Spieler suchen noch ihre Rolle. Es gab ja nicht nur an der Bande Wechsel, sondern auch im Team. Es herrscht ein Konkurrenzkampf. Und ich bin überrascht, wie schwer sich einige Spieler damit tun.

Mit dem Konkurrenzkampf?
Ja. Denn jeder, der bei einem sogenannt grossen Club unterschreibt, weiss, dass es einen Konkurrenzkampf gibt. Ich habe den Eindruck, dass sich 30, 40 Prozent der Spieler fragen: «Wo stehe ich? Wer bin ich? Was bringe ich dieser Mannschaft? Wo setzt mich der Trainer ein?» Das sorgt für eine gewisse Unsicherheit.

Ist es nicht der Job der Trainer, den Spielern aufzuzeigen, welche Rolle sie haben?
Logisch, sie sind die Chefs. Aber es ist ein Prozess. Stand heute sind wir überrascht, dass er länger dauert, als wir uns das vorgestellt hatten. Das Gute ist: Die Punkte sind okay. Aber wie wir zu diesen Punkten kamen, eigentlich nicht. Wir können nicht sagen, wir spielen erst im Februar richtig gut. Schliesslich haben wir auch Fans, die wir zufriedenstellen wollen.

Grosse Freude macht diese ­Mannschaft bisher nicht.
Einverstanden. Wir haben gute Phasen. Da denkt man: Jetzt kommt es! Unser bestes Eishockey zeigten wir in der Champions League. Das erste Drittel in Rauma war die Wunschvorstellung des Sportchefs. So möchte ich die Mannschaft immer sehen. Aber da sind wir noch lange nicht. Das weiss der Hinterste und Letzte in der Garderobe. Und das wissen auch die Trainer. Aber wir sind nicht allein.

Das heisst?
Auch andere tun sich schwer. Davos hat Mühe, Lugano auch, Bern, Fribourg. Es ist ein zähflüssiger Saisonstart ausser bei Lausanne, Biel und Kloten. Ich habe noch nicht viele gute Spiele gesehen. Und ich schaue mir nicht nur ZSC-Matches an. Das überrascht mich schon. Was uns betrifft: Wir kriegen es im Moment einfach nicht hin, 60 Minuten gut zu spielen. Das schafften wir in elf Spielen vielleicht einmal.

Beim 4:2 in Bern.
Richtig. Wir müssen nun schauen, dass aus 20 guten Minuten 25 werden. Und ­irgendwann 30. In Biel waren es vielleicht 25 Minuten. Grosszügig gerechnet. Wobei alle unsere Gegentore haarsträubenden Fehlern entstammten. Konstant Druck aufzubauen, das schaffen wir noch nicht. Daran müssen wir arbeiten. In Biel gefiel mir, dass die Coachs ein Zeichen setzten und die Linien umstellten.

Mit Ihren Zuzügen können Sie auch nicht zufrieden sein. Eingeschlagen hat nur Marti. Einverstanden?
(überlegt) Um Thoresen mache ich mir keine Sorgen. Die Olympiaqualifikation hat ihn zurückgeworfen. Aber er kommt schon. Und Sjögren finde ich gut. Von seinem Fehlpass in Biel abgesehen. Er bringt uns Wucht, er bringt genau das, was ich von ihm erwartet hatte.

Und Pestoni, Guerra und Rundblad?
Ich will nicht die Neuen und die anderen gegeneinander ausspielen. Ich bin auch mit vielen nicht zufrieden, die schon hier waren. Es geht nicht um Neue oder Alte, um Ausländer oder Schweizer. Wir ­haben einfach viel Arbeit vor uns.

Das Team ist so breit besetzt wie noch nie. Kann es nicht für Unruhe sorgen, wenn bestandene Stürmer wie Künzle gar nicht spielen?
Konkurrenz birgt immer ein gewisses ­Gefahrenpotenzial. Es kann sein, dass ­einige Spieler denken: Wenn ich einen Fehlpass spiele, kommt der andere. Aber auch das ist ein Prozess. Die Mannschaft wird sich finden. Auch andere Clubs ­haben 15 Stürmer. Der Unterschied ist, dass dort die Nummern 13, 14 und 15 Spieler sind, die wissen, sie spielen nicht, wenn die anderen gesund sind. Bei uns glaubt ­jeder, Anspruch auf einen Platz zu ­haben. Das hoffe ich wenigstens.

Fehlt Auston Matthews?
Nein.

Fehlt ein Nummer-1-Center?
Nein. Aus meiner Sicht nicht.

Sie sprachen das Coaching an. Sind Wallson/Johansson nicht zu passiv?
Sie pflegen einen anderen Stil als ­Crawford. Ihm warf man vor, er mische das Team zu sehr durch. Wallson und ­Johansson coachen auch, aber anders. Jeder Stil wird hinterfragt, wenn die Leistung nicht stimmt. Die einzige Wahrheit ist das, was man auf dem Eis sieht. Von den elf Spielen waren fünf, sechs durchzogen. Zurückhaltend ausgedrückt.

Müssen sich auch die Trainer ­anpassen?
Sie passen sich ja an. Wenn sie das nicht tun müssten, wäre das ein schlechtes Zeichen für unser Eishockey. Aber sie haben noch nicht einmal alle Gegner ­gesehen. Die Zeit, ein Gesamtbild zu ­bekommen, müssen wir ihnen geben. Sie müssen ein Gespür bekommen, wie es hier funktioniert. Auch, wie unsere ­Spieler funktionieren. Sie waren in Schweden in einem System, in dem sie sehr erfolgreich waren. Jetzt sind sie hier und müssen wieder etwas Neues aufbauen. Auch das ist ein Prozess.

Was tun Sie als Sportchef? Sprechen Sie mit den Spielern, den Trainern?
Natürlich. Aber ich posaune sicher nicht öffentlich herum, was ich tue. Fakt ist: Wir sind noch nicht da, wo wir sein möchten. Aber ich sehe es gar nicht so ungern, wenn die Spieler leiden müssen. Wenn in der Qualifikation ­alles läuft wie am Schnürchen, kann es passieren, dass man im Playoff auf die Welt kommt und 0:4 verliert. Wie letzte Saison geschehen.

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