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Berns Bandbreite: Von solid bis stümperhaft

Die Spieler des SC Bern geben bei Tabellenführer Servette alle Vorteile aus den Handschuhen und verlieren 1:2.

Die Einsamkeit des Torhüters: Tomi Karhunen ist gegen Daniel Winnik und Roger Karrer (nicht im Bild) ohne Chance.
Die Einsamkeit des Torhüters: Tomi Karhunen ist gegen Daniel Winnik und Roger Karrer (nicht im Bild) ohne Chance.
Martial Trezzini/Keystone

Welches ist die erfahrenste Mannschaft in der National League? Der SC Bern. Welches ist die unerfahrenste? Servette. Und welche Rolle spielt dieser Fakt in einem 35.Qualifikationsspiel? Offenbar keine. Jedenfalls fand der SCB einmal mehr den Weg in die Niederlage. Bern verlor beim Tabellenführer 1:2. Ob der Meister im Titelkampf respektive Playoff überhaupt dabei sein wird, wenn die Erfahrung dann wirklich von Relevanz ist, steht in der Schwebe. Er hat fünf der letzten sechs Begegnungen verloren und klebt nach wie vor am Strich.

Die Genfer stellen nicht nur das unerfahrenste, sondern mit einem Schnitt von unter 25 Jahren auch das jüngste Team. Vor allem aber sind sie zurzeit das erfolgreichste. Bei ihnen sorgen weder Tabelle noch Erwartungshaltung für Dringlichkeit. Der langjährige Nachwuchs- und jetzige Cheftrainer Pat Emond zeigt sich geduldig mit seinen jungen «Wilden», lässt sie keinerlei Druck spüren. Dies wäre unter seinem Vorgänger Chris McSorley und dessen Dampfhammer-Psychologie kaum vorstellbar gewesen.

Immerhin darf sich McSorley nun rühmen, eines der besten Ausländer-Quartette zusammengestellt zu haben: Tommy Wingels, Daniel Winnik, Eric Fehr und Henrik Tömmernes. «Jeder skort, jeder ist ein Mentor für die Jungen», sagte McSorley. Der Sportchef war in aufgeräumter Stimmung und ergänzte betreffend Servettes Ausländer: «Ich bin stolz auf mich – und auf meine Kollegen.» In dieser Reihenfolge, versteht sich.

Grund zum Stolz sein gibt es in Bern gerade keinen. Geschäftsführer Marc Lüthi liess nach den jüngsten Leistungen Dampf ab, sprach von «extrem arroganten Auftritten». Dabei sind die Berner eigentlich darauf bedacht, den Begriff «Arroganz» so selten wie möglich zu verwenden – im Wissen, dass dem Club exakt dieses Image anhaftet.

Nur: Die Leistungen vor Weihnachten gegen Ambri und in der Vorwoche in Rapperswil erinnerten tatsächlich an die überheblichen Darbietungen zu Saisonbeginn. Obwohl in Bern Tabelle und Erwartungshaltung für ordentlich Dringlichkeit sorgen (sollten). Jedenfalls wurden in den letzten Tagen wieder einmal viele Gespräche geführt.

2x Ablenker = 1:1

An diesem Abend galt: liefern statt lafern. Und der SCB lieferte zumindest ein solides Spiel ab. Er liess hinten wenig zu. Doch vorne fehlten Ideen und vor allem die Präzision. Nach zwei Dritteln hatten nur 14 der 37 abgegebenen Schüsse den Weg aufs Tor gefunden. Servette wurde die Blockarbeit dadurch erleichtert, dass die Berner häufig nach demselben Schema vorgingen: Scheibe tief in der Zone erkämpfen, zurück an die blaue Linie spielen, ein Verteidiger bringt sie aufs Tor, und dort lenkt vielleicht und hoffentlich einer ab.

Dieses Konzept war durchschaubar, führte aber in der 29. Minute durch Alain Berger nach einem Schuss Eric Blums zum Erfolg. Es handelte sich um das zweite Saisontor des Angreifers, der auf dem Papier die vierte Linie als Center zwischen Marc Kämpf und Andri Spiller anführte. Spiller erhielt null Sekunden Eiszeit. Er wird nächste Woche zu Rapperswil zurückkehren.

Ebenfalls zuschauen – wenn auch nicht von der Spielerbank aus – musste der überzählige Jan Mursak. Stattdessen erhielt der kanadische Verteidiger Andrew MacDonald Auslauf. Er sollte hinten für Stabilität sorgen, was mit zunehmender Dauer weniger gut klappte. Es gab Fehlpässe durch die eigene Zone, Unachtsamkeiten wie jene von Andrew Ebbett, der den aufgerückten Genfer Simon Le Coultre gewähren liess. Und schliesslich kam auch Servette mit dem Berner Rezept zum Erfolg: Timothy Kast schoss, Calle Andersson hatte zwar den Gegenspieler Marco Miranda im Griff, nicht aber dessen Stock unter Kontrolle.

Die verhängnisvolle Szene

Entscheidendes ereignete sich zwischen der 45. und 47.Minute: Der SCB durfte sich zwei volle Minuten lang mit 5 gegen 3 versuchen. Er brachte nichts zustande und liess sich nach Ablauf der Strafen düpieren: Ramon Untersander schoss in den Block, Winnik und Roger Karrer kehrten von der Strafbank zurück, kamen sogleich in Scheibenbesitz und verwerteten den Konter. So brachten sich die Berner auf stümperhafte Weise um den Ertrag.

Vielleicht fehlt ihnen in solchen Situationen die Erfahrung.

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