Bei allem Respekt

Noch ist die Serie gegen Lausanne nicht gewonnen. Aber die guten Trümpfe hat nun der SC Bern in der Hand.

Cristobal Huet fischt den Puck aus dem Tor – Lausannes Goalie wirkte zuletzt nicht mehr so überzeugend wie zuvor.

Cristobal Huet fischt den Puck aus dem Tor – Lausannes Goalie wirkte zuletzt nicht mehr so überzeugend wie zuvor.

(Bild: Keystone)

Dieter Stamm@StammDieter

Es ist verpönt, das Fell des Bären zu verteilen, ehe er erledigt ist. Auch in einer Stadt mit einem Bären im Wappen. Aber nach der Vorstellung des SCB in Spiel 5 der Viertelfinalserie gegen Lausanne darf man aus Berner Sicht zuversichtlich in Richtung Halbfinal blicken. Es müsste mit dem Teufel zugehen, sollte die Mannschaft von Guy Boucher die gute Ausgangslage, die sie sich erarbeitet hat, noch verspielen. Folgende Punkte sprechen für den SC Bern:

Die Statistik: Es sind zwar nur Zahlen, aber auch Statistiken haben eine ­Relevanz. Sie sprechen von Chancen und Risiken. Und diese sind im aktuellen Fall klar verteilt: Nur ein einziges Mal seit der Einführung des Best-of-seven-Modus vor bald 20 Jahren hat der SC Bern ein Duell verloren, in dem er 3:2 in Führung gelegen hatte. Das war in der Saison 2011/12. Im Final gegen die ZSC Lions lagen die Berner gar 3:1 vorne und verloren die Serie noch. Aber Lausanne ist – bei allem Respekt – nicht Zürich.

Der Glaube: Die Töne vor dem dritten und vierten Spiel waren martialisch, wie es sich für einen Aussenseiter gehört, der an die dicke Überraschung glaubt. Das ging so weit, dass die welschen Medien Lausanne in die Favoritenrolle filmten, redeten und schrieben. Ein Lehrstück an Überhöhung. Nach der fünften Partie klang dann alles anders. «Bern war von A bis Z besser» (Trainer Heinz Ehlers). «Der SCB war super» (Spieler John Gobbi). «Der Favorit hat zurückgeschlagen» («20 minutes»). Der Glaube ist der Ernüchterung gewichen. Das sind nicht die Voraussetzungen für eine grosse Überraschung.

Die Anpassung: Immer wieder hat Boucher betont, er habe nicht nur einen Plan A zur Hand, sondern auch einen Plan B und C in der Hinterhand. Bloss hat man die Alternativpläne bis zum fünften Spiel nicht zu Gesicht bekommen. Stets liess der Kanadier seine Spieler gleich laufen. Und nun, am Dienstag, hat er etwas verändert: Er liess seine Stürmer häufiger nach vorne gehen, wenn der Gegner im Begriff war, sein Spiel aufzubauen. Das hatte eine Kettenreaktion zur Folge. Lausanne produzierte Fehler, was zur Folge hatte, dass auf dem Eis Unerwartetes geschah. Und prompt fielen Tore. Es dürfte der Schlüssel zum Erfolg in dieser Serie gewesen sein. Zumal mit Eric Blum, Philippe Furrer und Chris­toph Bertschy kreative Spieler in Form gekommen beziehungsweise ins Team zurückgekehrt sind.

Die Entzauberung: Die Berner hatten vor der defensiven Spielweise der Waadtländer grossen Respekt. Insbesondere Goalie Cristobal Huet erschien ihnen als Riese, ja fast als Überfigur. Sie bauten ihn zusätzlich auf, in dem sie seinen Anteil am Erfolg noch erhöhten. Man habe vor allem zweimal gegen Huet verloren, sagte Boucher nach der Heimniederlage, und im Matchprogramm schrieb der Klub sinngemäss, dass man gar nicht gegen Ehlers Team hätte antreten müssen, wäre Huet nicht während der Saison ein paar Spiele ausgefallen. Weil die Waadtänder dann besser als auf dem 7. Schlussrang klassiert gewesen wären. Schliesslich brauchte es ein überraschendes Schüsschen von Verteidiger Furrer, um den Giganten auf ein natürliches Mass schrumpfen zu lassen. Wenn einer in dieser Serie ein überragender Torhüter ist, dann Marco Bührer.

Schwer vorstellbar

Für das Spiel 6 von heute in Malley (20.15) sind das beste Berner Perspektiven. Nicht, dass eine Niederlage ausgeschlossen wäre. Aber für ein Ausscheiden brauchte es deren zwei in Folge. Und das kann man sich aus den genannten Gründen nur schwer vorstellen.

Cristobal Huet fischt den Puck aus dem Tor – Lausannes Goalie wirkte zuletzt nicht mehr so überzeugend wie zuvor. Foto: Keystone

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