Von Marathonmännern im Schweizer Eishockey

Erst seit letzter Saison wird im Schweizer Eishockey die offizielle Eiszeit der Spieler publiziert. Ein Blick auf diese Statistik in der noch jungen Saison – bei allen 12 NLA-Clubs.

Jonas Junland, der letzte und auch bislang diese Saison meist eingesetzte NLA-Spieler.

Jonas Junland, der letzte und auch bislang diese Saison meist eingesetzte NLA-Spieler. Bild: Laurent Gillieron/Keystone

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Natürlich ist die Saison erst drei Runden alt und damit der Umgang mit Statistiken mit Vorsicht zu geniessen. Interessant bei der Eiszeit ist, dass immer mehr Coaches predigen, diese so gut wie möglich verteilen zu wollen – alles andere sei im modernen schnellen und physischen Eishockey gar nicht mehr zu verantworten. Gerade zu Saisonbeginn könnte man meinen, dass es noch keinen Grund gibt, einzelne Spieler oder gar ganze Blöcke zu forcieren. Ein kurzer Überblick bei allen zwölf NLA-Clubs, stets basierend auf der offiziellen, auf der Verbands-Homepage sihf.ch publizierten Statistik:

Ambri: Hier wird auf die Ausländer gesetzt: Verteidiger Plastino und die Stürmer Emmerton, D’Agostini sowie Taffe «fressen» am meisten Eiszeit – in allen Situationen. Emmerton ist mit 21:36 Minuten durchschnittlicher Eiszeit der am häufigsten eingesetzte Stürmer der Liga. Im Powerplay setzt Trainer Luca Cereda fix auf zwei Linien, die vier Ausländer werden gemeinsam mit Zwerger forciert, die anderen Schweizer kommen als zweite Welle und zur Entlastung zum Einsatz. Im Boxplay wird ausgeglichener gecoacht – Emmerton bildet die Ausnahme, er kommt auch hier mit Abstand am häufigsten zum Einsatz.

Bern: Meistertrainer Kari Jalonen hielt in den ersten beiden Spielen nicht viel vom Forcieren einzelner Spieler – auch wenn ihm vier Verteidiger verletzt fehlen. Mit Verteidiger Maxim Noreau kommt bloss ein Spieler auf über 20 Minuten pro Spiel, die 22:06 Minuten sind aber kein extremer Wert. Im Powerplay setzt Bern ebenfalls auf die Ausländer, Simon Moser und Thomas Ruefenacht durchbrechen diese Phalanx als einzige. Einen Schweizer Marathonmann gibt’s in Unterzahl mit Beat Gerber, dies dürfte indes mit der Personalsituation der vielen verletzten Abwehrspieler zusammenhängen.

Biel: Siehe da: Mike McNamara, der mit 68 Jahren älteste Headcoach der Liga, hält am wenigsten vom konservativen Coaching. Kein einziger ausländischer Stürmer wurde bislang im Übermass eingesetzt, die 19:20 Minuten Robbie Earls sind der Spitzenwert. Der in beiden Special Teams gemeinsam am ehesten forcierte Spieler ist der Schweizer Verteidiger Marco Maurer, während der neue Abwehrchef Beat Forster bei numerischem Gleichstand mit Abstand am meisten Eiszeit erhält. Bemerkenswert: Weder in Über- noch in Unterzahl werden die Ausländer forciert.

Davos: Arno Del Curto ist einer von nur zwei Headcoaches, die bislang bei numerischem Gleichstand konsequent vier Linien laufen lassen. Im Powerplay setzt der Bündner auf zwei gleichberechtigte Formationen. Etwas forciert wird in Davos nur in Unterzahl, wo sich die Last zwar auf drei Stürmer-Paare, aber nur vier Verteidiger (Paschoud, Du Bois, Heldner, Nygren) verteilt. Insgesamt kommen nur zwei Verteidiger (Nygren und Du Bois) auf knapp über 20 Minuten Eiszeit, die beiden am häufigsten eingesetzten Stürmer sind mit Ambühl (19:15) und Corvi (19:03) Schweizer und bleiben unter der ominösen 20-Minuten-Marke.

Fribourg: Der neue Gottéron-Coach Mark French ist der zweite Coach nebst dem Davoser Del Curto, der bei numerischem Gleichstand auf dem Eis mehr oder weniger mit vier Linien durchspielt: Linie 1 kommt rund 12 Minuten zum Einsatz, Linie 4 erhält deren 8 – dies spricht dafür, dass nur in Schlüsselsituationen von der Rotation abgewichen wird. In den Special Teams setzt French auf Spezialisten, die entweder nur im Powerplay (Sprunger, Rathgeb, Rossi, Mottet) oder nur im Unterzahlspiel (Stalder, Chavaillaz, Stalder, Schmutz) eingesetzt werden. Ausschliesslich die Ausländer Holös, Slater, Birner und Meunier kommen in allen Situationen zu regelmässiger Eiszeit.

Genf-Servette: Auch der neue Genfer Coach Craig Woodcroft forciert bislang keinen einzigen Spieler: Sein meisteingesetzter Spieler ist der neue Abwehrchef Henrik Tömmernes mit 20:47 Minuten pro Spiel – der klar tiefste Höchstwert ligaweit. Gleich mehrere Spieler, die in beiden Special Teams regelmässig zum Einsatz kommen (Richard, Riat, Romy, Spaling), müssen dafür bei numerischem Gleichstand Einbussen in der Eiszeit inkauf nehmen – ein seltenes Muster in der National League. Eine Ausnahme bilden Almond im Sturm und Jacquemet in der Abwehr – es sind entsprechend die beiden am meisten eingesetzten Schweizer im Team mit 20 respektive 19 Minuten Totaleiszeit pro Spiel.

Kloten: Die spezielle Kader-Situation mit nur zwei gesunden Ausländern verleitet Trainer Pekka Tirkkonen dazu, die beiden schwedischen Verteidiger Bäckman und Andersen am häufigsten einzusetzen. Er tut dies aber gemässigt: Pro Spiel 22:49 (Bäckman) und 20:15 (Andersen) sind keine verrückten Werte. Bäckman wird im Unterzahlspiel etwas entlastet, Andersen im Powerplay. Klare Leadrollen sowohl in Unter- als auch in Überzahl erhielt bloss Verteidiger Patrick von Gunten bei seinem Comeback am Dienstag in Lugano, ansonsten wird die Eiszeit in den Special Teams sorgfältig verteilt.

Lausanne: In Lausanne spielt der bisherige Marathonmann der Liga, die Chancen stehen gut, dass dies auch Ende Saison der Fall sein wird: Verteidiger Jonas Junland war bereits 2016/17 mit 25 Minuten die Nummer 1 der NLA, heuer kommt er bislang auf 25:31 pro Spiel. Nebst Junland kommt nur noch Dustin Jeffrey in allen Situationen zur Kasse, darum die total für einen Stürmer hohen 20 Minuten Eiszeit. Ansonsten wird in Unterzahl auf Schweizer Handwerk (Borlat, Gobbi, Schelling, Vermin, Frick, Fischer) gesetzt. Und auch im Powerplay kommen immerhin sechs Schweizer auf ähnliche EIszeiten wie die Söldner.

Lugano: Was als erstes ins Auge sticht: Linus Klasen ist der bloss fünfthäufigst eingesetzte Stürmer. Leicht forciert werden in Lugano mit Sanguinetti und Furrer vorerst nur zwei Verteidiger. Bei den Stürmern kommt Lapierre klar auf die höchste Eiszeit, was doch etwas erstaunt. Schweizer Stürmer in allen Rollen gibt’s mit Sannitz nur einen. Bei numerischem Gleichstand tendiert Coach Greg Ireland leicht dazu, auf drei Linien zu setzen. Ein Grund könnte hierfür sein, dass Lugano bislang verhältnismässig wenig Unterzahl spielen musste.

SCL Tigers: Heinz Ehlers verteilt die Eiszeit über alle Spielsituationen gesehen unter seinen Top-3-Linien einigermassen gleichmässig. Die Ausnahme: Verteidiger Ville Koistinen steht pro Spiel 24:06 Minuten auf dem Eis und damit fünf Minuten mehr, als der zweithäufigste eingesetzte Spieler. Vier der ersten fünf Plätze werden von den Ausländern eingenommen, Verteidiger Huguenin und die beiden Stürmer Albrecht und Nüssli sorgen für Schweizer Abwechslung. Auch Langnau musste bislang eher wenig in Unterzahl spielen, auch das ermöglicht wohl diese Konstellationen.

ZSC Lions: Eine vierte Linie, die kaum aufs Eis kommt, gibt es bei den ZSC Lions nicht. Eine Diskrepanz lässt sich bloss bei den Verteidigern feststellen: Klein, Geering, Marti und Phil Baltisberger waren bislang die klare Top 4, die sich auch alle Zeit im Boxplay teilen, mit der Rückkehr des bislang kranken Blindenbachers dürfte sich dies ändern. Dass nur Klein (22:03) und Geering (22:06) auf über 20 Minuten kommen, liegt daran, dass Headcoach Wallson im Powerplay nur diese beiden bringt und ansonsten ausschliesslich auf Stürmer setzt. Einen in allen Lagen regelmässig eingesetzten Stürmer gibt es mit Schäppi bloss einen.

Zug: In Zug findet sich in der Eiszeit-Statistik am ehesten Tendenzen zu «Good ol' Hockey»: Bei numerischem Gleichstand erhält keine andere vierte Linie so wenig Eiszeit wie jene beim EVZ, die Linien 1 bis 3 sind dafür einigermassen gleichberechtigt. Auffällig: Gleich sieben Spieler kamen sowohl in Unter-, als auch in Überzahl zu regelmässigen Einsätzen, darunter mit Stalberg, Roe, Klingberg und bis zu seinem verletzungsbedingten Ausfall auch McIntyre vier der fünf Ausländer. Insgesamt vier Spieler kommen auf über 21 Minuten Eiszeit, darunter mit Stalberg und Roe auch zwei Stürmer – beides ist ligaweit einmalig. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.09.2017, 16:55 Uhr

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