Vier Neue beim SCB

Mika Pyörälä, Gaëtan Haas, Marc Kämpf und Pascal Caminada: Das Quartett wechselte unter verschiedenen Vorzeichen nach Bern.

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#37 Mika Pyörälä - Der pflegeleichte Weltmeister.

So einen wünscht sich jeder Trainer. Stark am Puck, guter Blick für die Kollegen und das Spiel, beneidenswert sicher auf den Schlittschuhen und dank viel Erfahrung mit allen Wassern gewaschen. Dazu: Weltmeister, Vizeweltmeister, gestählt in NHL und KHL und letztes Jahr wertvollster Spieler der finnischen Liga. Und die ist ziemlich stark, wie der SCB aus eigener Erfahrung weiss. Bei einem solchen Leistungsausweis geht einer schon mal mit breiter Brust durchs Leben. Nicht Mika Pyörälä. Der tut, als sei er kein bisschen besser als all die anderen.

Natürlich ist es kein Zufall, dass der 36-Jährige in Bern gelandet ist. Trainer Kari Jalonen hat genau gewusst, wen er sich ins Team holt. Er war mal Trainer von Kärpät, dem Hockey-Club in seinem Heimatort, der nördlichsten grossen Stadt innerhalb der EU: Oulu. Das war vor zehn Jahren, und einer seiner Spieler hiess Pyörälä. Seit damals weiss Jalonen, was man mit diesem Weltklasse-Spieler alles machen kann: in die Mitte stellen, am Flügel laufen lassen, bei Unter- und Überzahl einsetzen und auch mal auf die Tribüne setzen, wenn es nicht anders geht. Weil Verteidiger Noreau spielen wird, so lange die Defensive dezimiert ist, muss immer einer der vier ausländischen Stürmer zuschauen. Da ist es gut, ist der Weltmeister im Team pflegeleicht.

Pyörälä wollte noch einmal etwas Neues sehen. Das Kapitel NHL ist abgeschlossen, und die russische Liga kein gutes Pflaster, wenn man Familie hat: zu wenig behaglich, zu weit. Wohin also? Jetzt wohnt er mit seiner Frau und den beiden kleinen Buben in Stettlen. Das ist genau das Richtige. (dst)

#92 Gaëtan Haas - Der Hoffnungsträger mag es ruhig.

Die Fussstapfen, die Gaëtan Haas auszufüllen hat, sind sehr gross. Der Bieler gilt als Nachfolger von Martin Plüss, der lebenden Schweizer Eishockeylegende. Das sei vor allem eine Sache der Medien, wiegelt Haas ab. Doch Tatsache ist: Plüss prägte den SCB während der letzten neun Jahre und war in dieser Zeit einer der besten Schweizer Center der Liga. Und Haas? Der gefragteste der jungen Schweizer Spieler auf dieser Position. Von all dem lässt sich der 25-Jährige nicht beeindrucken. Er hätte nach Lausanne gehen können, wo Erwartungen und Druck tiefer und der Lohn höher gewesen wären. Er wählte Bern, weil er zu einem grossen Club wollte, weil er viel von den Trainern hält. Und er hätte eigentlich gerne mit Plüss zusammen gespielt. Der Wirbel um seinen Wechsel im letzten Winter habe ihn abgelenkt, sagt er. Denn eigentlich möge er es gerne ruhig. «Während ein oder zwei Wochen spielte ich nicht gut», blickt er zurück. Er sei froh gewesen, als das Thema endlich erledigt gewesen sei. Typisch finnisch ruhig sei es auch mit dem Trainerduo Jalonen/Peltonen. «Sie sprechen weniger mit den Spielern, als ich es gewohnt bin», sagt Haas. Ein Führungsstil, den er mag.

Seine persönlichen Ziele in Bern definiert er nicht über Tore und Punkte. «Ich will als Center nicht nur offensiv, sondern auch in der Verteidigung Verantwortung übernehmen», sagt er, «und mich weiterentwickeln.»

Während das Team immer hinter ihm stand, hatten ihm einige Fans des EHC Biel seinen Wechsel zum SCB übel genommen. Immerhin bleibt er der Stadt teilweise erhalten: Weil seine Freundin im Jura arbeitet, wird er in Biel wohnhaft bleiben. (dgr)

#27 Marc Kämpf - Der Name ist Programm.

Für Marc Kämpf ist nicht alles neu im SCB. Vorletzte Saison, in der Berner Seuchensaison mit den zahlreichen Verletzten und dem Schlussfurioso, da hatte er im Playoff ein kurzes Gastspiel gegeben und so einen kleinen Teil beigetragen zum Meistertitel. In zwei Partien war er zum Einsatz gekommen, allerdings nur auswärts. Deshalb freut sich der 26-Jährige besonders auf sein erstes Heimspiel im SCB-Dress am Samstag. Sowieso hat der Bündner aufregende Monate vor sich: Morgen heiratet er seine Freundin, im Dezember erwartet das Paar sein erstes Kind.

Kämpf ist in Klosters aufgewachsen und entstammt einer Tennis-Familie. Sein Herz schlägt aber nicht etwa für Roger Federer, sondern für dessen spanischen Kontrahenten Rafael Nadal. «An Nadal mag ich das Kämpferische, das Aggressive», sagt er. Das entspreche auch seinem Spielstil auf dem Eis. Nach sieben Jahren in der NLB bei Langenthal fühlte er sich bereit für den Schritt in die NLA.

Bei Kämpf ist der Name Programm: «Ich habe mir immer alles erkämpfen müssen», sagt er über sich selber. Zu tun hat das auch mit seinen Massen: Mit 178 Zentimetern und knappen 80 Kilogramm gehört er nicht zu den ganz grossen Brocken im Eishockey. Dass er es ausgerechnet zum SCB schaffte, ist für Kämpf noch immer nicht selbstverständlich. Selbstbewusst sagt er: «Ich will nicht einfach nur dabei sein hier. Ich will meinen Teil zum Erfolg beitragen.»

Für Kämpf ist es eine spezielle Angelegenheit: Als Kind stand er einst als Fan auf der Stehrampe des Allmendstadions und feuerte den SCB an. Jetzt wird er ausgerechnet für diesen Club auflaufen. (dgr)

#33 Pascal Caminada - Edelversion eines Ersatz-Torhüters.

«Jeder Eishockeyspieler will auch spielen.» Der Satz stammt von Pascal Caminada. Ausgerechnet, ist man versucht zu sagen. Denn der 30-Jährige scheint mitunter die Personifizierung des Gegenteils zu sein. Er ist ein ausgezeichneter Torhüter, das ist unbestritten, aber sein Kopf, den man an der Bande sieht, wenn er für die Kollegen das Türchen öffnet und schliesst, ist präsenter als sein Helm. Er ist sozusagen die Edelversion eines Ersatztorhüters.

Dabei macht er es sich selber alles andere als einfach. Er könnte in der NLB Stammgoalie sein, keine Frage, vielleicht auch bei einem NLA-Club mit klammem Budget ein gleichberechtigter Schlussmann. Aber er hat anders gewählt. In den letzten drei Jahren war er in Lausanne beschäftigt. Heinz Ehlers, die ersten zwei Saisons sein Trainer bei den Waadtländern, kannte ihn aus der gemeinsamen Zeit bei Biel.

Caminada war einer der Bieler Aufstiegsgoalies gewesen: nicht die alleinige Nummer 1, aber gut genug eine zu sein, wenn immer es sein musste. So einen brauchte Ehlers. Sein Nummer-1-Goalie hiess Cristobal Huet.

Und nun braucht auch SCB-Trainer Kari Jalonen einen solchen Mann. Dem Finnen gefiel das Experiment mit einem jungen Goalie letzte Saison nicht. Er schätzt Erfahrung, auf diesem Posten ganz besonders. Und Leonardo Genoni wird nicht jedes Spiel bestreiten können. Also ist Caminada die ideale Besetzung. Sportchef Alex Chatelain fasst die ganze Geschichte in einem einzigen Satz zusammen: «Er wird zum Spielen kommen, aber er kennt seine Rolle und macht das bis jetzt sehr gut.» (dst) (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.09.2017, 06:54 Uhr

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