«Solche Spiele müssen wir
 bald gewinnen»

Mit der 2:5-Niederlage gegen die ZSC Lions verabschiedeten sich die Bieler ehrenvoll aus dem Playoff. Das reicht ihnen längst nicht mehr.

Goalie Simon Rytz ärgerte sich über Biels schlechteste Leistung der Serie.

Goalie Simon Rytz ärgerte sich über Biels schlechteste Leistung der Serie. Bild: Keystone

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Dieses Mal gaben die Bieler nicht die ­zufriedenen Verlierer. Als sie vor zwei Jahren die siebte Partie im Playoff-Viertelfinal gegen Freiburg verloren, wurden sie von den Siegern mit Lob überhäuft. Und die Seeländer waren stolz auf ihre ehrenvolle Niederlage. Am Samstag nach dem 2:5 gegen die ZSC ­Lions feierten die mitgereisten Anhänger sich und die Spieler noch lange nach Spielschluss, aber denen war gar nicht so sehr danach zumute. Sie wussten: Dieses Mal waren sie ziemlich nahe dran ­gewesen an der grossen Überraschung. Natürlich hatten die Zürcher die entscheidende Partie hochverdient gewonnen, sie waren schneller, präziser und routinierter gewesen. Aber die Bieler haderten vor allem mit ihrer eigenen Leistung, der «schlechtesten der ganzen Serie», wie Torhüter Simon Rytz feststellte.

Warmer und frostiger Abschied

Man mochte ihm nicht widersprechen: Mit einem katastrophalen Spielerwechsel und einer überflüssigen Strafe hatten die Gäste nicht nur bei den ersten ­beiden Treffern kräftig mitgeholfen. Und so trauerte nicht nur Pär Albrandt der ­vierten Partie nach, in der die Seeländer eineinhalb Minuten vor Schluss 2:1 geführt hatten und in Überzahl spielen konnten – und am Ende doch noch verloren. ­«Unglaublich, das war das entscheidende Spiel, mit einer 3:1-Führung hätten wir sie schlagen können», so der schwedische Stürmer mit den besten Skorer-Werten aller Viertelfinal-Serien (5 Tore, 3 Assists). Mit seinen Auftritten hatte der 32-Jährige die Leistungen eines Teams veredelt, das in kämpferischer und bisweilen auch spielerischer Hinsicht zu überzeugen vermochte und ­damit dem Meister aus Zürich ziemlich zusetzte. Dieses Fazit stimmte Trainer Kevin Schläpfer nicht milde: Noch auf der Heimreise nach Biel wollte er die Partie analysieren und die Fehler mit den Spielern besprechen. «Ich mag jetzt noch nicht feiern. Wollen wir weiterkommen, müssen wir solche entscheidenden Spiele bald mal gewinnen.»

Einem war ganz besonders nicht nach Feiern zumute: Mit Tränen in den Augen verabschiedete sich Emanuel ­Peter von den Fans. Nach neun Jahren wechselt der 30-Jähige zum EV Zug, «als Mensch und Leistungsträger ein grosser Verlust», wie Schläpfer anmerkte. Derweil fiel der Abschied von Oliver Kamber eher frostig aus. Der Flügelstürmer wechselt nach zwei Jahren zu Ambri-Piotta, weil dort die Bezüge ­höher sind als im Seeland. Der 35-Jährige hatte die Saison stark begonnen, danach aber abgebaut und war vor ­allem im Playoff untergetaucht. Am Samstag war er gegen Ende der Partie kaum noch zum Einsatz gekommen, Schläpfer war von seinem Cousin sehr enttäuscht: «Es würde mich auch interessieren, warum er in einer so wichtigen Partie so schlecht spielt.» Die Frage blieb unbeantwortet, Kamber hatte das Stadion schon verlassen.

Neuen Ausländer verpflichtet

Für die nächste Saison erhöhen die Bieler nun ihr Budget von 10 auf 12,5 Millionen Franken. So können sie die Abgänge mit den neu verpflichteten Stürmern ­Fabian Sutter (Zug), Fabian Lüthi und Daniel Steiner (beide Ambri) oder dem Heimkehrer und Verteidiger Anthony Huguenin (Freiburg) erstmals mehr als kompensieren. Die Ausländer Spylo, ­Albrandt und Olausson spielen auch in der neuen «Tissot-Arena». Neu verpflichtet wurde gemäss «Blick» US-Stürmer Tim Stapleton. Der spielt seit drei Jahren in der russischen KHL, erzielte in 174 ­Spielen 108 Punkte – und steht aktuell mit Metallurg Magnitogorsk im Playoff. Zuvor brachte es der 32-Jährige in der NHL für Toronto, Atlanta und Winnipeg auf 118 Spiele (37 Punkte). Der Schwede Dragan Umicevic muss das Seeland verlassen, der während der Saison verpflichtete Kanadier Jérôme Samson könnte bleiben, wenn die Bieler mit fünf Ausländern in die neue Saison starten.

Abschied nach 43 Jahren

Bis es soweit ist, gibt es für den Klub noch viel zu tun. Der Umzug in die neue Arena steht an, das alte Eisstadion wird in den nächsten Wochen abgerissen – nach 43 Jahren, drei Meistertiteln, ­einem Abstieg und zwei Aufstiegen. Dort, wo bis letzten Donnerstag noch Eishockey gespielt wurde, kommen inskünftig neue Fussballfelder zu liegen. In der letzten Partie besiegte der EHC Biel also den amtierenden Meister in einem Playoff-Viertelfinal-Spiel. Ein würdiger Abschied, könnte man meinen.

Die ­Bieler selber hätten lieber noch eine Playoff-Halbfinal-Serie angehängt. (Der Bund)

Erstellt: 16.03.2015, 08:51 Uhr

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