So einen Vertrag hat der SCB noch nie ausgestellt

Tristan Scherwey hat als erster Spieler in der Schweizer Eishockeyliga einen Siebenjahresvertrag unterzeichnet. Er bleibt bis 2027 beim SC Bern.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Kurz vor Weihnachten sitzt Tristan Scherwey im Restaurant der Postfinance-Arena und sagt: «Ich möchte in Bern vorzeitig verlängern und einen langfristigen Vertrag unterschreiben.» Zu diesem Zeitpunkt hat der 27 Jahre alte Angreifer mit SCB-Sportchef Alex Chatelain noch nicht konkret verhandelt.

Man kann Scherwey in diesem Moment fehlendes Verhandlungsgeschick unterstellen. Weshalb pokert er nicht? Er könnte die Berner Verantwortlichen unter Druck setzen, in der Öffentlichkeit vom Interesse aus Lausanne erzählen, sagen, sein Verbleib in Bern sei in der Schwebe. Scherwey zieht die Transparenz dem Kokettieren vor. Er weiss, dass beim SC Bern 2020 etliche Verträge von Führungsspielern auslaufen. Er will ein Zeichen setzen, vorangehen.

Anderthalb Monate später könnte das Zeichen deutlicher nicht sein. Er verlängert in Bern vorzeitig um vier, fünf, sechs, nein: um sieben (!) Jahre bis 2027. «Ich habe mir das so gewünscht», sagt Scherwey. Er fühle sich geehrt, sei dankbar. «Und ich bin sehr stolz.»

Beidseits keine Zweifel

2007 kam er aus dem Nachwuchs von Gottéron nach Bern. Er war Talent, Flegel, Lausbub, musste während der Handelsschule jede Woche bei Geschäftsführer Marc Lüthi vorsprechen. Ein Lausbub ist Scherwey geblieben, doch innerhalb der Mannschaft ist er zum Leader gereift. Am Mittwoch verkündete er vor versammelter Equipe seine Vertragsverlängerung bis 2027. Er sagt: «Einige dachten: Der Scherwey macht mal wieder einen Scherz.»

Nie zuvor hat ein Spieler im Schweizer Eishockey einen Kontrakt über sieben Jahre unterschrieben. Scherwey sagt: «Ich wollte um sieben Jahre verlängern. Ich habe seit meinem Wechsel nach Bern keine Sekunde lang an einen Transfer gedacht. Wir haben Charakter, Wille, einen starken Kern. Das macht den SCB aus. Es spricht vieles für diese Mannschaft.»

Für Scherwey stand ein Transfer also nicht zur Debatte. Die Frage geht an Sportchef Alex Chatelain: Weshalb gehen Sie das Risiko ein, ohne Dringlichkeit mit einem Spieler gleich um sieben Jahre zu verlängern? «Jeder Vertrag birgt Risiken», sagt Chatelain. «Aber bei Scherwey gibt es nicht den geringsten Zweifel. Er ist unser Zugpferd nach innen und nach aussen. Sein Einsatz im Team ist ebenso vorbildlich wie sein Umgang mit den Fans. Er hat ein Riesenherz.»

Nicht kommuniziert haben die Berner, dass sich Scherwey für Sommer 2020 eine Ausstiegsklausel für die NHL ausbedungen hat. Der Name des Stürmers steht seit Scherweys Olympiadebüt und den starken WM-Leistungen im Vorjahr in den Notizbüchern einiger Scouts. Er sagt: «Vor drei Jahren war die NHL kein Thema. Mittlerweile trage ich den Gedanken in mir. Die Chance auf Einsätze ist sehr gering. Aber sollte sich in den nächsten zwei Jahren etwas ergeben, möchte ich es versuchen.»

Scherweys Vertrag in Bern läuft im Frühling 2027 aus, just vor seinem 36. Geburtstag. Und dann? «Dann möchte ich für weitere fünf Jahre unterschreiben.»

DerBund.ch/Newsnet

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