Rüthemann lädt Batterien auf dem Rad

Der Playoff-Topskorer des SC Bern verzichtete gestern nebst fünf anderen auf das Eistraining. Mit frischer Energie wollen die Berner heute (20.15/SF 2) den Ausgleich in der Halbfinal-Serie schaffen.

Der Mann für die wichtigen Tore beim SCB: Ivo Rüthemann (rechts), der beste Playoff-Skorer des Teams, lässt sich nach dem 1:0 in Kloten feiern. (Keystone)

Der Mann für die wichtigen Tore beim SCB: Ivo Rüthemann (rechts), der beste Playoff-Skorer des Teams, lässt sich nach dem 1:0 in Kloten feiern. (Keystone)

Erstmals im diesjährigen Playoff gab es für die SCB-Spieler am Freitag ein «Optional Training». Jeder konnte also selber entscheiden, ob er die Beine auf dem Eis oder auf dem Fahrradergometer bewegen will. Obwohl Trainer Larry Huras am Vorabend in Kloten nicht mit allem glücklich gewesen war, verzichtete er auf eine weitere Einheit mit kompletten Linien oder Special Teams für Power- und Boxplay. «Die Spieler müssen die Batterien wieder aufladen. Sie sind Profis und wissen, was ihr Körper und ihr Kopf braucht», erklärte der Kanadier. Die Arbeit auf dem Eis beschränkte sich auf eine knappe halbe Stunde mit lockeren Übungen und einem Trainingsspiel zum Abschluss. Mit von der Partie waren auch Travis Roche, der zuletzt angeschlagen gefehlt hatte, und Johann Morant. Der schweizerisch-französische Verteidiger hatte Mitte Januar eine Partie für den SCB bestritten und besitzt bei den Bernern einen Vertrag für die nächste Saison. Vor zwei Wochen war er mit NLB-Qualifikationssieger La Chaux-de-Fonds am späteren Meister Visp gescheitert.

Mit den Stürmern Ivo Rüthemann, Christian Dubé, Simon Gamache und Thomas Déruns sowie den Verteidigern Andreas Hänni und David Jobin entschieden sich gleich sechs Akteure für die zweite Variante. Rüthemann, mit je fünf Toren (vier davon im Halbfinal) und Assists aus neun Partien der Playoff-Topskorer der Berner, hat nach 16 Jahren in der höchsten Liga mehr als genügend Erfahrung, um zu wissen, was er braucht, um erfolgreich zu sein: Bereits in der vergangenen Saison hatte er im Playoff die Skorerliste der Berner angeführt. Im Final gegen Servette sorgte er im ersten und vierten Spiel mit einem Tor in der Verlängerung für die Entscheidung; danach stand es 3:1 für den nachmaligen Meister. Auf den gleichen, allerdings umgekehrten Stand brachte der 34-Jährige sein Team auch am Dienstag. Mit dem Game-Winning Goal zum 2:1 verlängerte er die Saison des SCB. Und mit dem 1:0 leitete er am Donnerstag den zweiten Sieg der Berner in der Serie ein.

Ob er nun Tore erziele oder nicht – er versuche, in jeder Partie dasGleiche zu tun, sagt Rüthemann. Das da wäre: «Die Situationen richtig einschätzen, die Scheibe möglichst oft aufs Tor bringen und für viel Verkehr vor dem gegnerischen Goalie sorgen.» Das alles gelang nicht nur Rüthemann, sondern dem gesamten Berner Kollektiv zuletzt besser. Dazu kam, dass Flyers-Torhüter Ronnie Rüeger nicht mehr so souverän und sicher wirkte wie noch zu Beginn der Serie. Rüthemann teilt den Eindruck, fügt aber an: «Wie Rüeger aussieht, hängt auch davon ab, wie viel wir machen.»

«Kann schnell loslassen»

Die Routine hilft Rüthemann, sowohl Erfolge als auch Misserfolge wegzustecken und nach vorne zu schauen. «Ich mache mir jeweils schon noch zwei, drei Gedanken zum Spiel, frage mich, was gut war und was es noch zu verbessern gibt. Dann aber kann ich schnell loslassen.» Wer positive Energie aus einem Erfolg mitnehmen könne, solle dies nutzen. Er aber gehe jedes Spiel gleich an, ob nach einer Niederlage oder nach einem Sieg. Dass der SCB nach dem 4:1 in Kloten mit neutralen bis grimmigen Mienen in die Garderobe marschierte, sei «keine Absicht» gewesen und habe sicher auch damit zu tun gehabt, dass man nicht bis zum Schluss habe zittern müssen.

Wie Huras oder Verteidiger Philippe Furrer sagt auch der Flügelstürmer, dass es für den SCB keinen Unterschied mache, ob er nun wie am Dienstag 0:3 oder wie jetzt nur noch mit 2:3 im Rückstand läge. «Wir können uns jetzt genauso wenig wie vorher eine Niederlage leisten.» In jener Situation, in welcher sich der SCB befindet, sei auch der Vorteil, vor Heimpublikum antreten zu können, nicht mehr so gross. Dem Trainer gelinge es aber momentan, das Team richtig einzustellen: «Unter Larry haben wir einen sehr guten Spielfokus.»

Die Batterien sind also wieder geladen, das Visier ist gerichtet; der SCB ist gerüstet für den Kampf um den Ausgleich in der Serie – und gegen das Ausscheiden.

Der Bund

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