Rüfenacht fühlt sich wie im Treibsand

Der SC Bern kehrt nach zwei Niederlagen auf die Erfolgsstrasse zurück. Beim 4:2 in Biel erzielt Thomas Rüfenacht den Siegtreffer und hat dennoch Grund zur Klage.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Thomas Rüfenacht hat kurz zuvor per Ablenker den Siegtreffer für den SC Bern erzielt. Und doch redet sich der amerikanisch-schweizerische Doppelbürger nach dem mit 4:2 gewonnenen Match gegen den EHC Biel den Frust von der Seele.

Ungefragt betitelt er im Korridor vor der Gästegarderobe der Tissot-Arena seine Saison mit einem ebenso weitverbreiteten wie unschönen englischen Vierbuchstabenwort. So etwas habe er noch nie erlebt, sagt er, während Biel-Stürmer Damien Brunner, im Rücken des SCB-Flügels stehend, grinsend mithört.

«Erneut eine 0:2-Bilanz», konstatiert Rüfenacht. «Ich bin bei den Gegentoren einfach immer auf dem Eis, obwohl ich versuche, die richtigen Sachen zu machen. Es kommt mir vor, als würde ich im Treibsand stehen: Du versuchst, es immer noch besser zu machen, noch mehr zu kämpfen, und dabei sinkst du immer tiefer ein.»

Was der 33-Jährige meint, verdeutlicht die Szene vor dem 2:2 durch Toni Rajala: Rüfenacht fuhr Richtung Bank, doch kurz bevor er dort angekommen war, spielte ihm Beat Gerber den Puck zu. Rüfenacht verlor die Scheibe, die einen Moment später hinter Leonardo Genoni im Tor lag.

Nationalspieler Rüfenacht weist mittlerweile eine Plus-Minus-Bilanz von -8 auf. Und das in einem Team, das bei Vollbestand 27 Tore mehr erzielt als erhalten hat. Kein Mannschaftskamerad steht schlechter da als mit -2. Auch in der Offensive läuft es dem Stürmer nicht nach Wunsch, obwohl er gewöhnlich entweder neben Mark Arcobello oder Andrew Ebbett agieren kann.

Nach 38 Einsätzen totalisiert er 13 Skorerpunkte. In der Vorsaison waren es in 40 Partien 31 Zähler gewesen. Das 3:2 gegen Biel war sein erster Treffer nach einer über zehnwöchigen Durststrecke, auf ein Goal bei Vollbestand (nicht im Powerplay) wartet er seit vier Monaten. Seine Torquote ist derzeit ähnlich wie vor knapp zehn Jahren beim EV Zug, als er noch in erster Linie die Rolle des Bösewichts innehatte.

«Ich muss da durch»

In der laufenden Meisterschaft ist Rüfenachts Bemühen, etwas zu bewegen, ersichtlich, doch vieles geht schief. Dem Routinier unterlaufen ungewohnte Fehler. Es ist offensichtlich: Es fehlt an Selbstvertrauen, das Selbstverständnis ist ihm abhandengekommen. «Ich muss da durch», hält er fest und gibt das Motto gleich selber vor: «Kopf runter und weiterkämpfen, alles für das Team geben.»

Er sei schon lange dabei und wisse daher selber, wenn er etwas gut oder schlecht mache. «Ich rege mich auf, wenn ich Mist baue. Ich denke, die anderen im Team spüren das und sehen meine Erleichterung, wenn der Puck mal reingeht und ich der Mannschaft helfen kann.»

Und dann stellt der Flügel fest, dass sein Tor eigentlich nicht hätte zählen dürfen, weil Simon Moser 20 Sekunden zuvor unbemerkt von allen schon ins Bieler Gehäuse getroffen hatte. Thomas Rüfenacht lacht bei diesem Gedanken laut heraus. Es ist Galgenhumor.

Biel - Bern 2:4 (0:2, 1:0, 1:2)

6521 Zuschauer. - SR Lemelin/Mollard, Fuchs/Kovacs. - Tore: 4. Haas (Bieber) 0:1. 17. Ebbett (Andersson, Moser/Ausschluss Fey) 0:2. 34. Kärki (Salmela) 1:2. 52. Rajala (Fey, Tschantré) 2:2. 56. Rüfenacht (Arcobello/Ausschluss Pouliot) 2:3. 59. Arcobello (Ausschluss Kreis; Mursak) 2:4 (ins leere Tor). - Strafen: 6mal 2 plus 10 Minuten (Rajala) gegen Biel, 5mal 2 Minuten gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: Rajala; Arcobello.

Biel: Hiller; Fey, Salmela; Kreis, Maurer; Moser, Forster; Sataric; Riat, Pouliot, Rajala; Brunner, Diem, Künzle; Hügli, Fuchs, Kärki; Schmutz, Neuenschwander, Pedretti; Tschantré.

Bern: Genoni; Burren, Almquist; Kamerzin, Blum; Andersson, Beat Gerber; Colin Gerber; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Bieber, Haas, Scherwey; Mursak, Ebbett, Kämpf; Sciaroni, Heim, Berger; Grassi.

Bemerkungen: Biel ohne Paupe (verletzt) und Earl (überzähliger Ausländer), Bern ohne Untersander, Krueger und Jeremi Gerber (alle verletzt) und Boychuk (überzähliger Ausländer). - Maurer und Diem (beide Biel) im Startdrittel verletzt ausgeschieden. - Biel von 58:25 bis 58:57 ohne Goalie. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.02.2019, 07:03 Uhr

Hillers Torraub nützt nichts

Der EHC Biel war gegenüber dem Auftritt in Bern 15 Tage zuvor kaum noch zu erkennen. Antti Törmänens Equipe war dem SCB anders als beim 0:3 diesmal fast ebenbürtig, doch am Ende resultierten erneut keine Punkte – 2:4. Mathieu Tschantré sprach von einem schnellen, intensiven, guten Derby.

Positiv bewertete Biels Captain, dass die Seeländer einen 0:2-Rückstand wettgemacht hatten. «Doch letztlich vergaben wir die Siegchance durch unnötige Strafen.» In der Tat gelang den Besuchern der zweite (Andrew Ebbett) und der dritte Treffer (Thomas Rüfenacht) in Überzahl.

SCB-Coach Kari Jalonen hob daher wieder einmal die Bedeutung des Powerplays und des Penaltykillings hervor. Wenn seine Mannschaft wie im ersten und letzten Drittel hart arbeite und durch gutes Puckmanagement überzeuge, stelle sich der Erfolg ein, hielt der Finne fest. «Verlieren wir wie im zweiten Drittel in der eigenen und der neutralen Zone hingegen oft die Scheibe, bringt uns das in Schwierigkeiten.»

Tschantré: «Eine Riesenparade»

Trotz der Berner Mängel im zweiten Abschnitt hätte der Match in der 26. Minute quasi entschieden sein können, doch Biels Goalie Jonas Hiller verhindert mit einer Glanzparade das 3:0 für die Gäste. Gaëtan Haas, der das 1:0 markiert hatte, sah das leere Tor vor sich und schoss direkt unter die Latte. Hiller, auf dem Eis liegend, schnellte empor und parierte trotz verdrehtem Arm mit der Fanghand.

«Es war eine Riesenparade, es war die Parade» , erzählte Tschantré. Und Haas meinte zum Torraub: «Ich muss sagen: Chapeau! Aber ich denke nicht, dass Jonas wusste, wo der Puck war.» Besagte Szene führte dazu, dass das Derby bis eine Minute vor Schluss spannend blieb, am Verdikt änderte sie freilich nichts.

Artikel zum Thema

So einen Vertrag hat der SCB noch nie ausgestellt

Tristan Scherwey hat als erster Spieler in der Schweizer Eishockeyliga einen Siebenjahresvertrag unterzeichnet. Er bleibt bis 2027 beim SC Bern. Mehr...

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

History Reloaded Wie Zürichs Demokraten die Schweiz formten

Beruf + Berufung Träumerin mit Macherqualitäten

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Schlangenfrauen: Kontorsionistinnen während einer Aufführung im Cirque de Soleil in Auckland. (14. Februar 2019)
(Bild: Hannah Peters/Getty Images) Mehr...