Roman Josi macht auf und neben dem Eis eine gute Figur

Der Berner ist in der Beletage der NHL angekommen.

Für einmal ohne Helm: Roman Josi während der Skills-Wettkämpfe in San Jose. Foto: Ezra Shaw (Getty)

Für einmal ohne Helm: Roman Josi während der Skills-Wettkämpfe in San Jose. Foto: Ezra Shaw (Getty)

Adrian Ruch

Da sassen sie also, die Verteidiger der Nashville Predators: Roman Josi im schwarzen Anzug mit weissem Hemd, als Gast in einem weichen Polstersessel, und P. K. Subban, ebenfalls chic gekleidet, als Talkmaster am Pult. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein, und das hat nichts damit zu tun, dass der Kanadier dunkelhäutig ist. Josi ist zurückhaltend, bescheiden, bodenständig; er ist keiner, der das Rampenlicht sucht. Subban hingegen ist der geborene Entertainer, ein Showmann, der es geniesst, wenn die Scheinwerfer hell leuchten. Insofern passt er bestens zu seiner Freundin, Skifahrerin Lindsey Vonn. Kein Wunder, wurde er vom TV-Sender NBC Sports als Gastgeber für die Talkshow im Rahmen des All-Star-Wochenendes der National Hockey League ausgewählt.

Josi und Subban mögen charakterlich verschieden sein, aber sie verstehen sich bestens. «Er ist ein sehr lustiger, aufgestellter Typ und eine starke Persönlichkeit», sagt Josi über Subban. «Wenn du am Morgen in die Kabine kommst, ist er immer für einen Spass zu haben.»

Subban bezeichnete seinen Teamkollegen im Fernsehen als «grossartigen Leader und Captain» und sagte, Josi gehöre immer noch zu den am meisten unterschätzten Spielern der NHL. Das mag stimmen, doch allein die Tatsache, dass der Berner als einer von zehn Verteidigern ans All-Star-Game eingeladen wurde, zeigt: Er ist in der Beletage der NHL angekommen. Mark Streit und Jonas Hiller waren auch schon Teil des PR-Events, in dem Teams der verschiedenen Divisions gegeneinander antreten. Josi ist aber der erste Schweizer, dem die Ehre zweimal zuteilwurde. «Es ist schon cool, habe ich das geschafft, zumal Jonas und Mark, mit dem ich eng befreundet bin, für mich grosse Vorbilder waren.»

Hohes Niveau im Fraueneishockey

Josi war im Spiel der Besten nicht nur dabei, sondern mittendrin. Mit einem Tor und drei Assists hatte er massgeblichen Anteil am Finaleinzug des Central-Teams. Im Endspiel unterlag es dann der von Sidney Crosby angeführten Equipe der Metropolitan Division. «Im All-Star-Game wird lockerer gespielt als während der Saison, die Intensität ist weniger hoch, doch letztlich will trotzdem jeder gewinnen», erzählt er.

Auch die Skills-Wettkämpfe würden ernst genommen. «Alle, die das Passspiel absolvieren mussten, waren ziemlich nervös, denn die Aufgabe war schwierig. Wenn du ein paarmal nicht triffst, kann es ewig dauern, bis du fertig bist.» Die inoffiziell beste Zeit in diesem Wettbewerb realisierte die US-Nationalspielerin Brianna Decker, welche den NHL-Stars die Aufgabe vorzeigte. «Ich war extrem beeindruckt», gibt Josi zu, «sie war etwa 40 Sekunden schneller als ich. Überhaupt war es cool, sah an diesem Wochenende die Welt, wie hoch das Niveau im Fraueneishockey mittlerweile ist.»

Kurzferien im Schnee

Nach dem All-Star-Wochenende war für viele Teams, darunter auch Nashville, die «Bye week» angesetzt: fünf Tage, in denen keine Matches stattfinden und keine Trainings durchgeführt werden. Josi nutzte die freie Zeit, um mit seiner Verlobten, dem 25-jährigen Model Ellie Ottaway, Kurzferien zu machen – nicht etwa am Strand, sondern im Schnee. Ski fahren ist dem Eishockeyprofi vertraglich untersagt, langweilig wurde es dem jungen Paar in Jackson, Wyoming, aber nicht. «Es ist eine coole Kleinstadt. Wir haben es gemütlich genommen und uns einige Sachen angeschaut. Die Erholung stand im Vordergrund», berichtet der 28-Jährige.

Auf der faulen Haut liegen, das wollte Roman Josi aber dann doch nicht. Er suchte im Hotel ein paarmal den Fitnessraum auf. Als Captain hat er eine Vorbildfunktion, und die übt er gewissenhaft aus. In der zweiten Saison fühlt er sich in dieser wichtigen Rolle zunehmend besser, obwohl er sagt: «Ich habe schon viel gelernt, kann aber immer noch viel lernen.»

Hochzeit im Sommer

Mittlerweile ist bei Josi wieder der Alltag eingekehrt. Vergangene Nacht bestritt er mit Nashville schon die dritte Partie nach der Pause. Obwohl: Ein Tor und zwei Assists, wie beim 5:2-Heimsieg gegen die Nashville Predators, gelingen auch dem Schweizer NHL-Star nicht alle Tage.

Gescherzt wird nun wieder intern und nicht mehr in der Talkshow. In San Jose fragte Subban, weshalb Josi in der Garderobe stets die Musik wechsle. «Weil deine Playlist nur zehn Songs umfasst», antwortete der Schweizer schlagfertig.

Subban erwähnte noch, dass Josi im Sommer in Nashville heiraten wird. «Es ist kein Geheimnis, aber vor laufenden Kameras hat mich noch niemand darauf angesprochen», meint der zweimalige WM-Silbergewinner. Die Vorfreude auf den speziellen Tag ist gross, doch vorerst hat Josi vor allem Eishockey im Kopf. Die Predators wollen erstmals den Stanley-Cup zu gewinnen. Gelingen kann dies nur, wenn die doch so verschiedenen Kumpels auf dem Eis mindestens so glänzen wie im TV-Studio.

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