Putins Dämpfer für die Schweizer Medaillen-Chancen

Russland dürfte im Eishockey unter olympischer Flagge in Südkorea teilnehmen. Bei einem Boykott drohte das grosse Chaos.

Gibt es doch ein russisches Eishockeyteam an den olympischen Spielen? Putin (rechts) verbietet es nicht, Fasel (links) ist erleichter.

Gibt es doch ein russisches Eishockeyteam an den olympischen Spielen? Putin (rechts) verbietet es nicht, Fasel (links) ist erleichter. Bild: Keystone

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Stell dir vor, es ist ein olympisches Eishockeyturnier, und keiner geht hin. Oder besser: Keiner darf hingehen. Nach der Absage der NHL drohte nach dem Olympia-Ausschluss Russlands als Nation das Szenario, dass auch die Eishockey-Grossmacht in Südkorea nicht auftreten würde, weil sie dies nur unter olympischer Flagge und ohne Hymne tun dürfte. Und dass die kontinentalrussische KHL, die beste Liga Europas, ihre Drohung wahrmachen könnte und im Februar durchspielen würde. Womit sie auch nichtrussischen KHL-Spielern die Teilnahme verunmöglichen würde.

«Unser Job ist die Schadensbegrenzung», sagte René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockeyverbands, gestern in einem Telefoninterview gegenüber dieser Zeitung. Er weilt aktuell in Asien. Obschon er noch keine klare Signale aus Russland erhalten habe, würden nun alle Abklärungen getroffen, um eine Teilnahme eines russischen Teams unter olympischer Flagge aufzugleisen.

«Aber wie das genau aussehen wird, kann ich noch nicht sagen», so Fasel. «Denn so etwas gab es ja noch nie.» Die Anforderung zu erfüllen, dass Russland saubere Eishockeyaner stelle, sieht er aber nicht als Problem: «In den letzten zwölf Monaten wurden gegen 400 russische Eishockeyspieler von einem unabhängigen Labor getestet.»

Kein russischer Boykott

Dass eine kollektive Sanktion russischer Athleten nicht im Sinne Fasels ist, ist kein Geheimnis. Letzte Woche hatte die IIHF ein Statement herausgegeben, in dem sich ihr Council, ihr höchstes Exekutivgremium, einstimmig gegen eine solche Massnahme aussprach. Da stand auch: «Russlands Rolle in der Verbreitung und Enwicklung des Eishockeys darf nicht unterschätzt werden. Dieses Land ist ein Pfeiler, auf dem das Vermächtnis dieses Sports ruht.»

Der Appell nützte nichts, doch offenbar hat der in Russland gut vernetzte Fasel die Situation richtig eingeschätzt. Denn Wladimir Putin schloss gestern am Rande seiner Erklärung, dass er für eine vierte Amtszeit als russischer Präsident kandidiere, einen Olympia-Boykott aus: «Wir werden unseren Olympioniken nicht verbieten, als Einzelpersonen teilzunehmen», sagte er. «Sie haben sich ihre ganze Karriere für diese Wettkämpfe vorbereitet.» Seine Worte dürften die Teilnahme eines russischen Eishockeyteams einschliessen.

Kein Verbot: Einzelpersonen dürfen bei den Wettkämpfen teilnehmen. Video: Tamedia/Reuters

Es hätte das Chaos gedroht

Bei der IIHF hält man sich aber noch mit Statements zurück, bis es offiziell ist. Klar ist: Würde kein russisches Team nach Pyeongchang fliegen, wäre das Chaos perfekt. Denn wer würde dann als zwölfte Nation nachrücken? «Für ein Qualifikationsturnier ist es zu spät», sagt Fasel. «Und für einen neuen Spielplan auch. Schliesslich sind schon Tickets verkauft und Abmachungen mit den TV-Stationen getroffen worden.»

Ein olympisches Eishockeyturnier ohne NHL- und KHL-Spieler sowie ohne Russland hätte die Schweizer Chancen auf eine Medaille erhöht. Doch Raeto Raffainer, der Verantwortliche für die Nationalteams, sagt: «Es ist gut fürs Eishockey, wenn alle sauberen Athleten dabei sind. Von den NHL-Cracks leider abgesehen.» Vor allem in Kanada dürfte man nach Putins Fingerzeig aufgeatmet haben. Denn am Channel-One-Cup von nächster Woche in Moskau, dem auch Fasel beiwohnen wird, figurieren im Kader der Kanadier 19 KHL-Spieler. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.12.2017, 06:50 Uhr

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