Potenzial für eine Dynastie

Der SCB scheint optimal gerüstet für das grosse Ziel Titelhattrick. Gegen eine erfolgreiche Saison sprechen einzig Faktoren, die der Club nicht beeinflussen kann.

Den Pokal stemmen: Mit diesem Hochgefühl möchten die SCB-Spieler auch die Saison 2017/18 abschliessen. Doch noch stehen sie ganz am Anfang.

Den Pokal stemmen: Mit diesem Hochgefühl möchten die SCB-Spieler auch die Saison 2017/18 abschliessen. Doch noch stehen sie ganz am Anfang. Bild: Alexandra Wey/Keystone

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Bern, Zürich, Lugano, Zug, Davos, vielleicht sogar Lausanne? Die Liste?der in der Eishockeyszene herumgereichten Meisterschaftskandidaten ist lang. An der Ausgangslage des?SCB ändert das nichts: Nach zwei Triumphen in Serie sind die Berner?der grosse Favorit auf den Titel.

Dass die Organisation bereit für diese Herausforderung ist, zeigt sie mit ihrer selbstbewussten, aber mit etwas Zurückhaltung formulierten Zielsetzung «Triple, aber . . .». Der stolze Club weiss um seine Möglichkeiten, ist sich aber bewusst, dass für einen erneuten Sieg in der Meisterschaft alles zusammenpassen muss. Im Hinterkopf hat er die vorletzte Saison mit der beispiellosen Verletzungsserie, der Entlassung des Chefcoachs Guy Boucher und?der wundersamen Wende unter Lars Leuenberger. Wir erinnern uns: Viel fehlte damals nicht, und es wäre?komplett schiefgegangen.

Haas: Der ideale Nachfolger

Ganz so spannend muss es der SCB in der neuen Spielzeit ja nicht machen. Zwar ist die Personaldecke in der Verteidigung bereits sehr dünn, die Leistungsträger Blum, Untersander und Kamerzin fehlen in der ersten Phase aufgrund von Blessuren. Kurzfristig kann die Mannschaft diese gewichtigen Absenzen abfedern, auch dank der temporären Verstärkung durch den Langenthaler Marti. Bei anhaltendem Verletzungspech könnte sich die?Defensive allerdings als zu dünn besetzt herausstellen. Trotzdem ist das Kader des SCB, wenn alle Spieler fit sind, gar etwas breiter als jenes der Vorsaison.

Abzuwarten bleibt, wie sich das Team ohne seinen zweitbesten Skorer Lasch, ohne die Routiniers Jobin, Reichert und vor allem ohne Plüss präsentieren wird. Mit Pyörälä und Raymond verpflichtete Sportchef Alex Chatelain zwei Stürmer mit riesigem Erfahrungsschatz, Zugang Haas erscheint zudem als idealer Nachfolger von Plüss: Er ist jung, talentiert, hat bereits viel Routine und ist hungrig auf Erfolge. Nachdem die Jungen in der letzten Saison einen schweren Stand hatten, drängen Burren, Dubois, Wolf, Colin Gerber, Heim und Meyer zu recht auf mehr Einsätze – das verspricht einen gesunden Konkurrenzkampf.

Ebenso bei den Ausländern: Fünf hat der SCB bereits unter Vertrag, vier davon darf er in der Liga pro Spiel einsetzen. Mit Genoni hat er ausserdem den besten Torhüter der Liga als Rückhalt. Im Eishockey ist das schon fast die halbe Miete. Eine gute Wahl?ist der neue Captain Simon Moser.?Er identifiziert sich stark mit dem Club, ist ein bodenständiger Arbeiter und verfügt in der Mannschaft über eine breite Akzeptanz. Keine Plattform wird in Bern der berüchtigte «Meisterblues» erhalten. Der akribisch arbeitende, detail-?versessene Trainer Kari Jalonen wird mangelnde Leistungsbereitschaft keinesfalls akzeptieren.

Was aber auch der Finne nicht beeinflussen kann, sind die stets den Sport begleitenden Unbekannten: In einer rundum?gelungenen Saison spielen immer?auch das Glück, der Zufall und das Verletzungspech eine Rolle. Doch wenn dies die grössten Unsicherheitsfaktoren für einen Club sind, brauchen sich?die Verantwortlichen keine Sorgen?zu machen. Die beiden unnötigen Niederlagen zuletzt in der Champions League zeigten aber auch, dass sich selbst die stark besetzten Berner kaum schlechte Abende leisten können.

Suhonen: Der Inspirator

Wie erwartet kann der SCB weiterhin auf sein äusserst treues Publikum zählen: Auch künftig wird er vor der grössten Kulisse Europas spielen. So früh wie in diesem Sommer musste der Club den Saisonkartenvorverkauf, den er jeweils bei 13 000 abgesetzten Abos stoppt, noch nie anhalten.

Zudem präsentierte die Organisation zum 17. Mal in Folge einen Gewinn – die Maschinerie des SC Bern läuft?wie geschmiert. Nach der ersten?erfolgreichen Titelverteidigung seit dem ZSC im Jahr 2001 hat der SCB?das Potenzial, eine neue Dynastie zu begründen: Seit Kloten von 1993 bis 1996 viermal hintereinander Meister wurde, schaffte kein Team mehr den Titelhattrick. Zudem wäre Kari Jalonen der erste Trainer seit Alpo Suhonen 1996, der mit seiner Mannschaft den Titel verteidigt. Das sind wahrlich verlockende Aussichten – und die Berner scheinen optimal gerüstet für die zweite perfekte Saison en suite. (Der Bund)

Erstellt: 09.09.2017, 08:34 Uhr

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NLA

50. Runde

25.02.HC Lugano - ZSC Lions3 : 2
25.02.Geneve-Servette HC - EHC Kloten2 : 4
25.02.Fribourg-Gottéron - SC Bern4 : 7
25.02.HC Davos - SCL Tigers6 : 2
25.02.HC Ambri Piotta - Lausanne HC3 : 2
25.02.EV Zug - EHC Biel-Bienne4 : 3
Stand: 25.02.2017 22:19

Rangliste

NameSpSU+U-NG:EP
1.SC Bern5031649160:114109
2.ZSC Lions5026987166:115104
3.EV Zug50283613153:12296
4.Lausanne HC50235121154:13980
5.HC Davos50224420152:13578
6.HC Lugano50196421142:15573
7.Geneve-Servette HC501841117135:14073
8.EHC Biel-Bienne50212324146:14070
9.EHC Kloten501451021142:16262
10.SCL Tigers50164327124:15459
11.Fribourg-Gottéron50125231130:17748
12.HC Ambri Piotta5098528113:16448
Stand: 25.02.2017 22:23

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