Luganos Trainer kämpft gegen Rockstars

Greg Ireland könnte bei Niederlagen gegen die ZSC Lions und die Lakers seinen Job verlieren. Der Kanadier drückt sich vor dem Heimspiel gegen den Meister nicht um klare Worte.

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Greg Ireland ist ein Gentleman. Der Kanadier bleibt grundsätzlich bescheiden im Erfolg und gelassen im Misserfolg. Wie er im letzten April den ZSC Lions nach der schmerzlichen Niederlage im siebten Playoff-Finalspiel zum Meistertitel gratulierte, zeugt von Klasse.

Gefasst in der Wortwahl blieb er auch nach dem 4:7 am Dienstag im Hallenstadion, obwohl es in ihm brodelte. Seine Luganesi hatten ein frühes 2:0 verspielt, hatten den Lions den Teppich zur Aufholjagd ausgerollt und traten die Heimreise zu Recht ohne Punkte an. «Das erste Drittel war sehr gut. Da haben wir gezeigt, was wir könnten. Aber was war davon nachher noch zu sehen? Nichts», fasste Ireland zusammen und fügte an: «Das geht schon die ganze Saison so.»

Wer die Leistungen des HCL analysiert, muss ihm recht geben: Konstanz ist ein Fremdwort, dreimal erst hat Lugano mindestens zwei Partien in Folge gewonnen, sechsmal aber im Minimum deren zwei hintereinander verloren. Eine unerklärliche Achterbahnfahrt, aber Ireland sagt dazu schonungslos: «Wir haben bisher selber entschieden, wenn es uns passt, Leistung zu zeigen.» Eine erstaunliche Zwischenbilanz nach 31 Runden, aber verhört hat man sich nicht.


Bildstrecke: Lugano verliert beim ZSC

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Ireland sagt weiter: «Wir spielen nicht in einer Freizeitliga. Wir erhalten jeden Monat Lohn. Wenn wir nicht genug dafür machen, dann sage ich dem Diebstahl.» Die Mehrzahl ist ihm wichtig, er will die Schuld nicht einfach abschieben: «Wir stehen alle zusammen in der Verantwortung.»

Der Mentalitätswechsel schien bereits geschafft

Ungewohnt klare Worte, und jeder Lugano-Supporter hat ein unangenehmes Déjà-vu. Seit dem letzten Meistertitel 2006 wurden Erfolgserlebnisse immer seltener, Trainerentlassungen dafür umso häufiger, je nachdem, ob die Daumen des Teams nach oben oder unten zeigten. Die letzten, die an der «missione impossibile» scheiterten, waren Patrick Fischer und Doug Shedden.

Letzte Saison schien Ireland, der sein Amt im Januar 2017 antrat, den Mentalitätswechsel geschafft zu haben: Platz 4 in der Qualifikation und der Steigerungslauf im Playoff trotz widriger Umstände. Mit Brunner, Captain Chiesa und Bürgler fielen drei Leistungsträger langfristig aus, andere sprangen in die Bresche. Harte Arbeit war plötzlich salonfähig.

Arbeit, Disziplin und System

Lugano definiert sich aber nicht in erster Linie über klassische Arbeiterwerte, die Lebensqualität unter Palmen wird bewusst zelebriert. Und hat auch wieder auf das Team übergegriffen. Der Frust bei Ireland ist gross, wenn er sagt: «Wir haben den Champagner, den Kaviar und die Rockstars. Die Fans lieben es, wenn die Spieler hier die Faust ballen und zum Jubeln an die Glaswand springen. Wo sind aber die gleichen Spieler, wenn es darum geht, Schüsse zu blockieren und Bullys zu gewinnen?» Dass er damit defensivscheue Künstler wie Linus Klasen oder Luca Fazzini meint, braucht er nicht einmal auszuformulieren. Seine kurze Auslegeordnung schliesst er so ab: «Wir brauchen keine Rockstars. Arbeit, Disziplin und System – das bringt Erfolg.»

Mit einer substanziellen Schwächung des Kaders kann die Situation nicht begründet werden. Mit Philippe Furrer zog zwar der wichtigste Mann im Team weg, und die Skorerpunkte von Damien Brunner können durch Sturmzugang Mauro Jörg nicht ersetzt werden. Aber 16 Stammspieler der letzten Saison sind noch dabei.

Ireland will nicht kampflos aufgeben

Wohin die Reise geht, dürfte sich dieses Wochenende abzeichnen. Mit Siegen heute gegen die ZSC Lions und morgen beim Tabellenletzten Rapperswil-Jona blieben die Playoff-Chancen intakt und wohl auch Ireland im Amt. Bei weiteren Misserfolgen dürfte ­indes auch Präsidentin Vicky Mantegazza in Versuchung geraten, den Trainer einmal mehr zu wechseln.

Seine Voten zeigen aber auf, dass Ireland nicht kampflos aufgeben will. Vergangenen Donnerstag liess er mit umformierten Verteidigerpaaren trainieren, und heute dürfte die Lions in den Anfangsminuten ein Offensivfeuerwerk erwarten. Ganz nach der Aussage, die ­Ireland im Training machte: «Es ist besser, sich wie ein Wolf ­erschiessen zu lassen als wie ein Schaf.»

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