Legende, Entertainer, Frauenschwarm

Roland «Däusi» Dellsperger ist gestorben. In seinem Leben hat er sich mit seinen Erfolgen und seinem Wesen in Bern unvergesslich gemacht.

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Er spielte zu einer Zeit Hockey, als die besten Spieler 15'000 Franken pro Jahr verdienten und Derbys gegen Langnau keine gewöhnlichen Spiele waren, sondern Krieg. In den 70er-Jahren hätte er an einem Sonntag nicht in eine Beiz ins Emmental gehen müssen, um eine Meringue zu essen, sagte er einmal.

«Man hätte mir einen Stuhl über den Grind gezogen.» Insgesamt 16 Zähne hat er gegen die Langnauer verloren, und einmal hat er nach der Partie aus Wut ein Lavabo in der Garderobe zertrümmert. 280 Franken hat ihn das nebst den Zähnen gekostet.

Sein Dasein als Feindbild des Erzrivalen hat er sich mit grossartigem Hockeyspiel und unvergessenen Erfolgen verdient. Fünfmal ist er mit dem SC Bern zwischen 1965 und 1979 Schweizer Meister geworden, Captain war er selbstredend, linker Flügel, kein Haudegen, keiner, der den Körperkontakt auf dem Eis gemocht hat, sondern ein filigraner Techniker mit einer hervorragenden Übersicht. Ein Spielmacher eben.

Seine Linie mit Renzo Holzer und Bruno Wittwer hat unzählige Spiele entschieden. Zum Dank hat man ihn beim SCB zum Ehrencaptain ernannt, dem ersten und einzigen in der Vereinsgeschichte, und sein Leibchen mit der Nummer 12 unter das Dach der Arena gehängt.

Der geborene Unterhalter

Aber Roland Dellsperger war nicht einfach eine Hockey-Legende. Er war auch Original, ein Lebemann, ein Frauenschwarm und Entertainer. Begründet hat er diesen Ruf mit seinen Aktivitäten im Berner Nachtleben.

In seiner Bar Interview im Ryffli-Gässli, die er zusammen mit dem bekannten Ski-Abfahrer René Berthod geführt hat, und später im Nightclub Babalu in der Gurtengasse stand er nächtelang selber hinter der Bartheke und gab den geborenen Gastgeber. Er war gesellig, eine Frohnatur, und stand auch später immer schnell im Mittelpunkt des Geschehens, weil er unerhalten konnte.

Unvergessen seine Darbietungen auf der Mundharmonika, auch wenn nicht jeder Ton getroffen war. Unvergessen seine Witze und seine Kunst des Imitierens. Wenn er den Unsinn machte (den Meistertrainer von 1979), war man echt verblüfft und wähnte den Deutschen im Raum. Mit diesem Wesen hat sich Roland Dellsperger die Marke «Däusi» geschaffen, mit der er sich nach dem Sport und nach der Gastronomie den Lebensunterhalt verdienen konnte.

Der SCB und anverwandte Büros waren sich der grossen Popularität des gelernten Kaufmanns bewusst und sicherten sich früh seine Dienste. Anfangs in der Vermarktung, auch im Aussendienst, später in anderen Funktionen. Bis zuletzt führte er Besuchergruppen durch die Arena und betreute Gäste in der VIP-Loge, denen er gerne auch begehrte Interna verriet. Ein Leben für und mit dem SCB.

Hockey bis ins Private

Und seine Liebe zum Eishockey strahlte bis in die private Liebe. An der Beerdigung des ehemaligen Davos-Torhüters Albert Maier lernte er dessen Witwe Ottavia kennen. Die beiden wurden ein Paar und heirateten. Seinen Körper hielt der dreifache Vater mit Fitness und Golf in Form, und noch als über 50-Jähriger trickste er bei Plausch-Hockeyspielen halb so alte Männer auf engstem Raum aus.

Zunehmend bekam er aber gesundheitlich Probleme. Am Samstag, kurz nach der Partie gegen Rapperswil, bei der er für den SCB ein letztes Mal im Einsatz gestanden hatte, erlitt er einen Herzinfarkt. Roland Dellsperger verstarb am späten Mittwochabend. (Der Bund)

Erstellt: 08.02.2013, 06:39 Uhr

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