Kreative Verteidiger, junge Stürmer

Das Olympiaaufgebot Patrick Fischers beinhaltet einige Überraschungen – das zeichnet die 25 Nominierten aus.

Jubeln wie an der WM nach ihrem Coup gegen Kanada wollen die Schweizer auch an Olympia. In Paris war ihre Reise im Viertelfinal zu Ende. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Jubeln wie an der WM nach ihrem Coup gegen Kanada wollen die Schweizer auch an Olympia. In Paris war ihre Reise im Viertelfinal zu Ende. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

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Torhüter (3)

Leonardo Genoni (SC Bern, 30) Genoni und das Nationalteam – bis zum Frühling lautete der Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Dann etablierte sich der beste Torhüter der Liga an der WM endlich als Nummer 1. Diesen Status wird er auch in Pyeongchang haben.

Jonas Hiller (EHC Biel, 35) In Paris war Hiller mit nur 71 Einsatz­minuten und 82 Prozent Fangquote ein Verlierer unter Gewinnern. Beim formstarken Biel hat er sich nach Schwankungen stabilisiert. Doch Hiller wird bei ­seiner dritten Olympiateilnahme erstmals nicht der Stammtorhüter sein.

Tobias Stephan (EV Zug, 34) Der Schwerarbeiter – kein Goalie hat in der Liga so viele Einsatz­minuten wie er (2434). In Südkorea dürfte er aber kaum spielen. Er wurde dem verletzungsanfälligeren Lukas Flüeler vorgezogen, obschon der die besseren Statistiken hat.

Verteidiger (8)

Eric Blum (SC Bern, 31) In Sotschi lief er bei der Eröffnungsfeier ein, musste aber vor dem Turnierauftakt abreisen. Vier Jahre später sind für Blum Olympiaeinsätze garantiert. Er bildet im Club wie im Nationalteam mit Ramon Untersander ein spielstarkes Duo.

Raphael Diaz (EV Zug, 32) Der Musterprofi führt das Team auch in Pyeongchang als Captain an. An der WM schien ihn dies zu überfordern. Jene ­Erfahrung dürfte ihm helfen, zudem hat der defensive Allrounder diesmal noch kein ­intensives Playoff in den Beinen.

Félicien Du Bois (HC Davos, 34) Der Routinier weiss mit Verantwortung umzugehen und zählt nach wie vor zu den besten Schweizer Verteidigern, wenn er nicht angeschlagen ist. Im ­Nationalteam dürfte er eher eine defensivere Rolle einnehmen als beim HCD.

Philippe Furrer (HC Lugano, 32) Der Routinier war ein Wackelkandidat, wobei das Fragezeichen nicht hinter seine internationale Tauglichkeit, sondern hinter die Gesundheit zu setzen ist. Furrer steht zum zweiten Mal nach Vancouver 2010 im Schweizer Olympiateam.

Patrick Geering (ZSC Lions, 27) Für die WM überraschend übergangen, reisst er das Spiel als neuer ZSC-Captain noch mehr an sich. Defensiv solid war er schon immer, nun skort er auch fleissig: Mit 29 Punkten die Nummer 2 der Schweizer Verteidiger – hinter Joël Genazzi.

Romain Loeffel (Servette, 26) Im Prinzip hat sich Loeffel das Olympiaticket bereits im Frühling gesichert. An der WM beeindruckte er mit seinen ­Offensivqualitäten auch international und agierte selbst im Abwehrverhalten an Genazzis Seite erstaunlich solid.

Dominik Schlumpf (EV Zug, 26) In einer Abwehr neben vornehmlich spielerisch ausgerichteten Akteuren die ideale Ergänzung. Vielseitig einsetzbar und mit einem vorbildlichen Charakter.

Ramon Untersander (SC Bern, 27) Nationalcoach Fischer bevorzugt Verteidiger, die einen guten ersten Pass ­spielen und mit dem Puck etwas kreieren können. Untersander, in den zwei Meistersaisons summa summarum der stärkste SCB-Verteidiger, entspricht ­diesem Anforderungsprofil bestens.

Stürmer (14)

Cody Almond (Servette, 28) Den Schweizer Pass verdankt der gebürtige Kanadier der Grossmutter, die Olympiateilnahme den guten WM-Leistungen im Frühling. Diese Saison kam der ­Center auch wegen Rücken­problemen noch nicht auf Touren. Sein eher defensiv orientierter Sturm mit Schäppi und Rüfenacht scheint aber gesetzt.

Andres Ambühl (HC Davos, 34) Pyeongchang sind bereits seine 18. Titelkämpfe mit dem Nationalteam. Er steht nie still, checkt auch Gegner um, die einen Kopf grösser sind, und steckt nie auf. An Olympia ist Ambühl bei drei ­Teilnahmen indes noch punktlos.

Simon Bodenmann (SC Bern, 29) Schnell, routiniert und vielseitig einsetzbar: Was Bodenmann macht, hat Hand und Fuss. Der Zürcher kann ein gutes Team noch besser machen. An den letzten Olympischen Spielen war er Siegschütze beim 1:0 gegen Tschechien.

Enzo Corvi (HC Davos, 25) Der Dribbelkünstler hat erst sechs Länderspiele absolviert und im Nationalteam noch nie richtig überzeugt. Er verfügt nebst feinen Händen und Übersicht auch über einen guten Schuss und ist ­daher eine gute Option fürs Powerplay.

Gaëtan Haas (SC Bern, 25) Haas ist in spielerischer Hinsicht der beste Schweizer Center. Er hat seit seinem Wechsel von Biel nach Bern nochmals einen Schritt gemacht. In Paris ­bewies der Edeltechniker, dass er auch über Durchsetzungsvermögen verfügt.

Fabrice Herzog (ZSC Lions, 23) Der WM-Held von Paris, wo er mit seinen zwei Treffern die Kanadier bodigte, ist eine der grossen Enttäuschungen ­dieser Saison. Irgendwann muss für den kräftigen Flügel der Turnaround ­kommen. Vielleicht an Olympia?

Denis Hollenstein (EHC Kloten, 28) Die Last der prekären Lage der Klotener ist ihrem Captain anzumerken. Da könnten die Auftritte im Schweizer Dress für ihn wie eine Befreiung sein. Er ist ein schneller, trickreicher Flügel im besten Alter. Zuweilen aber zu wenig gradlinig.

Simon Moser (SC Bern, 28) Er schaffte den internationalen Durchbruch an der Silber-WM 2013 im ersten Sturm an der Seite von Martin Plüss und Nino Niederreiter. Der SCB-Captain ist einer der wenigen Schweizer Flügel, die internationale Härte verkörpern.

Vincent Praplan (EHC Kloten, 23) Der Schweizer WM-Topskorer von Paris spielt gemessen an den gestiegenen ­Erwartungen eine diskrete Saison. Dabei bringt er punkto Speed, Wucht und ­Torgefahr alles mit. Sein Sturm mit Haas und Hollenstein muss Tore schiessen.

Thomas Rüfenacht (SC Bern, 32) Er überzeugte im Playoff als MVP und auch an der WM. In der Liga ist er zum zuverlässigen Torschützen geworden (schon 16 Tore), aber ein wertvoller Arbeiter und Unruhestifter geblieben.

Reto Schäppi (ZSC Lions, 26) Eine der WM-Entdeckungen, setzte der Hüne in Paris nicht nur seinen Körper ein, sondern schoss auch zwei Tore. Er bringt internationale Härte mit und arbeitet verlässlich nach hinten. Ein Rollen­spieler, den jeder Trainer mag.

Tristan Scherwey (SC Bern, 26) Im Frühling setzte sich SCB-Coach Kari Jalonen zum Ziel, den wilden, zuweilen übermotivierten Flügel ins Olympiateam zu bringen. Nun spielt Scherwey reifer, abgeklärter, cleverer. Und sein grosser Entwicklungsschritt bringt ihn tatsächlich nach Pyeongchang.

Pius Suter (ZSC Lions, 21) Man vergisst manchmal, dass er erst 21 ist. Kein Schweizer hat in der National League einen solch hohen Punkteschnitt wie er (1,1). Suter bringt Energie ins Spiel, scheut keinen Zweikampf und ist als Center wie Flügel einsetzbar.

Joël Vermin (HC Lausanne, 25) Wie Corvi ist auch der flinke, trickreiche Flügel eine Überraschung im Olympiakader. Er muss zeigen, dass er internationaler Härte standhält. Auch er kann als Flügel wie als Center spielen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.01.2018, 20:55 Uhr

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