EHC Kloten will Gaydouls Haus am Zürichsee pfänden

Er, Milliardär – der Club, mal klamm: Klage des früheren Flyers-Besitzer gegen eine Millionen-Forderung des EHC Kloten hängig.

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Eine Million Schweizer Franken soll der Unternehmer dem Zürcher Eishockeyclub vertraglich schuldig sein, anerkannt hat er das nie. Am Freitag endete ein persönliches Gespräch mit dem heutigen Clubbesitzer ergebnislos.

Es war der bisher letzte Akt eines Dramas, das 2012 mit der Clubrettung durch Philippe Gaydoul begann und ihn danach über 20 Millionen Franken kostete. Bis jetzt. Denn mangels beweglichem Privatvermögen soll nun sein Haus am Zürichsee mit einer Pfändung belegt worden sein, der nächste Schritt wäre der Einblick in die Werte der Liegenschaft durch die Klotener Kläger. «Das stimmt nicht», bestreitet Gaydoul diese Vorgänge. Er soll allerdings die Forderung bestreiten und dagegen beim Bezirksgericht Bülach Aberkennungsklage eingereicht haben. Auch dazu will der Unternehmer nichts sagen: «Es handelt sich um ein laufendes Verfahren.» Er sagt aber, er habe das Geld längst auf einem Sperrkonto deponiert.

Dabei schien anfangs alles klar. Als Unternehmer Gaydoul im April 2015 seine Aktienmehrheit der EHC Kloten Sport AG an die nordamerikanische ASE-Gruppe übergab, verpflichtete er sich per Vereinbarung zu zwei Betriebszuschüssen an den Eishockeyclub, dem er drei Jahre vorgestanden war: zwei Millionen Franken im ersten Jahr nach der Übernahme, eine Million im zweiten.

Für wen war das Geld bestimmt?

Doch dann stiess ASE ihre Aktien nach nur einem Jahr schon wieder ab – an den Zürcher Unterländer Hans-Ulrich Lehmann. Den Betriebszuschuss fürs erste Jahr nach dem Verkauf an die ASE hatte Gaydoul da schon geleistet, den zweiten verweigerte er. «Es herrschen unterschiedliche Positionen bei der Interpretation eines Vertrags», sagt der frühere Besitzer. Der Club vertritt die Auffassung, die Summe sei an die EHC Kloten Sport AG gebunden, welche ja weiterbesteht. Der Deal wäre nur dann hinfällig geworden, so Lehmann, wenn der Club von der Liga keine Spiellizenz erhalten hätte.

Und so kam es, dass die EHC Kloten Sport AG im November 2016 die Betreibung des vormaligen Präsidenten in Höhe von einer Million Franken einleitete.

Gaydoul ergriff Rechtsmittel, doch ausser Verzögerungen bewirkten diese bisher wenig. Gesprächsangeboten soll er sich mehrfach verschlossen haben, und so eskalierte der Streit weiter. Bis im letzten Juni das Bezirksgericht Meilen die Pfändung von Philippe Gaydoul in Höhe von 1,065,000 Franken beschloss - zur ursprünglich eingeklagten Summe kamen auch noch Zinsen und Parteientschädigung.

Gaydoul spürte nur selten Dankbarkeit

Die Frage, warum ein schwerreicher Unternehmer sich weigert, eine vertraglich festgeschriebene Million zu zahlen, nachdem er freiwillig über zwanzig Millionen in den Club steckte, ist wohl nur auf einer persönlichen Ebene zu beantworten. Dankbarkeit für sein Engagement spürte der introvertierte Gaydoul jedenfalls selten, dafür musste er hören, wie der hemdsärmelige Lehmann schon bei der Übernahme vor Dutzenden Journalisten Dinge sagte wie: «Gaydoul war keiner, der hinschaute, wenn es stank.»

Gut möglich, dass er bei so wenig Anerkennung keinen Anlass mehr sah, dem neuen, ebenfalls schwerreichen Unternehmer an der Clubspitze das Leben zu erleichtern. Auch wenn ein Vertrag das anders regeln sollte und das Geld ja nicht an Lehmann, sondern an den EHC gehen würde. Sicher ist: Gewinner produziert ein solcher Streit auf keiner Seite. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.09.2017, 22:33 Uhr

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