Der Stolz der «Modis» nach dem 0:6

Wenn Frauen Spitzeneishockey spielen, sind Checks verboten und Zuschauer spärlich. Ein Ortstermin beim Frauen-Eishockeyspiel zwischen Bomo Thun und den ZSC Lions.

2 der 19 Zuschauer im Stadion: Die verletzte Thuner Torhüterin Michelle Gfeller fieberte mit ihrem Töchterchen auf der Tribüne mit. (Manuel Zingg)

2 der 19 Zuschauer im Stadion: Die verletzte Thuner Torhüterin Michelle Gfeller fieberte mit ihrem Töchterchen auf der Tribüne mit. (Manuel Zingg)

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Es dämmert im Thuner Grabengut. Die letzten Jugendlichen verlassen das offene Eisfeld. Mit den Schlittschuhen in der Hand schlendern sie am grossen Eishockeyspielfeld vorbei. Dass sich auf dem Eis zwei Hockeyteams duellieren, nehmen sie kaum zur Kenntnis. Dabei findet gerade ein Spiel der höchsten Hockeyliga statt. Die Frauenequipe der ZSC Lions spielt gegen Bomo Thun. Bomo steht für «Berner Oberländer Modis». Nach der ersten Meisterschaftsphase liegen sie auf dem fünften Platz, während der ZSC ungeschlagen an der Spitze liegt. Insgesamt spielen sechs Teams in der höchsten Frauenliga.

Kinderwagen im Stadion

19 Zuschauer sind im Stadion, fast ausschliesslich Freunde und Familien der Spielerinnen. Mitten auf der Stehrampe steht ein Kinderwagen. Auch die verletzte Thuner Ersatztorhüterin Michelle Gfeller hat ihren Mann und ihr Töchterchen mit ans Spiel gebracht. Ihre Teamkollegin Yasmine Schwab, die im Thuner Tor steht, beneidet sie nicht. «Vor 14 Tagen haben die Zürcherinnen in Küsnacht 19:0 gegen Thun gewonnen», sagt Gfeller. Die höchste Niederlage, die Bomo in der LKA je erlitten hat.

Checks nicht erlaubt

Das Spiel ist intensiv. Die Zürcherinnen zeigen schnelle Spielzüge, besonders im Powerplay flitzt der Puck von einer Kelle zur anderen. Die Thunerinnen müssen viel Defensivarbeit leisten. Ihr Problem: Checks sind im Fraueneishockey nicht erlaubt, Anja Schwarz muss für einen an sich sauberen Bodycheck auf die Strafbank. Mit guter Stock- und Beinarbeit vermögen die Thunerinnen den Gästen den Puck dennoch abzuluchsen. Bomo fehlt aber die Kraft, eigene Angriffe zu lancieren, weshalb das Schiedsrichterduo - zwei Männer - immer wieder Befreiungsschläge abpfeifen muss.

Und doch sind es die Thunerinnen, die nach 20 Minuten lächeln. Das 0:0-Drittelresultat ist ein Erfolg. Ab dem zweiten Spielabschnitt machen sich aber die langen Eiszeiten bemerkbar, gerade einmal 12 Feldspielerinnen teilen die Einsätze untereinander auf. Auch der ZSC schafft es nicht, mit drei kompletten Linien zu spielen. Die Zürcherinnen können aber auf die Routine ihrer vier Ausländerinnen zählen. In der 22. Minute schiesst Amanda Shaw das 0:1 - auf Pass von Kent Ruhnkes Tochter Laura. In der 30. Minute erzielt Susanne Niemelä das 0:2, nach einem Doppelschlag von Monika Waidacher steht es nach 40 Minuten gar 0:4.

Transfercoup gescheitert

Bomo Thun bestreitet die Meisterschaft wie in den Vorjahren ohne Ausländerinnen. «Im Sommer wollten wir eine slowakische Nationalspielerin engagieren», erklärt TK-Chef Martin Rentsch. Der Vertrag sei bereits zur Unterschrift bereitgelegen, als der Transfercoup doch noch gescheitert ist. «Der slowakische Nationaltrainer hat der Spielerin empfohlen, erst nach den Olympischen Spielen ins Ausland zu wechseln», erklärt Rentsch.

So sorgen im dritten Drittel nur Amanda Shaw und Jaclyn Hawkins für ausländischen Torjubel, Bomo verliert die Partie 0:6. Die Lust am Eishockey ist den Thunerinnen dennoch nicht vergangen. «Auf das Resultat können wir stolz sein. Der ZSC gewinnt seine Spiele meist zweistellig», sagt Bomo-Captain Jenifer Zimmermann. «Wir haben gut gekämpft. Heute hat das Spiel Spass gemacht», ergänzt Stefanie Wyss. Sie sind sich einig, dass die gezeigte Leistung gegen Gegner wie Visp und Langenthal zum Erfolg reichen würde. «Wir passen uns meist der Spielweise der schwächeren Gegner an. Wenn wir das ändern, ist diese Saison noch viel möglich», glaubt Zimmermann.

Gut gelaunt gehen die Thunerinnen nach dem Spiel in der Garderobe. Draussen füllt sich derweil langsam das Stadion. In einer Stunde wird im Grabengut eine 1.-Liga-Partie des EHC Thun angepfiffen. In den Augen der Thuner Zuschauer ist Eishockey nach wie vor eine Männersportart. (Der Bund)

Erstellt: 30.11.2009, 10:55 Uhr

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