Dankbar für das Undankbare

Gegen Servette kam Gian-Andrea Randegger zu mehr Eiszeit als üblich. Womöglich schlägt im Playoff nochmals die Stunde des Flügels, ehe er den Meister verlassen wird.

Wieder mittendrin: SCB-Angreifer Gian-Andrea Randegger.

Wieder mittendrin: SCB-Angreifer Gian-Andrea Randegger. Bild: Christian Pfander

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Es waren ein paar Küsschen, aber keine Liebesgrüsse aus Genf. Als sich Servettes Tanner Richard im ersten Viertelfinalspiel auf dem Stadionwürfel im Bild sah, nutzte der Topskorer die Gunst der Aufmerksamkeit für eine kleine Provokation in Richtung Berner Anhang. Im nächsten Einspieler war die Reihe an Kari Jalonen, der für das Treiben immerhin ein sanftes Lächeln übrig hatte.

Kuss und Lächeln zum Trotz: Harmonisch war das erste Tête-à-Tête zwischen dem SCB und Servette keineswegs. Aber auch nicht derart unfair, wie das Treiben im Nachgang da und dort taxiert worden war. Im Playoff werden auch ausserhalb der Eisrinks gerne Emotionen geschürt, bunte Verschwörungstheorien konstruiert und Schwarze Peter verteilt. Wer sich der schwarz-gelb-roten Brille entledigt, der sieht noch immer einen regelwidrigen Check von Noah Rod gegen den Kopf Eric Blums.

Der Verteidiger schied mit einer Hirnerschütterung aus, Rod wird mit zwei Spielsperren sanktioniert. Er sieht aber auch, dass etwa die Aktion von Will Petschenig gegen Simon Bodenmann mit 12 Strafminuten zu hart bestraft wurde und dass sich beim Rencontre zwischen Thomas Rüfenacht und Jeremy Wick auch der Berner über eine Strafe nicht hätte beklagen dürfen. Und womöglich geht auch vergessen, dass die Verletzungen von Dario Meyer (Schulter) und Luca Hischier (Knie) nach einem korrekten Check respektive ohne gegnerisches Verschulden erfolgten.

Hischier trainierte am Montag wieder mit dem Team, wenn auch ohne gröberen Körperkontakt. Er dürfte zumindest am Dienstag in Genf fehlen. Meyer und Blum standen nicht auf dem Eis. Trainer Jalonen umschreibt den Zustand des Trios mit den Worten «nicht schlecht». Der SCB rechnet für den zweiten Vergleich in der Les-Vernets-Halle mit wesentlich mehr Widerstand – kein Wunder, war doch der Auftritt der Genfer im Startdrittel vom Samstag eine Bankrotterklärung.

«Sie werden ihre Arbeit verrichten, wir die unsere», sagt Jalonen lapidar. Wenn der Finne im Playoff etwas nicht tun mag, dann das: über den Gegner sprechen. «Wir schauen auf uns.» Dennoch kam er am Samstag von seiner Philosophie ab, stets die besten Pferde im Stall galoppieren zu lassen. Aus Respekt vor Verletzungen seiner Topspieler gab der Finne gegen Ende im Powerplay jenen Akteuren Auslauf, die für gewöhnlich selbst bei numerischem Gleichstand selten zum Zug kommen. Es sind Spieler wie Gian-Andrea Randegger. «Kari wollte die besten Spieler schützen, deshalb stand ich häufiger auf dem Eis», sagt Randegger. Es ist im Prinzip eine undankbare Rolle – aber nicht für einen, der um jede Einsatzgelegenheit dankbar ist.

Die letzte Chance nutzen

Ein dankbarer Spieler ist Randegger sowieso. Seit drei Jahren pendelt der Bündner in Bern zwischen vierter Linie und Tribüne. Nie hat er sich öffentlich beklagt. Wenn er den Mund öffnet, dann vor allem, um die Mitspieler zu motivieren oder mit einem Spruch für gute Stimmung zu sorgen. Dass der 31 Jahre alte Flügel auch auf dem Eis Einfluss haben kann, belegte er im Playoff 2016. Die vierte Linie mit Randegger und den Berger-Brüdern sorgte im Viertelfinal gegen die favorisierten ZSC Lions für die Differenz. Ausgestattet mit simplen Systemvorgaben von Lars Leuenberger, dominierten die Berner das Playoff, als gäbe es nichts Einfacheres.

In Jalonens System fühlt sich Randegger nicht mehr so wohl. «Ich passe mich an, aber als Spielertyp bleibe ich natürlich derselbe.» Er wird den Club nach der Saison verlassen, möchte in der National League bleiben und entsprechend das Playoff als Bühne nutzen. Wenn sich im Meisterkampf die vorderen Linien neutralisieren, steigt die Bedeutung der Ergänzungsspieler. «Diese Chance will ich nutzen und mich zeigen.»

Hart, aber fair als SCB-Losung

Randegger spielte einst zwei Jahre lang in Genf. Er weiss um Wesen und Charakter der Servettiens, selbst wenn Chris McSorley nicht mehr wie ein Wilder an den Steuerseilen zieht. «Uns erwartet am Dienstag in Genf eine ganz heisse Partie», sagt Randegger. Seine Losung: «Hart spielen, fair spielen, kontrolliert spielen, sich nicht alles gefallen lassen, aber bei Bedarf auch mal clever genug sein, die andere Backe hinzuhalten, statt zurückzuschlagen.» Entscheidend ist schliesslich, wer punkto Resultat die Ohrfeige kassiert. (Der Bund)

Erstellt: 13.03.2018, 07:38 Uhr

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