Arno ist weg, Arno ist da

Warum Arno Del Curtos Geist bei der Suche nach dem Nachfolger immer noch präsent ist. Und warum das nicht verkehrt ist.

Illustration Kornel Stadler.

Illustration Kornel Stadler.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Arno Del Curto ist weg, aber Arno Del Curto ist eben immer noch da. Patrick Fischer, Nationaltrainer. Thierry Paterlini, Chef an der Bande der Schweizer U-18, Christian Wohlwend, dasselbe bei den U-20. Michel Riesen, Juniorentrainer in Davos und seit heute Interimslösung für die kriselnde Truppe des HCD.

Das ist bloss eine Auswahl, die Liste liesse sich verlängern. Eines haben sie gemein: Sie sind «Jünger Arnos», um es mit trivial-polemischen Worten zu umschreiben. Sie sind, um es nüchterner zu sagen, ganz sicher tief geprägt von Del Curto. Fischer und Paterlini waren beide HCD-Captains unter dem Engadiner, der am Dienstag nach über 22 Jahren den Rücktritt beim HCD gab.

Swissness? Oder House Cleaning?

Ein Rücktritt, der ein kleines Erdbeben auslöste und die Suchmaschine nach einem Nachfolger in die Gänge brachte. Mit Pascal Müller, er eher auf strategischer Ebene, und Reto von Arx werden zwei weitere Namen herumgereicht als mögliche künftige HCD-Angestellte, die beide ihre intensive Vergangenheit mit Del Curto haben.

Es sind nicht nur allerlei Namen, sondern auch Ratschläge an Davos am Kursieren. Die Holzhammer-Variante: House cleaning! Alles und jeder muss weg, es braucht auf allen organisatorischen Ebenen neue Leute. Das lässt man in Davos lieber sein. Der Zeitpunkt könnte nicht schlechter sein, um für noch mehr unnötige Aufregung zu sorgen.

Was den Trainer angeht, gibts auch Tipps, egal, wohin man schaut: Es brauche Swissness, ein Schweizer müsse es sein. Es brauche einen Ausländer, ohne Vergangenheit in der Schweiz oder zumindest Davos, denn nun ist frischer Wind vonnöten, um endlich alte Strukturen und Krusten aufzubrechen.

Widerspricht sich diametral, macht im ersten Moment dennoch beides Sinn.

Aber nur im ersten Moment. Der HCD tut gut daran, keinen Übungsleiter aus einer anderen Liga zu holen, der überhaupt keine Kenntnisse unseres Hockeys hat. Selbst und vor allem nicht, wenn er aus einem «echten» Eishockeyland wie Schweden oder Finnland kommen sollte. Einer, der den Namen «HC Davos» bloss mit europäischem Traditionsclub, Schweizer Rekordmeister und Spengler-Cup assoziiert. Dann gibt’s ein böses Erwachen für den tüchtigen neuen HCD-Trainer.

Falsche Vorstellungen

So wie für Hans Wallson, als er mit unglaublich guten Referenzen bei Skelleftea zum ZSC stiess und sich wunderte, dass im Vergleich mit seiner Heimat im Durchschnitt unsere Junioren und Spieler generell taktisch nicht ganz so gut ausgebildet sind, nicht über die genau gleich perfekten Fitnesswerte verfügen und generell im Schweizer Hockey nicht alles ganz genauso professionell läuft wie zu Hause gewohnt. Dass sich Wallson nicht gut genug anpassen konnte, war dann zwar sein Fehler. Aber diese Erkenntnis nützte am Ende keinem der Beteiligten etwas.

Man stelle sich vor, welch grosse Augen ein Wallson oder wer auch immer aus Skandinavien nun nach ein Paar Tagen «Erlebnispark HCD» macht, wenn er ins aktuelle Chaos des Rekordmeisters geworfen würde. Halleluja!

Josef Marha wäre einer, aber …

Nein, der HC Davos braucht beides. Ein wenig «Swissness», unbedingt. Es muss nicht einmal unbedingt einer mit Schweizerpass sein, aber einer, der ein wenig weiss, was ihn erwartet. Und er sollte etwas Frische bringen, nicht zu sehr mit allem und jedem im HCD verbandelt sein. Und er sollte einer sein, der vom Team respektiert wird, kein völliger No-Name.

Es gibt einen, der fast alles erfüllt: Josef Marha, der erfolgreichste ausländische Spieler, den der HC Davos je beschäftigte. Er coachte seit seinem Rücktritt als Spieler zwar nur in seiner tschechischen Heimat auf U-16-Stufe, aber alles andere würde er mitbringen, inklusive totale Eishockey-Verrücktheit und Winner-Gen. (Und nebenbei: Auch er ist ein «Arno-Jünger», hat aber mittlerweile genügend Distanz zu Del Curto, um nicht mit diesem Vorwurf konfrontiert zu werden.)

Aber Marha wird es wohl nicht, da in Davos eher in Richtung «Coach mit Erfahrung mit Erwachsenen» gesucht wird. Ist aus Sicht der Suchenden verständlich, bloss garantiert auch diese Erfahrung keinen Erfolg in der momentanen Situation. Und nicht vergessen: Als Arno Del Curto 1996 HCD-Trainer wurde, war das zu jenem Zeitpunkt etwas vom Verrücktesten und Unkonventionellsten, was man sich vorstellen konnte.

Doppelamt macht nur kurzfristig Sinn

Wie auch immer, die Zeit in Davos eilt. Die Interimslösung mit Riesen, der von Sportchef René Müller assistiert wird, macht zwar Sinn. Für den Moment, fürs Wochenende und vielleicht eine Woche darüber hinaus. Sie hat aber auch ihre Mängel: Erneut ist es ein Doppelamt mit Müller, der zudem erst kürzlich vom HCD-Juniorenchef zum Sportchef gemacht wurde.

Doch das Amt des Sportchefs ist derzeit extrem wichtig und herausfordernd. Die Suche nach dem definitiven Trainer, mehrere Vertragsverlängerungen, die Suche nach einem neuen Ausländer und nach neuen Spielern für nächste Saison – das erfordert einen immensen Aufwand. Das Doppelamt ist da alles andere als ideal. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 29.11.2018, 15:11 Uhr

Artikel zum Thema

Nein, Arno wird es diesmal nicht richten

Der Rekordmeister Davos findet nur dann aus der Krise, wenn er seine neue Identität akzeptiert. Das ist einfacher gesagt als getan. Mehr...

Die tickende Zeitbombe ist explodiert

Warum Arno Del Curto nicht mehr Trainer des HC Davos ist. Und was dem Rekordmeister nun droht. Mehr...

Der Dynamo des Schweizer Eishockeys

Porträt Mit seiner Leidenschaft befeuerte Arno Del Curto nicht nur den HCD, sondern trug wesentlich zur nationalen Entwicklung bei. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Kommentare

Blogs

Zum Runden Leder Ab in die Wüste

Zum Runden Leder Eyes wide shut

Werbung

Fussballinteressiert?

Hintergrundinformationen, Trainerdiskussionen und Pseudo-Expertentum vom Feinsten.

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...