129 Sekunden meisterliche Effizienz

Der SC Bern ist gegen Ambri-Piotta dank zwei Toren in Unterzahl zu einem ungefährdeten 4:1-Sieg gekommen. Mit Mikko Rantanen wird schon bald ein weiterer NHL-Spieler in Bern trainieren.

Die Entscheidung: Jan Mursak trifft zum 3:0, kurze Zeit später führt der SC Bern gar mit vier Treffern Differenz.

Die Entscheidung: Jan Mursak trifft zum 3:0, kurze Zeit später führt der SC Bern gar mit vier Treffern Differenz.

(Bild: Peter Schneider/Keystone)

Adrian Ruch

Im Training des SC Bern wird immer öfter Finnisch gesprochen. Es ist die Muttersprache von Cheftrainer Kari Jalonen, drei weiteren Coachs, dem Verteidiger Miika Koivisto und dem prominenten Gast aus der NHL, Patrik Laine. Und nun wird morgen in der Postfinance-Arena auch noch Mikko Rantanen erwartet. Der 22-Jährige gehört zu den gefährlichsten Spielern der Welt, in der vergangenen NHL-Saison buchte er für Colorado Avalanche durchschnittlich fast 1,2 Skorerpunkte pro Match. Die SCB-Goalies Niklas Schlegel sowie Pascal Caminada dürfen ihre Fähigkeiten also in nächster Zeit gegen zwei Weltklassestürmer unter Beweis stellen.

Im Ernstkampf ist hingegen derzeit nur Schlegel am Zug. Obwohl Jalonen vor Saisonbeginn erklärt hatte, es gebe vorerst keine Nummer 1, kam der 25-Jährige – Champions League und Cup eingerechnet – gestern zum vierten Mal in Folge zum Einsatz. Schlegel sei beim ersten Meisterschaftsauftritt sehr nervös gewesen, deshalb habe er ihn gleich noch einmal aufgestellt, begründete Jalonen.

Der Keeper wurde gegen Ambri-Piotta durchaus gefordert, zumal seine Teamkollegen im ersten Drittel wenig konsequent zu Werke gingen. Er zeigte ein paar gute Paraden und beanspruchte bei einem Abschlussversuch Brian Flynns etwas Glück. So führte der Meister nach dem ersten Drittel durch einen von Simon Moser erzielten und von Mark Arcobello brillant vorbereiteten Treffer 1:0. Doch ein Klassenunterschied war vorerst nicht auszumachen.

Zwei Shorthander

Das änderte sich nach der Pause, und zwar ausgerechnet als mit Gregory Sciaroni ein Tessiner in Berner Diensten auf der Strafbank sass. Zuerst entwischte Andrew Ebbett in Unterzahl und bezwang Ambri-Goalie Dominik Hrachovina, und nur 26 Sekunden später tat es der Slowene Jan Mursak dem Kanadier gleich und erhöhte auf 3:0.

Schon in der 24. Minute sah sich Ambri-Trainer Luca Cereda genötigt, sein Time-out zu beziehen – ohne Erfolg: Keine zwei Minuten später gelang Vincent Praplan das 4:0. Der SCB bot 129 Sekunden lang meisterliche Effizienz und anschliessend während einer längeren Phase meisterliche Spielkunst. Die Leventiner befanden sich unter Dauerdruck, doch das Resultat blieb bis zur zweiten Sirene bestehen.

NHL-Star Laine sah sich die Partie wie die verletzten SCB-Akteure Marc Kämpf und Matthias Bieber von der Medientribüne aus an, wobei er dem Bildschirm seines Mobiltelefons ähnlich viel Aufmerksamkeit schenkte wie dem Geschehen auf dem Eis. Im Schlussabschnitt waren aufgrund der klaren Verhältnisse Unterhaltungswert und Intensität tief. Es interessierte vornehmlich die Frage, ob Schlegel ausgerechnet am Tag, an dem sein Vorgänger Leonardo Genoni gegen Lausanne nach drei frühen Gegentreffern ausgewechselt wurde, den ersten Shutout beim neuen Arbeitgeber realisieren würde. Die Antwort gab Flynn in der 56. Minute, als er den SCB-Schlussmann aus kurzer Distanz bezwang.

«Win-win-Situation»

Jalonen sprach in Bezug auf die Gäste aus seiner Heimat von «einer Win-win-Situation. Diese beiden sind derzeit die Topstars des finnischen Eishockeys, und es sind gute Typen.» Mursak sagte derweil, er und seine Mitspieler freuten sich, mit Laine und Rantanen trainieren zu dürfen. «Sie sind zwar noch jung, aber wir können viel von ihnen lernen: wie sie schiessen, wie sie mit der Scheibe umgehen, wie sie die Scheibe abdecken.»

Der Blick nach Übersee ist aus Berner Sicht unabhängig von den Gästen aus der NHL interessant. In der Nacht auf Dienstag absolvierte Gaëtan Haas für Edmonton das erste Testspiel. Der Center kam 14 Minuten zum Einsatz, agierte defensiv solid, konnte aber in der Offensive keine Akzente setzen.

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