Eine kleine grosse Figur

Der 1,70-Meter-SCB-Verteidiger Mauro Dufner wuchs beim 3:2-Sieg gegen Servette über sich hinaus.

 Erst 19-jährig, frech und torgefährlich: SCB-Verteidiger Mauro Dufner.

Erst 19-jährig, frech und torgefährlich: SCB-Verteidiger Mauro Dufner. Bild: Peter Schneider/Keystone

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Seit langem gönnte der SCB seinem ­Publikum wieder einmal einen Abend der grossen Emotionen. Bis ins letzte Drittel hinein hatte das Team unglücklich agiert, früh Verteidiger Jobin mit ­einer Schulterverletzung verloren, zwei Gegentore kassiert. Wie sollten diese ­soliden Genfer noch besiegt werden?

Doch wie sagte Topskorer Martin Plüss hinterher lapidar? «Verletzungen sind immer auch Chancen für andere Spieler, eine grössere Rolle zu übernehmen.» Mauro Dufner, der 19-jährige Verteidiger, übernahm in seinem erst sechsten NLA-Spiel die prominentere Rolle nicht nur, er umarmte sie richtiggehend. Als siebter Verteidiger war er ins Spiel gegangen, rückte aber nach Jobins Aus in die reguläre Rotation vor. Er sauste zwischen den Genfer Hünen durch, als wäre nichts dabei. Der nur 1,70 Meter grosse Verteidiger brachte Checks an, spielte mutige erste Pässe und ging furchtlos in die Zweikämpfe. Und vor ­allem beeindruckte er mit seiner Wendig- und Schnelligkeit. «Ich wusste, dass ich gegen die grossen Genfer einen ­Vorteil habe, wenn ich meine Beine ­bewege», sagte er danach.

Im Schlussdrittel wagte er sich auch in die Offensive, nach einem Rückpass zog er ab und traf wunderschön zum 1:2. Nun lief er endgültig heiss. Wer sprang aufs Eis, als im Powerplay Ritchie nach einem Stockbruch zur Bande zurücklief? Genau: Dufner. Es war dann fast schon kitschig, dass er auch noch ­Scherweys 2:2 vorbereitete, der Treffer brachte das Publikum ein erstes Mal zum Toben. Der 19-Jährige war sogar nahe an einem Gordie-Howe-Hattrick (ein Tor, ein Assist und eine 5-Minuten-Strafe in einem Spiel), nur der lange Ausschluss fehlte ihm ­dafür noch. Zwei ­Minuten sass er früh im Spiel ab, und im letzten Drittel war er bei einem Hand­gemenge mittendrin, stand am Ende ohne Helm da . . .

Der Thurgauer spielt seine dritte ­Saison in Bern, gross geworden ist er bei den Pikes Oberthurgau. Vor zwei Jahren bemühten sich neben dem SCB auch Zug und Rapperswil um Dufner, der sich nach einem Probetraining für die Berner entschied. «Hier harmonierte es am besten», sagte der Lehrling, dem es wichtig war, eine Lehre abzuschliessen, nun absol­viert er das KV bei der Securitas.

Schon nach dem 5:1 in Kloten am Freitag war SCB-Trainer Guy Boucher voll des Lobes gewesen über den Jungspund. Dieses drückte er mit nicht nur druckreifen Worten aus, zitieren darf man folgende Wertschätzung: «Duffy hat Schneid. Meist ist er als Erster am Puck, obwohl er kleiner ist als alle.»

Der Gelobte selber gab sich am Samstagabend bescheiden, sagte nach seinen ersten zwei NLA-Skorerpunkten: «Mein Ziel ist es nicht, jetzt grosse Ansprüche zu stellen. Ich versuche einfach, mich weiter zu empfehlen.»

In Langnau noch ohne Joensuu

Bereits heute erhält er dafür die nächste Gelegenheit, wenn es im Cup-Viertel­final in Langnau zum Derby kommt. Noch nicht mittun wird da der bis Ende Saison engagierte finnische Stürmer Jesse Joensuu, der heute in Bern erwartet wird. «Wenn wir unser Tempo ausnützen, unsere Vorteile ausspielen, sollten die vielen Verletzten im Spiel gegen die Tigers kein Problem sein», sagte Siegestorschütze Martin Plüss am Samstagabend. Nachdem die Genfer in der Verlängerung in Überzahl den Puck ver­loren hatten, war der 37-Jährige alleine übers halbe Feld gesprintet und stellte mit seinem 16. Saisontreffer (der zweitbeste Wert in der NLA) den Berner Sieg sicher. Der Siegesjubel in der Arena war danach so ausgelassen, wie man es wohl zuletzt beim Gewinn des Meistertitels 2013 erlebt hat. (Der Bund)

Erstellt: 15.12.2014, 07:43 Uhr

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