«Wir haben uns durchgeseucht»

Der BSV Bern Muri hat es wieder nicht unter die vier besten Teams der NLA geschafft. Sportchef Daniel Weber erklärt, weshalb nicht mehr möglich war als das Minimalziel Finalrunde.

Manuel Reber (links), hier gegen Roman Caspar, ist einer der fünf Abgänge beim BSV Bern Muri.

Manuel Reber (links), hier gegen Roman Caspar, ist einer der fünf Abgänge beim BSV Bern Muri.

(Bild: Thomas Hodel)

Mit den Playoff-Halbfinals geht das Titelrennen im Schweizer Handball in die entscheidende Phase. Der BSV ist wieder nur Zuschauer. Wie fest schmerzt dies den Sportchef?
Ich habe ein gespaltenes Herz.

Inwiefern?
Als Sportler hat man den Ehrgeiz, bis am Ende einer Meisterschaft dabei zu sein, um den Titel zu spielen. Wir wollten im Playoff dabei sein, haben dieses Ziel aber verpasst. Wenn ich auf unsere grossen personellen Probleme in dieser ­Saison zurückblicke, wäre es jedoch vermessen gewesen, einen Platz im Playoff zu fordern. Wir haben uns die ganze ­Saison durchgeseucht, das hat schon in der Qualifikation begonnen und sich in der Finalrunde fortgesetzt.

Wie würden Sie die BSV-Saison bewerten?
Wir haben mit der Finalrunde das Minimalziel geschafft. Hätten wir einige der vielen knapp verlorenen Partien gewonnen, wäre mehr dringelegen. So war unser Rückstand vor dem Start der Finalrunde bereits zu gross. Nicht zwingend war das Verpassen des Final Four im Cup. Wir haben im Viertelfinal beim 19:20 gegen Wacker gleich fünf Penaltys nicht verwertet.

Trainer Dragan Dejanovic hat sein erstes Amtsjahr beim BSV hinter sich. Wie sieht das erste Fazit aus?
Ich gebe dem Trainer eine gute Note, weil er eine schwierige erste Saison bei uns bewältigen musste. Die Ausfälle in diesem Ausmass konnten nicht erwartet werden. Trotzdem war die Mannschaft bis auf zwei, drei Spiele meist nahe dran an den Gegnern und selten chancenlos. So weit weg von den besten Teams, wie es mit Platz 6 nun scheint, waren wir nicht.

Wo konnte Dejanovic erste Akzente setzen?
Ganz sicher in der Deckung, die stabiler geworden ist. Er hat ein Fundament gelegt, auf dem er sein bevorzugtes System nun weiterentwickeln kann.

Kurth, Reber, Räz, Nyffenegger und Steiger werden das NLA-Team des BSV verlassen. Wie stark fallen diese Abgänge ins Gewicht?
Wenn so viele Spieler ersetzt werden müssen, ist das immer ein Verlust. Weil es nicht gut ist für die Abläufe und Automatismen innerhalb einer Mannschaft. Andererseits sind mehrere der abtretenden Spieler über 30 Jahre alt und haben ihren Zenit wohl bereits erreicht. Längerfristig betrachtet, erhalten wir dadurch die Chance, mit jüngeren Spielern eine neue Basis zu legen. Neue Kräfte bringen immer neue Impulse. So hoffen wir, einen Schritt vorwärts machen zu können.

Einer der Neuen, Boris Zivkovic, fällt für den Saisonstart bereits aus.
Das ist natürlich Pech. Wir glauben, dass er nach dem Kreuzbandriss eher neun als sechs Monate braucht, um wieder einsatzfähig zu sein. Ich rechne nicht vor 2017 mit Zivkovic.

Wird er für die erste Phase der neuen Saison ersetzt?
Wir wissen noch nicht, wie wir uns nach diesem unerwarteten Ausfall verhalten sollen. Wir haben keinen zweiten Linkshänder, der ihn ersetzen könnte. Vielleicht werden wir deshalb auf dem Transfermarkt nochmals aktiv.

Und wie sieht es mit weiteren ­Verstärkungen aus?
Tobias Baumgartner ist zwar seit Januar schon zurück beim BSV, er gilt aber als Zuzug für die nächste Saison. Und mit dem Tschechen Jakub Szymanski von St.Otmar konnten wir einen sehr erfahrenen Spieler verpflichten.

Wie viele BSV-Talente aus dem eigenen Nachwuchs werden 2016/17 ins Kader berufen?
Wir werden im Zeitraum Ende Mai/Anfang Juni entscheiden, welche Junioren wir einbauen wollen. Kandidaten gibt es mehrere: Nicolo Moggi, Sven Schaffroth, Marco Strahm, Michael Kusio und Tim Weber, falls er bei uns bleibt. In diesem Zusammenhang wäre es wichtig, dass unser Partnerteam Solothurn den Aufstieg in die NLB schafft. Das würde für die jungen Spieler den Sprung in die NLA etwas kleiner machen.

Wie gut sind die Aussichten, dass es der BSV wieder ins Playoff schafft?
Wir haben bereits früher das Ziel formuliert, uns in den Rängen 1 bis 4 zu etablieren. Das haben wir noch nicht geschafft. Deshalb ist das Erreichen der ­Finalrunde auch nächste Saison ein Muss. Ein Absturz in die Abstiegsrunde wie 2015 wäre für uns katastrophal.

Wie mit den sportlichen Zielen kommt der BSV Bern Muri auch mit dem ­Projekt einer neuen Halle nur schleppend voran. Geht es dort bald entscheidend vorwärts?
Das Hallenprojekt hat sich durch Einsprachen verzögert. Wann es weitergeht, weiss ich nicht. Es ist nun wichtig, Lösungen zu finden, mit denen alle involvierten Parteien leben können. Wir sind uns bewusst, dass eine neue Halle nicht bedeutet, gleich das Budget rasant erhöhen zu können. Trotzdem bin ich überzeugt, dass eine neue Halle unserem Verein sportlich und wirtschaftlich neuen Schub geben wird.

Der Bund

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