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Gold in zwei Anläufen

Der Thurgauer Marcel Hug muss sich die Medaille noch einmal verdienen.

Olympiasieger, Weltmeister und Welt­rekordhalter: Dem Rollstuhlsportler Marcel Hug fehlt noch eine wichtige Goldmedaille. Bild: Getty Images/Julian Finney
Olympiasieger, Weltmeister und Welt­rekordhalter: Dem Rollstuhlsportler Marcel Hug fehlt noch eine wichtige Goldmedaille. Bild: Getty Images/Julian Finney

Dem Rollstuhlsportler Marcel Hug fehlt eigentlich nur noch etwas, um seine ohnehin schon beeindruckende Sammlung an WM-Goldmedaillen zu vervollständigen: der WM-Titel über 800 Meter. Der Ostschweizer, der im thurgauischen Pfyn auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, ist bereits mehr­facher Olympiasieger, Weltmeister und Welt­rekordhalter. An der derzeit in London stattfindenden WM verfolgt er deshalb vor allem das Ziel, das ihm bisher stets verwehrt blieb. Es ist die einzige Distanz, in der sich der 31-Jährige noch nicht Weltmeister nennen darf.

Am Montag war es dann so weit. Der Favorit Hug kam nach 800 Metern als Erster ins Ziel. Doch es blieb bei den alten Silber- und Bronzemedaillen von drei früheren WM-Teilnahmen. Zumindest vorerst. Der Grund: Wegen eines Unfalls, in den vier der acht Fahrer verwickelt waren, wurde das Rennen annulliert und auf diesen Freitag neu angesetzt.

Der Mann, der wegen seines silbernen Helms den Spitznamen Silver Bullet (Silberkugel) bekommen hat, trägt den Entscheid mit Fassung. Auch sein Trainer Paul Odermatt sagt: «Es ist, wie es ist», und fährt fort: «Ich bin sicher, dass Marcel am Freitag mit dem gleichen Fokus wie sonst an den Start gehen wird.» Odermatt muss es wissen. Schon seit 20 Jahren trainiert er mit dem Profisportler. Obwohl der Entscheid für Aufregung sorgte, hat Hug ihn akzeptiert.

Der Rummel um seine Person behagt ihm nicht

Das passt zu seinem Charakter. Marcel Hug gilt als bescheiden, als einer, der sich trotz seiner Erfolge nicht in den Vordergrund drängt. Nichts unterstreicht das besser als eine Anekdote aus dem Jahr 2012, als er zum Businesslunch eines Gewerbevereins eingeladen war. Bei seiner Vorstellung wurden seine Erfolge verlesen. In der Hälfte unterbrach Hug den Redner, der Rummel um seine Person behagt ihm nicht. Oder wie er selbst immer wieder zu sagen pflegt: «Ich will als Sportler respektiert und nicht als Behinderter bewundert werden.» Marcel Hug kam 1986 mit einem offenen Rücken (Spina bifida) zur Welt, an Stöcken kann er wenige Schritte gehen. «Es ist nicht dasselbe, wie wenn man nach einem Unfall nicht mehr gehen kann. Ich habe nie etwas anderes gekannt», sagte Hug vor einigen Jahren in der «Luzerner Zeitung». Als 8-Jähriger bekam er dann seinen ersten Rollstuhl, zwei Jahre später packte ihn der Ehrgeiz, nachdem er sein erstes Rennen gewonnen hatte.

Dass dieser ihn auch als Profi nicht losgelassen hat, stellte er bei der WM 2013 in Lyon unter Beweis, als er nach 10 Kilometern seine Trinkflasche verlor. Im Marathon. Ohne Trinkwasser absolvierte er die letzten 30 Kilo­meter. Das Resultat: seine erste WM-Goldmedaille in dieser Kategorie, die 6. insgesamt. Am vergangenen Wochenende kam Nummer 7 dazu, und die nächste soll am Freitag folgen. Auch wenn dafür zwei Anläufe nötig sind.

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