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Zensur an Fifa-Turnier in Russland?

Korruption, Proteste, Hooligans: Es gibt Zweifel, dass Journalisten am Confed Cup darüber schreiben dürfen.

Zwei, die sich kennen. Wladimir Putin (l) holte die WM in sein Land. Gianni Infantino ist der Präsident der ausrichtenden Fifa.
Zwei, die sich kennen. Wladimir Putin (l) holte die WM in sein Land. Gianni Infantino ist der Präsident der ausrichtenden Fifa.
Keystone

Gastgeber Russland und der Fussball-Weltverband Fifa sind wegen der Akkreditierungspraxis für den Confed Cup, das Vorbereitungsturnier für die WM im nächsten Sommer, heftig in die Kritik geraten. Politiker und Journalistenverbände mahnten, dass es zu keinen Einschränkungen der Pressefreiheit kommen dürfe. Die Fifa und das lokale Organisationskomitee wiesen Zensur-Vorwürfe zurück.

Hintergrund der Debatte sind die Akkreditierungsrichtlinien für den Confed Cup, der vom 17. Juni bis zum 2. Juli in Moskau, Sankt Petersburg, Kasan und Sotschi stattfindet. In Russland sehen die Gesetze grundsätzlich vor, dass ausländische Journalisten für ihre Arbeit eine Akkreditierung des Aussenministeriums benötigen. Während des Confed Cups gibt es ergänzende Bestimmungen. Demnach dürfen Journalisten, die mit einer Akkreditierung der Fifa einreisen, auch ohne die übliche Zustimmung des Aussenministeriums im Land arbeiten - jedoch mit klaren Einschränkungen.

Die seltsamen Vorgaben für Akkreditierungen

Erstens dürfen sie nur über den Confed Cup und «damit verbundene Ereignisse» berichten, zweitens nur in den vier Städten, in denen gespielt wird, sowie «nahegelegenen Sehenswürdigkeiten». Wer darüber hinaus auch über andere Themen und aus anderen Städten berichten möchte, braucht formal wieder die übliche Akkreditierung des Aussenministeriums.

Dass es während des Confed Cups viele Themen abseits der rein sportlichen Ereignisse gibt, ist absehbar. Seit Monaten bestimmen derartige Aspekte die Agenda: Es geht etwa um die Kosten für den Bau der neuen Stadien und der sonstigen notwendigen Infrastruktur, die insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro betragen; um Korruptionsvorwürfe und schlechte Entlohnung der Arbeiter; um Hooliganismus oder den Umgang mit Minderheiten.

Zudem wird es rund um das Turnier wohl auch wieder zu Aktionen der Protestbewegung kommen, die sich gegen die Staatsführung richtet.

Mutko widerspricht vehement

Vor diesem Hintergrund gibt es heftige Angriffe gegen Fifa und Russland, das wegen der Missachtung der Pressefreiheit und des Umgangs mit kritischen Journalisten ohnehin seit Langem in der Kritik steht. Die zurzeit geltenden Bestimmungen seien «Bedingungen einer Diktatur, die Angst davor hat, dass in den Medien kritische Berichte über das politische, wirtschaftliche und soziale Umfeld der Spiele erscheinen könnten», schrieb Frank Überall, Chef des Deutschen Journalisten-Verbandes, an Fifa-Chef Gianni Infantino.

Der Weltverband hingegen schrieb, die Fifa-Akkreditierung sei «ein Arbeitsinstrument», es diene als vereinfachtes Medienvisum für Journalisten.

Russlands Vize-Premier und Fussball-Chef Witalij Mutko sagte: «Journalisten wird beim Confederations Cup nicht verboten, über irgendetwas zu schreiben. Sie können schreiben, worüber sie wollen.»

Bei vergangenen sportlichen Grossveranstaltungen gab es eine derartige Bestimmung nicht, auch nicht bei den Olympischen Spielen von Peking 2008 oder Sotschi 2014. Der Unterschied ist jedoch: Die Spiele sind auf einen kleinen Raum begrenzt, während die Fussball-Turniere in einem viel grösseren Radius stattfinden. Es ist davon auszugehen, dass bei der WM im nächsten Jahr das gleiche Verfahren gilt wie nun beim Confed Cup.

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