YB - Sion: Und alle haben sich wieder lieb

Der FC Sion ringt in einem emotionalen und guten Spiel die Young Boys mit 2:1 nieder.

Reto Ziegler (links), Sions Torschütze zum 1:0, im Kopfballduell gegen YB-Spieler Yoric Ravet: Die Partie im Tourbillon bot vor allem in der ersten Halbzeit sehr attraktiven Fussball.

Reto Ziegler (links), Sions Torschütze zum 1:0, im Kopfballduell gegen YB-Spieler Yoric Ravet: Die Partie im Tourbillon bot vor allem in der ersten Halbzeit sehr attraktiven Fussball.

(Bild: Keystone Jean-Christophe Bott)

Am Schluss war die Walliser Seele glücklich, die Mehrzahl der 9200 Zuschauer bejubelte ausgelassen den 2:1-Sieg des FC Sion. Und die Spieler, ob in gelben oder weissen Leibchen, umarmten sich.

Zuvor aber hatten die Walliser wie in alten Tagen im Tourbillon mit den Emotionen gespielt. Es wurde gefightet, gekratzt, lamentiert, gestikuliert. Dazu kam der Föhn, der durch das Stadion wehte und Blutdruck wie Frisuren in Wallung brachte. Auch fast jeder Foulpfiff wurde mit Gesten und akustisch von Spielern sowie Fans kommentiert.

Und Miralem Sulejmani bekam sein Fett ab: Seine «Schwalbe» beim Spiel vom 13. März im Stade de Suisse haben die Walliser noch nicht vergessen. Er wurde von den Sittener Fans bei jeder Ballberührung ausgepfiffen.

Der österreichische Schiedsrichter Markus Hameter, unbelastet von der fussballerischen Historie zwischen Bernern und Wallisern, versuchte seine Linie durchzuziehen, was ihm indes nicht immer gelang.

Es war ein Spiel mit einigem Konfliktpotenzial. Am Schluss aber hatten sich alle wieder lieb. Das lag wohl auch daran, dass es für YB in diesem Spiel nicht mehr um so viel ging wie für Sion.

Nach den Siegen von Luzern und GC am frühen Nachmittag mussten die Sittener gewinnen, um im Kampf um die Teilnahme für die Qualifikationsspiele der Europa League nicht einen herben Rückschlag zu erleiden.

Niederlage nach 5 Siegen in Serie

Die Young Boys dagegen haben Platz zwei und die Qualifikationsspiele für die Champions League mit nun noch 11 Punkten Vorsprung auf das drittplatzierte GC bei vier ausstehenden Spielen praktisch auf sicher, auch wenn die YB-Verantwortlichen nichts davon wissen wollen.

«Wir brauchen noch Punkte und die wollen wir beim nächsten Spiel holen», sagte Trainer Adi Hütter. Nach fünf Siegen in Folge musste er wieder einmal eine Niederlage kommentieren.

Der Österreicher sprach von einem intensiven Spiel zweier Spitzenmannschaften und bedauerte, dass YB in der zweiten Halbzeit aus vier guten Möglichkeiten kein Tor erzielte. «Am Schluss spielten wir ein bisschen Harakiri. Ich nahm mit Gajic einen Sechser raus und brachte einen Stürmer, ich nahm mit Vilotic einen Innenverteidiger raus und brachte nochmals einen Stürmer.»

Doch es reichte nicht mehr, da auch Ravet seinen Schuss in der Nachspielzeit von einem Sittener Bein abgewehrt sah, nachdem zuvor Vilotic (56.) und Lecjaks (64.), beide Male im Anschluss an einen Corner, zu guten Abschlussmöglichkeiten gekommen waren; auch Hoarau und Suljemani vermochten vor dem russischen Goalietalent Anton Mitryushkin nicht zuzuschlagen.

Und als Gerndt versuchte, den Goalie in der nahen Ecke zu überraschen, reagierte dieser vorzüglich.

YB hätte Grund gehabt, ein bisschen über die eigenen Unzulänglichkeiten zu hadern. Dennoch, auch Sportchef Fredy Bickel wählte nach der Niederlage moderate Worte. «Sion war die glücklichere Mannschaft.

In der zweiten Halbzeit hatte das Heimteam erst wieder eine Torchance, als wir alles auf eine Karte setzten. Aber wir dürfen uns nicht beklagen, wir hatten in den vergangenen Spielen auch Glück.»

Der FC Sion war bereits nach 10 Minuten durch ein Freistosstor von Reto Ziegler in Führung gegangen. Nach einem Foul von Bergens an Carlitos hämmerte Ziegler den Ball durch die löchrige Abwehrmauer der Berner.

Der Ausgleich durch YB sorgte bei den heissen Sion-Fans für wütende Verschwörungstheorien. Assifuah hatte nicht den Ball, sondern die Beine von Lecjaks getroffen. Aber für einige Walliser war der klare Schiedsrichterentscheid unerträglich. Hoarau buchte seinen 15. Treffer im 18. Meisterschaftsspiel dieser Saison.

Praktisch im Gegenzug herrschte im Tourbillon aber wieder Jubel, Trubel, Weissweinseligkeit. Bia lenkte den Ball mit dem Kopf zu Konaté, dieser spielte an der Grundlinie zurück zu Bia und dieser traf zum 2:1. Ein sehenswerter Treffer, bei dem die YB-Abwehr allerdings nicht gut aussah.

Dieses Tor in der 36. Minute bedeutete die Entscheidung. YB hielt nach der Pause wohl gegen Sions Zweikampfhärte dagegen, zeigte aber diesmal Schwächen im Abschluss.

Der Bund

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