YB ist bereits in der Problemzone

In der Abwehr zittrig, im Mittelfeld nicht dominant und im Angriff ohne Durchschlagskraft, so präsentierten sich die Young Boys beim 1:1 gegen Luzern.

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Die YB-Spieler marschierten nach der enttäuschenden Vorstellung gegen den FC Luzern schnurstracks in die Kabine und liessen die wartenden Journalisten in der Mixed Zone stehen. Sie hatten Order, sich zuerst die Worte des Trainers anzuhören. Etwas später kamen einige Spieler wieder zum Vorschein. «Wir besprachen gewisse Dinge und wollten vor allem zuerst etwas herunterfahren», erläuterte Renato Steffen. Es sei nach einem solchen Spiel wichtig, keine unbedachten Äusserungen von sich zu geben.

Nach den vielen Fehlpässen, die sich YB während des Spiels geleistet hatte, sollten verbale Steilpässe für mediale Schlagzeilen unterlassen werden. Das ist keine schlechte Taktik nach diesem mageren und gar glücklichen 1:1 gegen den FC Luzern. Steffen sagte nach dieser Denkpause zur Leistung von YB: «Wir haben zwar versucht, nach vorne zu spielen und es besser zu machen als vor einer Woche gegen den FCZ. Aber gelungen ist uns das nicht. Der Platzverweis hat dann eh alle unsere Vorsätze über den Haufen geworfen.»

Wie seine Teamkollegen ist auch der kleine, wirblige Aargauer in der neuen Saison noch nicht auf Touren gekommen. Zu vieles blieb bei den Young Boys erneut Stückwerk. Von der Dominanz, die YB in der vergangenen Saison zeitweise bei den Heimspielen gezeigt hatte, war gegen den forschen und mutigen FC Luzern nichts zu sehen.

Duo neben Rhythmus

Und YB-Trainer Uli Forte hat ein Problem: Die beiden Neuerwerbungen Loris Benito und Miralem Sulejmani auf der linken Seite, die YB besser machen sollten, sind in ihrer jetzigen Verfassung eher eine Hypothek. Forte hatte sich entschieden, Benito nach seiner auskurierten Fersenverletzung für Lecjaks spielen zu lassen, obwohl der Tscheche gegen den FCZ noch einer der besseren YB-Spieler gewesen war und die Flanke für Hoaraus Ausgleichstreffer geschlagen hatte. Aber Fortes Überlegungen sind nachvollziehbar. «Benito und auch Suljemani können ihren Rhythmus nur finden, wenn sie spielen», argumentierte der Trainer. «Das habe ich auch Lecjaks gesagt, der weiss, dass ich mit seiner Leistung gegen den FCZ zufrieden war.»

Suboptimal ist es für Forte und YB aber, wenn Benito wie Suljemani ihre Nomination nicht mit Leistungen rechtfertigen können. Beide brauchen zurzeit mehr den Support ihrer Teamkollegen, als dass sie YB besser machen.

Benitos Platzverweis nach zwei gelben Karten spricht für seinen missglückten Auftritt. Und ausser einem Freistoss, bei dem FCL-Keeper Zibung den Ball stark abwehrte (65.), zeigte Suljemani in offensiver Hinsicht erneut nichts, wie schon gegen den FCZ. Kommt dazu, dass sich Gerndt schwerer verletzt hat, als zuerst angenommen.

Auch Defensive überzeugt nicht

Das ist die Krux von Forte: YB müsste just jetzt bereit sein, denn es geht in den ersten Spielen um viel. Doch YB macht in dieser Verfassung keinem Gegner Angst. Obwohl der Fokus der Medien und der Fans zurzeit bei den Neuverpflichtungen liegt, gibt es auch andere Schwachpunkte. Die Abwehr ist pannenanfällig, wie das bereits bei den Vorbereitungsspielen zu beobachten war. Dass YB gegen Luzern nur einen Gegentreffer kassierte, lag am FCL, der die besten Möglichkeiten vermasselte. Vilotic, Ende der vergangenen Saison ein Garant der Zuverlässigkeit, leistete sich gegen Luzern Fehler und Fehlpässe, die üblicherweise ins Elend führen.

In der Abwehr etwas zittrig, im Mittelfeld nicht dominant und im Angriff mit zu wenig Durchschlagskraft, so präsentierten sich die Young Boys gegen den FC Luzern. Und man kann auch nicht behaupten, YB sei im Spiel vom Pech verfolgt gewesen. Der Führungstreffer durch einen von der FCL-Mauer (Fandrich) abgelenkten Freistoss von Bertone war glücklich.

Und Glück war auch, dass Schiedsrichter Hänni in der Nachspielzeit ein Foul von Gajic an Jantscher nicht auf der Strafraumlinie sah, sondern den Tatort ausserhalb des Strafraums ortete. Zudem vereitelte Goalie Mvogo, der beim Ausgleichstreffer von Lezcano eher einen hilflosen Eindruck machte, gegen Freuler, Jantscher und Affolter klare Möglichkeiten mit hervorragenden Interventionen.

Gegen Monaco als Aussenseiter

Es ist indes auch nicht angebracht, jetzt bei YB alles in Bausch und Bogen zu verdammen. Die Saison ist noch jung, es spricht nichts dagegen, dass sich die Mannschaft noch erheblich steigern wird.

Forte hofft morgen Dienstag in der Aussenseiterrolle gegen die AS Monaco auf einen unbeschwerten YB-Auftritt. Die Mannschaft spielt gegen die Monegassen um die Millionen in der Cham­pions League. Am Samstag in St. Gallen geht es für die Berner dagegen bereits um den Anschluss an die Tabellenspitze in der Super League – und vor allem um die Ruhe bei YB und im Umfeld. Denn Hyperventilation ist nicht nur eine Störung der Atmung, sie ist auch im Fussball völlig ungesund.

Der Bund

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