YB hat die Unbeschwertheit verloren

Der BSC Young Boys befindet sich in einer Negativspirale: Der Leader aus Bern verliert im Stade de Suisse gegen den FC Luzern.

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Mit Pulverdampf und Gesängen läuteten die YB-Fans in der 75. Spielminute wie gewohnt die sogenannte YB-Viertelstunde ein. Aber wie schon beim vergangenen Heimspiel gegen GC am 28. August, das YB 1:2 verlor, ging der Schuss für die Berner auch am Samstag gegen den FC Luzern nach hinten los.

Erneut wurde es nichts mit dem erhofften Siegestreffer in der verklärten YB-Viertelstunde. Im Gegenteil: Die Young Boys kassierten in den Schlussminuten schon wieder ein Gegentor. Das 0:1 gegen Luzern bedeutet die dritte Niederlage in Serie.

Gegen GC hatten die Berner in der 86. Minute den Brasilianer Caio im Strafraum «vergessen», der völlig unbedrängt den Ball unter die Torlatte zum 1:2 dreschen konnte. Am Samstag leistete sich Aussenverteidiger Marco Bürki auf der linken Seite in der Vorwärtsbewegung den fatalen Ballverlust; er hetzte danach dem schnellen Luzerner Adrian Winter hinterher, stiess ihn mit dem Arm, Winter fiel hin, und Schiedsrichter Amhof pfiff Penalty. Rangelov liess beim fälligen Elfmeter Goalie Wölfli keine Chance, und die Luzerner feierten den ersten Auswärtssieg der Saison.

Forte kaut schwer an Niederlage

YB muss sich dagegen fragen, weshalb zuletzt Spiele, die auf Messers Schneide standen, allesamt verloren gingen. Auch der Auftritt gegen Meister Basel ruft ähnliche Erinnerungen hervor. Damals war YB aus dem Nichts durch Kubo 1:0 in Führung gegangen. Und die Basler kehrten das Spiel in der 73. und der 74. Minute durch Tore von Sio und Streller.

Am Samstag boten beide Teams vor allem Kampf. Das Niveau der Partie entsprach kaum Durchschnitt. Die zahlreichen Fouls sorgten immer wieder für Unterbrüche. Und YB stand auch das Glück nicht bei. Als Sarr nach einer Viertelstunde Frey im Luzerner Strafraum mit beiden Händen an den Schultern packte, pfiff der Schiedsrichter nicht. Vergleicht man diese Aktion mit dem Penaltyfoul von Bürki an Winter, muss man feststellen: Da wurde nicht mit denselben Ellen gemessen. Zudem sah Bürki auch noch die Rote Karte. Der Ärger von YB-Trainer Uli Forte ist nachvollziehbar: «Wir haben uns bei der Penaltyszene nicht gut angestellt, den Elfmeter kann man geben. Aber der Platzverweis ist ein zu harter Entscheid.»

Tatsache bleibt, das YB den Schwung aus dem Saisonauftakt, die spielerische Leichtigkeit und auch die Prise Unbeschwertheit verloren hat. Die Mannschaft müht sich, zeigt Willen, doch sie ist zurzeit nicht mehr in der Lage, mit einem überraschenden Spielzug, mit Inspiration oder einer hervorragenden Einzelaktion Spiele für sich zu entscheiden, wie das in den Partien zu Saisonbeginn noch gelungen war. Gegen den FC Luzern vermochten sich die Berner in 98 Spielminuten vier Möglichkeiten zu erarbeiten. Die grösste vergab Alexander Gerndt, als er den Ball nach einem scharfen Zuspiel von Nuzzolo aus fünf Meter über das Tor setzte.

Anfällig auf den Aussenbahnen

Forte hatte für den verletzten Sutter wie erwartet den 19-jährigen Bertone auf der Position des rechten Aussenverteidigers nominiert. Und auf der linken Seite verteidigte der 20-jährige Marco Bürki. Es ist immer leicht, bei Niederlagen die Ursachen bei den jungen Spielern zu suchen. Es wurde aber deutlich: Die Berner wirkten über die Aussenseiten anfällig, und vor allem vermochten sie wenig Druck nach vorne zu entwickeln. Doch Probleme bei YB lagen auch im Mittelfeld. Afum blieb auf der rechten Seite ohne Wirkung. Moreno Costanzo, mit vier Treffern bester Torschütze der Berner, kam gegen Luzern kein einziges Mal in Abschlussposition, sieht man von einem Freistoss ab. Bei dieser Aktion prallte der Ball gegen die Luzerner Abwehrmauer.

Die Luzerner störten früh und liessen sich nie unter Druck setzen. Der robuste Pulijc gewann alle entscheidenden Zweikämpfe, Wiss, Bozanic und Lustenberger fielen durch Ballsicherheit auf und setzten viele Impulse. Luzerns Trainer Carlos Bernegger lobte denn auch die solidarische Leistung seiner Spieler. Forte aber hatte an der Niederlage zu kauen. «Beim Saisonauftakt lief bei uns alles wie geschmiert, wie durch Butter. Jetzt essen wir sehr hartes Brot.»

Und gar nichts sagte YB-Sportchef Fredy Bickel, der auf der Trainerbank mitgelitten hatte. Nach dem Schlusspfiff verschwand er in den Katakomben. Seine Klage gegen einen Spielervermittler wegen angeblicher Erpressung wollte er auch am Samstag nicht kommentieren. Und Forte stellte in Abrede, dass die Turbulenzen um Bickel einen Einfluss auf sein Team hatten. «Das ist bei der Mannschaft kein Thema.» Ob das tatsächlich so ist, wird die Zukunft zeigen.

Der Bund

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