YB: Glück, Frust, Tragik und Zirkus

YB gewinnt in einem turbulenten Spiel 3:2 gegen Sion. Sions Präsident Constantin will Strafanzeige gegen den Schiedsrichter einreichen.

Nicht aufzuhalten: YB-Verteidiger Florent Hadergjonaj schüttelt den Sittener Leo Itaperuna ab.

Nicht aufzuhalten: YB-Verteidiger Florent Hadergjonaj schüttelt den Sittener Leo Itaperuna ab.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Eine Woche nach dem fulminanten 5:2-Sieg der Young Boys gegen Luzern ging es im Stade de Suisse erneut drunter und drüber. YB gelang es dank zweier Elfmeter zweimal, einen Rückstand aufzuholen. Wo soll man anfangen bei diesem aufwühlenden 3:2 der Young Boys gegen den FC Sion?

• Beginnen wir bei Alexaner Gerndt: Der Schwede hämmerte in der 90. Minute nach einer weiten Flanke von Fldorent Hadergjonaj den Ball mit dem linken Fuss in die hohe Torecke. Ein Traumtor zum 3:2-Sieg. In dieser Rückrunde war Gerndt schon dreimal als Einwechselspieler entscheidend.

In Vaduz erzielte er in der Nachspielzeit das Tor zum 1:1. Auf dem Letzigrund, beim 1:0 gegen den FCZ, war er beim Siegestor durch Hoarau massgeblich beteiligt gewesen. Und am Sonntag war Gerndt, der in der 65. Minute für Kubo eingewechselt wurde, wieder der Glücksgriff von YB-Trainer Adi Hütter.

• Guillaume Hoarau: In den letzten beiden Heimspielen erzielte der Franzose 5 Tore. Drei gegen Luzern, zwei am Sonntag gegen Sion, beide auf Penalty. Ersatzgoalie Kevin Fickentscher, der nach der Roten Karte für Vanins aufs Feld kam, war bei seiner ersten Aktion gleich mit dem Elfmeter konfrontiert.

Er reagierte gut, bekam die Hände an den Ball, der dennoch ins Tor kullerte. Hoarau sagte dazu: «Ich hatte Glück, der Torhüter ahnte die Ecke. Beim nächsten Elfmeter muss ich mir etwas einfallen lassen.» Zum Spiel sagte der YB-Topskorer: «Wir haben nicht gut gespielt, Sion gab uns viele Probleme auf. In der ersten Halbzeit vergab ich eine grosse Torchance, bei dieser Szene hätte ich den Ball reinmachen müssen.»

Und zu seinen 7 Toren in den letzten vier Spielen meinte er: «Ich habe eine gute Phase, die Bälle gehen rein, auch wenn es heute zwei Elfmeter waren. Als Stürmer muss man von einem solchen Lauf profitieren und sich nicht zu viele Gedanken machen.»

• Die fatalen Fehlentscheide innert Sekunden: Sulejmani startete in der 70. Minute die Aktion beim Stande von 2:1 für Sion aus Abseitsposition, lief auf das Tor der Walliser zu und ging gegen Torhüter Andris Vanins zu Boden.

Dabei wurde er vom Letten nicht berührt, wie die TV-Bilder zeigen. Dennoch zeigte der Schiedsrichter auf den Penaltypunkt. Für Sion war dies verheerend: Elfmeter und Platzverweis für Vanins. Stürmer Gekas wurde von Sions Trainer Didier Tholot vom Platz geholt.

• Christian Constantin: Der Präsident des FC Sion verliess bei dieser Szene aufgebracht seinen Tribünenplatz, ging an den Spielfeldrand und beschwerte sich gestenreich beim 4. Offiziellen Zenel Musa.

Nach Spielschluss erklärte «CC» vor dem Kabineneingang: «Es ist genug. Solche Fehlentscheide lassen wir uns nicht mehr bieten. Das ist Betrug. Eine Klage beim Verband oder der Liga bringt nichts. Deshalb will ich jetzt sehen, was eine Strafanzeige ausserhalb der Verbandsgremien bewirken wird. Ich will ein Urteil eines Zivilgerichtes. Ich werde gegen Schiedsrichter Amhof eine Strafanklage wegen Betruges erheben.»

Auf die Einwände der verdutzten Journalisten, das sei doch aussichtslos, gegen einen Tatsachenentscheid eines Schiedsrichters Klage zu erheben, erklärte Constantin trotzig: «Das werden wir sehen.» Der Zirkus Constantin hat also wieder einmal seine Zelte in Bern aufgeschlagen.

Sein Trainer Didier Tholot erschien wohl zur offiziellen Pressekonferenz, liess aber keine Fragen zu und erklärte: «Das ist nicht gegen meinen Berufskollegen Adi Hütter gerichtet. Ich bin aber als Bestohlener nicht gewillt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.» Danach verliess er das Podium.

• Der Abgang von Pa Modou auf der Bahre: Sion ist seit 20 Jahren in der Meisterschaft ohne Sieg in Bern. Das gestrige 3:2 sorgte beim YB-Anhang für Emotionen, aber nach dem Schlusspfiff herrschte auch Konsternation und Bangen.

Fünf Minuten hatte der Schiedsrichter nachspielen lassen. Bei der letzten Aktion der Partie prallten Florent Hadergjonaj und Pa Modou beim Luftduell mit den Köpfen zusammen. Schiedsrichter Amhof winkte sofort die Teamärzte und Pfleger herbei, bevor er die Partie abpfiff. Beide Spieler wurden umgehend versorgt.

Nach einigen Minuten erhob sich Hadergjonaj, den Kopf mit einem riesigen Verband umwickelt, vom Plastikrasen. Pa Modou indes wurde mit der Bahre in das Krankenzimmer im Stadion getragen, dort weiterbehandelt und später mit der Bahre in den Ambulanzwagen gebracht. Ein genauer Befund stand am Sonntag Abend noch aus.

• Die Reaktion von Adi Hütter: Er freue sich über den Sieg, den vierten in Serie, meinte der YB-Trainer später. Und insbesondere freue er sich für Alexander Gerndt, dem ein wunderbares Tor geglückt sei.

Hütter aber sagte auch. «Der Penalty zum 2:2 war die Schlüsselszene. Sulejmani befand sich im Abseits und auch der Penaltyentscheid ist sehr glücklich für uns.» Der Sieg sei indes verdient, so die Ansicht von Hütter. Er sei aber auch betrübt, «denn ein Spieler hat das Stadion auf der Bahre verlassen müssen. Ich wünsche Pa Modou alles Gute.»

Es war fürwahr ein aufwühlender, denkwürdiger Nachmittag im Stadion.

Der Bund

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