Bei YB muss man auf alles gefasst sein

Die Young Boys beginnen gegen GC fulminant und müssen am Schluss dennoch um das 1:1 froh sein.

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Es fehlte wenig, und die YB-Fans wären in dieser feuchtkalten Februarnacht wieder einmal von der grossen Melancholie eingeholt worden. Ausgerechnet der einstige YB-Junior Haris Tabakovic, der erst seit dem 13. Januar für die ­Grasshoppers spielt, umkurvte in der Nachspielzeit seinen Kumpel Yvon Mvogo im YB-Tor. Der Ball prallte vor die Füsse von Munas Dabbur, doch an der Seitenlinie winkte Schiedsrichter-Assistent Stéphane de Almeida aufgeregt mit der Fahne; Schiedsrichter Adrien Jaccottet pfiff und YB entkam dem 1:2. Wie die TV-Aufnahmen zeigten, riss der Assistent zu Unrecht die Flagge hoch, Dabbur stand bei dieser Aktion nicht in der verbotenen Zone.

Es war nicht die einzige Fehlentscheidung des Schiedsrichter-Trios an diesem Abend. So wurde in der ersten Halbzeit ein Tor von Guillaume Hoarau fälschlicherweise wegen Abseits nicht anerkannt. Dennoch sah Adi Hütter nach dem 1:1 keinen Anlass, die Vorstellung seiner Mannschaft schönzureden: «GC war für mich in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft», sagte der YB-Trainer. Hütter kritisierte die vielen weit ­geschlagenen Bälle seiner Spieler während der zweiten Halbzeit. Immer wieder wurde vorne der 1,92-Meter-Mann Hoarau gesucht, der auch die meisten Kopfballduelle gewann. Doch die Berner blieben mit dieser Spielweise kaum über mehr als zwei, drei Stationen im Ballbesitz und verloren so die Linie und die Kontrolle über das Spiel.

Dabei hatte YB das Duell der beiden Traditionsclubs vielversprechend begonnen. Die Young Boys attackierten wild und früh. Während der ersten zwanzig Minuten erwischten die Berner mit ihrer Balleroberung die ­Zürcher immer wieder in ungeordneter Aufstellung und erspielten sich viele Chancen. GC-Goalie Mall lenkte den Ball nach einem Schuss von Hoarau in der 10. Minute an den Pfosten, und als der erst 17-jährige Debütant Jan Bamert in der Innenverteidigung einen Rundschlag produzierte, rettete der Sohn des ehemaligen Handball-Internationalen Uwe Mall vor Suljemani mit breiter Brust. In der 27. Minute allerdings liess sich Mall von einem Kopfball von Hoarau düpieren, der Franzose hatte sich nach einer Flanke von Benito gegen Antonov im Luftduell wuchtig durchgesetzt.

Das Zirkustor von Kamberi

Wie die jungen Grasshoppers auf diesen Rückstand unter der Regie des «alten Schweden» Kim Källström reagierten, war beeindruckend. Sie erzielten durch ein «Zirkustor» von Florent Kamberi das 1:1. Der 20-Jährige lenkte mit dem Absatz einen Eckball des 33-jährigen Källström am näheren Pfosten ins Tor.

Und mit dem Ausgleich wurden die Grasshoppers immer besser. Der frisch gekrönte Trainer des Jahres, Pierluigi Tami, hatte hinterher allen Grund, sein Team zu loben. «Ich bin stolz und froh darüber, wie die Mannschaft auf den Rückstand reagiert hat», sagte der Tessiner. «Während der ersten 20 Minuten hatten wir enorme Mühe mit dem Pressing des Gegners. Danach stellten wir uns viel besser ein, und in den letzten 20 Minuten hat meine Mannschaft alles versucht, den Siegestreffer zu erzielen.»

In dieser Phase zeigte Mvogo drei ­herausragende Interventionen, und einmal rettete der eingewechselte Scott ­Sutter in höchste Not. Nicht nur Mvogo, auch sein gegenüber Mall zählten zu den herausragenden Protagonisten dieser Partie, die einiges an Unterhaltung bot. Tami sprach von «Spektakel pur», und damit übertrieb der GC-Trainer nicht – oder vielleicht nur ein klein bisschen.

Vom Traum- zum Hauruckfussball

Aus Berner Sicht reift die Erkenntnis, dass YB eine Mannschaft bleibt, bei der man auf alles gefasst sein muss. Gegen GC boten die Young Boys das gesamte Spektrum: Zuerst schnelle, berauschende Angriffsaktionen und effizientes Pressing, danach wenig inspirierenden Hauruckfussball mit vielen weiten Pässen und am Schluss gar Nervosität und Bangen. So spielte YB wieder einmal 1:1, zum achten Mal schon in der ­laufenden Saison.

Dennoch sollte man sich hüten, voreilige Schlüsse zu ziehen. YB ist in dieser Rückrunde einiges zuzutrauen, in jeglicher Hinsicht. Das Spiel gegen GC ist der Beweis für diese These.

Noch ein Wort zu Neuzugang Yoric Ravet: Er begann als Rechtsfuss das Spiel auf der linken Seite, tauschte nach der Pause die Position mit Suljemani, um nach eine Stunde wieder auf der linken Seite zu stürmen. Ravet zeigte ein gutes Debüt mit YB und hatte deutlich mehr ­Wirkung und Einfluss auf das Spiel der Berner als der zeitweise fahrig und genervt wirkende Suljemani auf der anderen Seite. «In der Schlussphase waren wir irgendwie verkrampft, deshalb kam GC zu diesen Torchancen», meinte der Franzose. «Seltsam, wie stark wir abbauten, nachdem wir gut begonnen hatten. Aber wir müssen den Kopf hoch halten, abgerechnet wird Ende Saison.»

Der Bund

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