«Wir spielen nicht ‹Hurra, die Gams›»

Der heutige Gegner FC Basel liefert dem neuen YB-Trainer Adi Hütter eine erste Standortbestimmung.

Vor der grossen Bewährungsprobe: Kann Adi Hütter auch heute gegen Basel beide Fäuste ballen?

Vor der grossen Bewährungsprobe: Kann Adi Hütter auch heute gegen Basel beide Fäuste ballen?

(Bild: Keystone)

Der Auftakt ist Adi Hüter mit YB schon mal geglückt: Die zwei Siege, 4:0 gegen den Tabellenletzten Vaduz und 2:0 beim heimstarken Challenge-League-Vertreter Chiasso im Cup, haben die Wogen nach der Entlassung von Trainer Uli Forte vorerst geglättet.

Doch so richtig im Klaren über die Wirkung des Trainerwechsels ist man sich nicht. Die erste ­Standortbestimmung für den neuen YB-Trainer wartet heute Abend beim Heimspiel gegen den ungeschlagenen Meister. Die Basler sind nach acht Meisterschaftsspielen den Young Boys bereits wieder um sagenhafte 12 Punkte enteilt.

Viele Hände geschüttelt

Mit einem Sieg gegen den Serienmeister würde Hütter bei YB für ein erstes Ausrufezeichen sorgen. Nach zwei Wochen Arbeit in Bern befindet er sich logischerweise immer noch in der Phase der Findung. Er sagt zum Beispiel. «In Österreich sind sich viele nicht bewusst, dass YB ein so grosser und wichtiger Verein ist. Auch ich habe das erst realisiert, als ich bei meiner Ankunft die vielen Hände im Stade de Suisse geschüttelt habe.»

Fünf Trainer hat YB in den vergangenen sechs Jahren zerschlissen. Jetzt ist Adi Hütter da, und wie jeder neue Coach hat auch der Österreicher seine spezifischen Fussball-Ideen. Er will eine Mannschaft, die den Gegner früh in dessen Platzhälfte stört, «die vorne voll drauf geht», wie Hütter sagt. Er will eine Mannschaft, die nach dem Ballbesitz ­sofort umschaltet und den Gegner attackiert, «wenn dieser noch gelöst ist», führt der 45-Jährige aus.

Es ist die Spielweise, die Red Bull Salzburg zu seiner Philosophie gemacht hat, die Hütter aber zuvor auch beim SV Grödig spielen liess. «Früher», sagt Hütter, «war mir wichtig, dass meine Mannschaft Ballbesitz hatte, klare Strukturen im Spiel und grosse Dominanz.» Mit dieser Spielart sei er mit Grödig in die höchste Spielklasse aufgestiegen.

«In Österreich sind sich viele nicht bewusst, dass YB so gross ist. Auch ich realisierte das erst bei meiner Ankunft.»Adi Hütter

Nach der Promotion aber habe er «­alles über den Haufen geworfen. Ich wollte nicht der typische Aufsteiger sein, der sich hinten hineinstellt, auf Konter lauert und dazu versucht, mit Standardsituationen zum Erfolg zu kommen.» Auch mit Grödig spielte er darum als Aufsteiger «voll drauf» und wurde Dritter.

Gleiches schwebt Hütter nun mit den Young Boys vor. Er ist sich bewusst, dass dies für die YB-Spieler eine grosse Umstellung bedeutet. Und er wird Geduld brauchen, ehe sich seine Philosophie bis in die letzten Fasern jedes Teammitglieds abgesetzt hat. Es wird sich zeigen, ob die YB-Spieler und die verantwortlichen Protagonisten auch bereit sind, diese Philosophie zu stützen, wenn sich die Erfolge nicht sofort einstellen oder es Rückschläge gibt.

Diese Erfahrung macht zurzeit Alexander Zorniger, der neue Trainer des VfB Stuttgart, der ähnliche Ansichten vom Fussball wie Hütter vertritt, der aber mit dem VfB die ersten fünf Spiele trotz zeitweise guten Vorstellungen allesamt verloren hat. Zorniger zählt zur neuen Generation der sogenannten Laptop-Trainern, wie Thomas Tuchel (Dortmund), Roger Schmidt (Leverkusen), Markus Weinzierl (Augsburg) und andere, bei denen die Taktik, die gesammelten Daten über die Spieler auf dem Feld und neben dem Platz sowie die Videoanalysen höchste Priorität haben. Dass man Hütter auch dieses Klischee anhängen will, ist zumindest fragwürdig. Aber im Fussball bedient man sich schnell mit vorgestanzten Wiedergaben. Hütter und Zorniger kennen sich, und der YB-Trainer macht sich aus der Ferne Gedanken: «Wenn sich der Erfolg nicht wie gewünscht einstellt, muss man vielleicht einen Schritt zurückgehen, um danach zwei Schritte vorwärts machen zu können.»

Ansätze, die ihn bestärken

Die spannende Frage ist, ob Hütter die Young Boys heute gegen den selbstsicheren FC Basel ebenfalls früh und frontal attackieren lässt. «Wir werden sicher nicht gegen jeden Gegner voll auf ‹Hurra, die Gams spielen›», schränkt Hütter ein. «Basel hat auswärts gegen die Fiorentina gewonnen und ist in der Meisterschaft mit acht Siegen in Serie gestartet, das sagt mehr aus als tausend Worte.»

Aber klar ist, bei den Young Boys steht wieder ein Umbruch an – wie so oft in den vergangenen Jahren. Und nach der Partie gegen Basel wird der YB-Trainer ein bisschen mehr darüber wissen, ob er die Spieler in seiner Mannschaft hat, die vom Kopf her bis zu den Beinen in der Lage sind, die Vorstellungen ihres Trainers auf dem Spielfeld?umzusetzen.

Hütter ist guten Mutes. Vor allem im ersten Spiel gegen Vaduz habe er Ansätze gesehen, die ihn darin bestärken, dass sich seine Ideen vom Fussball auch in Bern erfolgreich umsetzen lassen.

Der Bund

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