«Wir sind leidensfähiger geworden»

Für YB-Captain Christoph Spycher hat die Erfolgsserie seines Teams viel mit einer neuen Tugend zu tun.

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Eigentlich hätten die YB-Spieler Grund gehabt, den vierten Sieg in Serie ausgelassen zu feiern. Doch die Freude in den Kabinengängen fiel nach dem 3:1-Erfolg erstaunlich verhalten aus. Die Reaktionen liessen zwar eine gewisse Genugtuung erkennen, es fehlte aber auch nicht an Kritik am eigenen Auftritt. «Wir hatten uns die Startphase ganz anders vorgestellt», sagte beispielsweise Christoph Spycher, «wir wollten das Spiel diktieren, doch das gelang uns anfänglich überhaupt nicht.» Das 1:0 habe der Mannschaft dann geholfen, «ins Spiel zu finden», das 2:0 sei bei dieser Hitze «sehr wichtig» gewesen. Entscheidender war für den YB-Captain jedoch das Verhalten nach dem 1:2-Anschlusstor von Alain Nef. «In dieser Phase haben wir bewiesen, dass wir leidensfähiger geworden sind.» Sie hätten zwar unter der Hitze gelitten, weil sie erstmals in dieser Saison um 13.45 Uhr antreten mussten, «doch wir haben als Team dagegen gehalten», wie Spycher nach dem vierten Saisonerfolg erfreut festhielt.

Michael Frey übte sogar Selbstkritik. «Ich war heute nicht so spritzig wie sonst», gab der junge YB-Offensivspieler zu. Deshalb war er froh, dass ihm immerhin das wichtige zweite Tor gelungen sei. Weil das Pressing diesmal nicht wie gewünscht funktionierte, sei letztlich die bessere Effizienz ausschlaggebend gewesen, wie er betonte. Das 1:0 von Gerndt, dem Frey das Prädikat «Weltklasse» verlieh, habe für YB vieles einfacher gemacht. Der Schwede hatte vor der Pause in der Tat seine bisher beste Darbietung im Dress der Berner abgeliefert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Gerndt in dieser Woche ein Aufgebot für das Testspiel des schwedischen Nationalteams gegen Norwegen erhält.

In einer anderen Rolle befand sich nach der Partie Alain Nef. Im Gegensatz zu den YB-Spielern, die sich trotz des Sieges in Bescheidenheit übten, suchte der Verteidiger, der letzte Saison noch für die Berner spielte, nach Erklärungen für die vielen Gegentore, die sein neuer Klub in den ersten Runden bereits zulassen musste. «Wir werden im Moment für jeden individuellen Fehler sofort bestraft. Und schon nach dem ersten Gegentor ist die Verunsicherung in der Mannschaft da.»

Bei YB ist dieses vor nicht allzu langer Zeit noch sehr akute Problem plötzlich verschwunden. «Ein guter Start gibt Selbstvertrauen. Und so gewinnt man auch Spiele wie heute, in denen nicht alles nach Wunsch läuft», sagte Moreno Costanzo. Noch schneller brachte es Michael Frey auf den Nenner: «Ist der Kopf gut, sind auch die Beine gut.»

Wie einfach Fussball doch ist, wenn die Resultate stimmen.

Zwei Torschützen: Gerndt und Nef.

Drittes Tor für YB: Joker Yuya Kubo.

Robuster als der Gegner: YB-Captain Christoph Spycher behauptet sich gegen FCZ-Stürmer Amine Chermiti. Fotos: Freshfocus (1), Keystone (2)

Der Bund

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