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«Will uns die Swiss Football League loswerden?»

Dem FC Wohlen droht der Zwangsabstieg, weil die Stadioninfrastruktur nicht genügt. Dem Club sind die Hände gebunden.

Dunkle Wolken über dem Stadion Niedermatten: Die Wohler Heimstätte taugt nicht mehr für die Challenge League.
Dunkle Wolken über dem Stadion Niedermatten: Die Wohler Heimstätte taugt nicht mehr für die Challenge League.
Keystone

Der FC Wohlen reichert seine Facebook-Posts gerne mit Smileys an. Während der ganzen Saison waren da immer wieder lachende Smileys zu finden. Gestern Dienstag aber verwendeten die Freiämter ein neues: ein bös dreinblickendes Smiley. «Stinksauer», steht daneben.

«Will uns die Swiss Football League auf diesem Weg loswerden?», fragt der Club in einem weiteren Post. Im Freiamt herrscht Konsternation. Was war passiert?

Der Challenge-League-Club erhielt am Dienstag ein Schreiben der Swiss Football League mit dem Betreff «Ihr Lizenzgesuch für die Saison 17/18». Darin macht die Liga die Freiämter darauf aufmerksam, dass ihr Stadion die infrastrukturellen Auflagen nicht erfülle. Ein Novum ist das nicht, zumal es in Wohlen einige bekannte Baustellen gibt.

Zum einen ist da der Rasen, mit dessen katastrophalem Zustand kaum ein anderer Fussballplatz einer Schweizer Profimannschaft mithalten kann. Zum anderen die Beleuchtungsanlage, die nicht dem geforderten Standard entspricht. Und da sind die Schalensitze auf der Tribüne, die in einem Evakuierungsfall zum gefährlichen Hindernis werden können.

Das 24-Stunden-Ultimatum

Die Liga will nun in der nächsten Saison keine Challenge-League-Spiele im Stadion Niedermatten zulassen. Deshalb fordert sie im Schreiben den FC Wohlen auf, ein Ausweichstadion zu präsentieren, will er die Lizenz für die kommende Saison erhalten. Zeit für die Umsetzung: 24 Stunden, also bis heute.

«Zeitlich und sachlich ein Ding der Unmöglichkeit», lässt der Verein verlauten. Auch, weil die Aargauer in diesen 24 Stunden zusätzlich das Sicherheitskonzept und den Budgetplan überarbeiten müssten. «Zudem wäre eine Saison in einem Ausweichstadion für uns nicht finanzierbar», sagt Präsident Lucien Tschachtli.

Dass die Infrastruktur ein Problem ist, wusste man in Wohlen schon seit längerer Zeit. Die Schalensitze hätten beispielsweise schon seit dem 23. Juli 2016 durch Klappsitze ersetzt werden sollen. Der Verein hatte den Einbau dieser Klappsitze zwar im Budget 2017 vorgesehen, dieser wurde vom Einwohnerrat jedoch wieder gestrichen.

In diesem Beispiel offenbart sich das grösste Problem der Aargauer: Das Stadion gehört der Gemeinde. Und: Dem Verein fehlt die Gunst. Erst vor kurzem lehnte das Volk einen neuen Kunstrasen ab. Mit den Kosten von rund einer Million Franken scheint die Erneuerung der Beleuchtungsanlage noch utopischer. Würde der FC Wohlen also etwas an der Stadioninfrastruktur verbessern wollen, müsste er es selber bezahlen. Dafür fehlt ihm aber das Geld.

Hoffen auf die Ausnahmebewilligung

Ein Ausweichstadion werden die Aargauer bis heute aber nicht präsentieren. «Für uns ist klar, dass der FC Wohlen die Heimspiele in der nächsten Saison im Stadion Niedermatten austragen wird. In welcher Liga auch immer», sagte Ehrenpräsident René Meier der «Aargauer Zeitung».

In Wohlen sagt man gerne, dass auch in Aarau einige Auflagen seit Jahren nicht erfüllt werden, der Verein aber dennoch immer wieder eine Ausnahmebewilligung erhält. Entscheidender Unterschied: In der Kantonshauptstadt gibt es ein laufendes Stadionprojekt. In Wohlen nicht.

Es ist zu erwarten, dass sowohl der FC Wohlen als auch die Liga zunächst auf ihren Standpunkten beharren. Das würde bedeuten, dass der Aargauer Club am 1. Mai die Lizenz in erster Instanz nicht erhalten würde. Weil dem Club aus finanziellen und politischen Gründen die Hände gebunden sind, ist er, wenn er dann rekurrieren würde, letztlich vom Goodwill der Liga abhängig.

Die Swiss Football League steht jedenfalls vor komplizierten Wochen: Entweder hält sie an ihren Forderungen fest, «was das Ende des Profifussballs im Freiamt bedeuten würde», so Präsident Tschachtli. Oder sie gibt im letzten Moment in Form einer Ausnahmebewilligung nach.

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