Das absurde Fifa-Ranking

Nicht erst seit der Auslosung der Qualifikationsgruppen zur WM 2018 in Russland wird das System der Fifa-Weltrangliste heftig kritisiert – zu Recht.

Der ehemalige deutsche Nationalspieler Oliver Bierhoff durfte Wales aus Topf 1 ziehen.

Der ehemalige deutsche Nationalspieler Oliver Bierhoff durfte Wales aus Topf 1 ziehen. Bild: Keystone

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Nach der Auslosung am Samstagabend dürften nicht wenige die WM-Qualifikationsgruppen D und E verwundert betrachtet haben. Welches Team unter Wales, Österreich, Serbien, Irland, Moldau und Georgien (Gruppe D) respektive Rumänien, Dänemark, Polen, Montenegro, Armenien und Kasachstan (Gruppe E) ist jetzt genau das topgesetzte? Und vor allem, weshalb?

Die Auflösung

Weil Wales (8.) und Rumänien (10.) in der massgeblichen Fifa-Weltrangliste beinahe schon unglaublich weit vorne klassiert sind, wurden sie aus dem Topf 1 der Topteams gezogen. Dahinter erst folgen Fussball-Schwergewichte wie Spanien (12.), Italien (17.) oder Frankreich (22.). Nach den beiden Vizemeistertiteln an der Weltmeisterschaft 2014 und erst kürzlich an der Copa América steht Argentinien übrigens zumindest in diesem Ranking auf dem 1. Platz, gefolgt von Weltmeister Deutschland – und Belgien.

Es bedarf einiges an Erklärung, um diese Rangierungen zu verstehen. Die Fifa liefert sie hier in ausführlicher Form. Kurz: Für jedes Länderspiel werden Punkte vergeben, und zwar nach vier Kriterien: dem Ergebnis, der Bedeutung der Partie (Qualifikationspartien werden stärker gewichtet als Testspiele, eine Endrunde ist «wertvoller» als die Qualifikation) sowie der Stärke des Gegners (massgeblich ist die Platzierung in der Weltrangliste) und der Konföderation. Die Gesamtpunktzahl wird über den Schnitt der einzelnen Partien über die letzten vier Jahre berechnet, wobei das laufende Jahr dabei stärker gewichtet wird als die drei vergangenen Jahre.

Die Fehler

Durch diese Berechnung werden insbesondere Gastgeber von anstehenden Turnieren, wie Frankreich bei der Europameisterschaft 2016, stark benachteiligt, weil sie bis dahin keine Qualifikationsturniere bestreiten können. Zumindest eine Erklärung für die schwache Platzierung des WM-Viertelfinalisten von 2014. Hinzu kommt paradoxerweise, dass Teams, die sich für eine Endrunde qualifizieren, bei schlechten Resultaten am Turnier ihren Punkteschnitt drastisch senken und so gegenüber den daheimgebliebenen Mannschaften benachteiligt werden. Man kann einen Gegner in der Barrage zur Weltmeisterschaft also besiegen, bei drei Niederlagen in der Gruppenphase dann dennoch in der Weltrangliste hinter das besiegte Land rutschen.

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Wohl auch deshalb stehen mit Wales und Rumänien gleich zwei Teams in den Top Ten, die in diesem Jahrtausend an keinem grossen Turnier mitspielen durften (Rumänien letztmals 1998, Wales gar 1958). Wobei sich das kommendes Jahr ändern könnte, schliesslich dürfen bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich ja nahezu alle mitspielen – erstmals qualifizieren sich 24 von total 54 Uefa-Ländern.

Mögliche Lösungen

Beim derzeit in Mode gekommenen Fifa-Bashing darf man aber auch nicht vergessen, dass eine «faire» Weltrangliste nahezu unmöglich ist. Jedes System dürfte auf irgendwelche Art und Weise Schwächen haben, dennoch ist die aktuelle Berechnung sicherlich ausbaufähig. Beispielsweise müsste es machbar sein, EM- oder WM-Endrundenpartien so zu gewichten, dass im Vergleich zu nicht qualifizierten Mannschaften kein «Verlust» entsteht. Auch Testländerspiele eines Turniergastgebers, die in der Zeit von Qualifikationspartien absolviert werden, könnten als solche gewertet werden – schliesslich spielen sie inoffiziell in einer Gruppe mit (Frankreich aktuell in Gruppe I).

Es ist aber nicht davon auszugehen, dass die Fifa ihren Berechnungsschlüssel in naher Zukunft ändern wird. Schliesslich haben für den Weltverband und seinen abtretenden Präsidenten Sepp Blatter Reformen abseits des Fussballplatzes absolute Priorität. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.07.2015, 10:09 Uhr

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