Wieder Erster hinter Basel

Eine solide Leistung genügt YB, um gegen GC einen weiteren Sieg zu landen. Als Lohn für die starke Rückrunde gibts im Sommer Champions League-Qualifikationsspiele.

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Ruedi Kunz

Wenn es läuft, dann fliegen auch die unmöglichsten Bälle ins Tor. So geschehen am frühen Samstagabend, als YB im einmal mehr erschreckend leeren Letzigrundstadion gegen GC anzutreten hatte. Kurz vor der Pause war es, als Yoric Ravet eine Kopfballverlängerung seines Landsmannes Guillaume Hoarau mit einem akrobatischen Schlenzer ins Netz beförderte. Wie genau er den Ball getroffen hatte, konnte er nach Arbeitsende nicht schlüssig erklären. Manchmal müsse man «einfach mal draufhauen», meinte er lapidar.

Dass ausgerechnet Ravet traf, passte zu einem Drehbuch, welches ganz bestimmt kein GC-Fan geschrieben hatte. Ein solcher wäre nämlich nie auf die Idee gekommen, jenen Spieler zum ersten Torschützen zu erküren, der bis zur Weihnachtspause noch bei den Stadtzürchern gewirbelt hatte (8 Tore/7 Assists). Und er hätte es nicht zugelassen, dass der reichlich indisponierte Philippe Senderos beim nächsten gefährlichen YB-Angriff einen unverzeihlichen Fehler beging. Der Nationalspieler wischte eine flache Hereingabe von Gerndt vor die Füsse von Bertone, der das Geschenk dankend annahm. So führten die Gäste nach einer Halbzeit, in der sie wenig Rühmenswertes geboten hatten, mit zwei Toren. Diese genügten zu einem Arbeitssieg, auch weil es dem spielerisch eher besseren GC nach dem Anschlusstor in der 54. Minute an Entschlossenheit und Durchschlagskraft fehlte vor dem Berner Tor. Insgesamt war es eine solide Leistung, welche dem Tabellenzweiten den 10. Sieg in den letzten 11 Partien eintrug – eine eindrückliche Serie, die den Young Boys schon etliche Jahre nicht mehr geglückt ist. Aus ihrer Optik ärgerlich ist, dass der FC Basel mit der gleich hohen Kadenz unterwegs ist. Und da er sich in der Vorrunde ein beträchtliches Polster geschaffen hatte, war die Rückrunde spannungsarm wie schon lange nicht mehr. Am Samstagabend wars dann so weit, durfte sich der Ligakrösus nach einem 2:0-Sieg über Sion zum siebten Mal in Folge Schweizer Meister nennen.

Mit Karacho an GC vorbei

Fakten schaffen kann demnächst auch YB. Holen die Berner am nächsten Wochenende in Sion das Punktemaximum, so kann ihnen GC den zweiten Schlussrang nicht mehr streitig machen. Nach der Winterpause haben sie 19 Punkte mehr geholt als die arg schwächelnden Stadtzürcher, was sich nunmehr in einem satten Vorsprung von 14 Punkten manifestiert. Im Sommer kann sich YB also wieder in der Champions-League-Qualifikation probieren, was seit längerem das erklärte Ziel des zweitpotentesten Schweizer Clubs ist. Dannzumal wird der Druck wieder ein ganz anderer sein als jetzt, wo die Equipe wegen der klaren Verhältnisse in der Tabelle relativ unbeschwert ihren Job erledigen kann.

Hütters Einfluss

Was unbestritten ist: 1. YB hat nicht nur viel Qualität in der Offensive (Hoarau, Gerndt, Ravet, Sulejmani), sondern in der gesamten Breite des Kaders. «Wir haben die Klasse, um immer ein Tor zu erzielen», weiss Trainer Adi Hütter. 2. YB tritt 2016 selbstsicherer und abgeklärter auf als noch in der Vorrunde. «Wir sind mental stärker geworden», ist Captain Steve von Bergen überzeugt. «Wir gewinnen auch, wenn nicht alles rund läuft.» 3. YB hat im letzten Spätsommer mit Hütter einen Coach geholt, der präzise Vorstellungen punkto Spielphilosophie, Arbeitsethos und Mentalität hat. Der Österreicher duldet keine halben Sachen, behandelt alle Spieler gleich und hält sie dauernd auf Trab. «Die erhöhte Intensität im Training zahlt sich aus», sagt von Bergen.

Angst, dass YB nachlässt, sobald das Saisonziel erreicht ist, hat der Abwehrchef nicht. «Wir wollen die 66 Punkte von letzter Saison unbedingt übertreffen.» Rechnerisch liegt noch ein Total von 75 Punkten drin. Es wäre der zweithöchste Wert nach der Saison 2009/10, als YB in der Finalissima am FCB scheiterte.

Der Bund

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