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Wie ein verkaterter Festival-Sonntag

Den gefeierten Meistern der Young Boys gelingt es im Cupfinal nicht mehr, genügend Spannung aufzubauen – der leidenschaftliche FC Zürich setzt sich verdient 2:1 durch

Fabian Ruch
Es sollte nicht sein: Die Enttäuschung steht  Marco Wölfli und Steve von Bergen ins Gesicht geschriebe
Es sollte nicht sein: Die Enttäuschung steht Marco Wölfli und Steve von Bergen ins Gesicht geschriebe
Christian Pfander
Niedergeschlagener YB-Torhüter Marco Wölfli.
Niedergeschlagener YB-Torhüter Marco Wölfli.
Raphael Moser
Diesmal jubeln die anderen in der YB-Festhütte: Die Spieler des FC Zürich freuen sich nach dem Sieg im Cupfinal gegen die klar favorisierten Young Boys.
Diesmal jubeln die anderen in der YB-Festhütte: Die Spieler des FC Zürich freuen sich nach dem Sieg im Cupfinal gegen die klar favorisierten Young Boys.
Christian Pfander
Die YB-Mannschaft bedankt sich bei den Fans. Sie haben die grosse Chance aufs Double verpasst.
Die YB-Mannschaft bedankt sich bei den Fans. Sie haben die grosse Chance aufs Double verpasst.
Raphael Moser
Der FCZ feiert, die YB-Spieler am Boden zerstört.
Der FCZ feiert, die YB-Spieler am Boden zerstört.
Raphael Moser
Jean-Pierre Nsame (vorne) liegt geschlagen am Boden.
Jean-Pierre Nsame (vorne) liegt geschlagen am Boden.
Raphael Moser
Auch Kasim Adams Nuhu (Hintergrund) kann es nicht fassen.
Auch Kasim Adams Nuhu (Hintergrund) kann es nicht fassen.
Raphael Moser
Trainer Adi Huetter verabschiedet sich ohen Cupsieg.
Trainer Adi Huetter verabschiedet sich ohen Cupsieg.
Raphael Moser
Guillaume Hoarau blieb im Final blass und konnte wenig Akzente setzen.
Guillaume Hoarau blieb im Final blass und konnte wenig Akzente setzen.
Raphael Moser
Zürcher Jubel in Bern: Der FC Zürich gewinnt den Cupfinal mit 2:1 dank ehrlicher Defensivbüez und den Toren von Michi Frey und Antonio Marchesano.
Zürcher Jubel in Bern: Der FC Zürich gewinnt den Cupfinal mit 2:1 dank ehrlicher Defensivbüez und den Toren von Michi Frey und Antonio Marchesano.
SRF
Der FCZ feiert mit dem Pokal.
Der FCZ feiert mit dem Pokal.
Raphael Moser
Zürcher Jubel die Zweite: Der Cup-Kübel ist zwar in Bern, aber einmal mehr nimmt ihn jemand wieder mit.
Zürcher Jubel die Zweite: Der Cup-Kübel ist zwar in Bern, aber einmal mehr nimmt ihn jemand wieder mit.
SRF
Michael Frey (linsk) war einer der stärksten im FCZ-Dress.
Michael Frey (linsk) war einer der stärksten im FCZ-Dress.
Christian Pfander
Michi Frey – ausgerechnet er – bringt den FCZ mit einem Flachschuss aus knapp 20 Metern in Führung.
Michi Frey – ausgerechnet er – bringt den FCZ mit einem Flachschuss aus knapp 20 Metern in Führung.
SRF
Meme-Alarm nach dem 1:0: Torschütze Michi Frey rennt mit offenem Mund knapp vor YB-Trainer Adi Hütter vorbei.
Meme-Alarm nach dem 1:0: Torschütze Michi Frey rennt mit offenem Mund knapp vor YB-Trainer Adi Hütter vorbei.
SRF
Die FCZ-Bank feiert Freys Treffer.
Die FCZ-Bank feiert Freys Treffer.
Raphael Moser
Dem FCZ gehört die Startphase. Direkt nach dem 1:0, die nächte Grosschance für die Zürcher. Winter taucht in der 12. Minute alleine vor Wölfli auf – und scheitert.
Dem FCZ gehört die Startphase. Direkt nach dem 1:0, die nächte Grosschance für die Zürcher. Winter taucht in der 12. Minute alleine vor Wölfli auf – und scheitert.
SRF
YB tut sich schwer. Als es erstmals gefährlich wird im Zürcher Strafraum, zieht Assalé ab. FCZ-Goalie Brecher ist geschlagen, aber Verteidiger Thelander klärt in der 21. Minute spektakulär auf der Linie.
YB tut sich schwer. Als es erstmals gefährlich wird im Zürcher Strafraum, zieht Assalé ab. FCZ-Goalie Brecher ist geschlagen, aber Verteidiger Thelander klärt in der 21. Minute spektakulär auf der Linie.
SRF
Der nächste Nackenschlag für Gelb-Schwarz: Marcesano erzielt in der 73. Minute das 2:0 für den FCZ. Die Zürcher spielen da schon in Unterzahl.
Der nächste Nackenschlag für Gelb-Schwarz: Marcesano erzielt in der 73. Minute das 2:0 für den FCZ. Die Zürcher spielen da schon in Unterzahl.
SRF
Weil sich Sangoné Sarr bereits abgemeldet hat. Erst zur Pause eingewechselt, langt Sarr ein paar mal sehr hart zu und sieht zweimal gelb. Nach 20 Minuten ist sein Arbeitstag beendet.
Weil sich Sangoné Sarr bereits abgemeldet hat. Erst zur Pause eingewechselt, langt Sarr ein paar mal sehr hart zu und sieht zweimal gelb. Nach 20 Minuten ist sein Arbeitstag beendet.
SRF
20 Minuten vor Schluss gibt es Gelb-Rot für den Zürcher Sangoné Sarr.
20 Minuten vor Schluss gibt es Gelb-Rot für den Zürcher Sangoné Sarr.
Keystone
Leidtragender war Sékou Sanogo. Der YB-Mittelfeld-Motor musste einige Male mächtig einstecken – hatte aber selbst auch Glück: In der ersten Halbzeit wischte er Michael Frey die Hand durchs Gesicht und sah dafür nur gelb.
Leidtragender war Sékou Sanogo. Der YB-Mittelfeld-Motor musste einige Male mächtig einstecken – hatte aber selbst auch Glück: In der ersten Halbzeit wischte er Michael Frey die Hand durchs Gesicht und sah dafür nur gelb.
SRF
Sanogo trieb das Berner Spiel immer wieder an. Hier gegen Toni Domgjoni.
Sanogo trieb das Berner Spiel immer wieder an. Hier gegen Toni Domgjoni.
Raphael Moser
Abgetaucht: Es war für einmal nicht der Tag des Guillaume Hoarau. Der Mann mit der 99 fand überhaupt nicht ins Spiel, kam selten in die Kopfballduelle, die ihn so gefährlich machen.
Abgetaucht: Es war für einmal nicht der Tag des Guillaume Hoarau. Der Mann mit der 99 fand überhaupt nicht ins Spiel, kam selten in die Kopfballduelle, die ihn so gefährlich machen.
Raphael Moser
Sturmkollege Miralem Sulejmani ist einer der besten Berner an diesem ernüchternden Tag.
Sturmkollege Miralem Sulejmani ist einer der besten Berner an diesem ernüchternden Tag.
Raphael Moser
YB steckt nach dem 0:2 nicht auf, rennt an: Mit dem Tor von Sulejmani kehrte die Hoffnung zurück.
YB steckt nach dem 0:2 nicht auf, rennt an: Mit dem Tor von Sulejmani kehrte die Hoffnung zurück.
Keystone
Der Berner Flügel trifft per Kopf zum 1:2.
Der Berner Flügel trifft per Kopf zum 1:2.
SRF
Roger Assales (links) Schuss wird von Victor Palsson geblockt.
Roger Assales (links) Schuss wird von Victor Palsson geblockt.
Christian Pfander
Für YB-Coach Adi Hütter ist es ein bitteres Ende seiner Ära in Bern. Trotzdem geht er als Legende, als Meistertrainer.
Für YB-Coach Adi Hütter ist es ein bitteres Ende seiner Ära in Bern. Trotzdem geht er als Legende, als Meistertrainer.
Raphael Moser
Ludovic Magnin peitscht seine Mannschaft an. Man muss es den Zürchern lassen: Kämpferisch war das tadellos, der Sieg ist keinesfalls gestohlen.
Ludovic Magnin peitscht seine Mannschaft an. Man muss es den Zürchern lassen: Kämpferisch war das tadellos, der Sieg ist keinesfalls gestohlen.
Raphael Moser
Derweil gefällt sich Frey in der Rolle des Spielverderbers. Nach dem Spiel sagte er gegenüber dem Schweizer Fernsehen: «Mit mir hätte YB vielleicht das Double gewonnen.»
Derweil gefällt sich Frey in der Rolle des Spielverderbers. Nach dem Spiel sagte er gegenüber dem Schweizer Fernsehen: «Mit mir hätte YB vielleicht das Double gewonnen.»
Raphael Moser
Marco Wölfli ist geschlagen: Michael Frey bezwingt den YB-Goalie mit einem Flachschuss ins lange Eck.
Marco Wölfli ist geschlagen: Michael Frey bezwingt den YB-Goalie mit einem Flachschuss ins lange Eck.
Christian Pfander
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Kopfkino kann alles. 10 Minuten vor Spielende erzielt Miralem Sulejmani im Cupfinal das 1:2-Anschlusstor für YB. In einer in­tensiven, über weite Strecken packenden Begegnung agiert der FC Zürich seit Mitte der zweiten Hälfte in personeller Unterzahl, Einwechselspieler Sangoné Sarr hatte den Berner Zweikampfminister Sékou Sanogo zweimal mit unerlaubten Mitteln gestoppt.

Und jetzt? Besiegen die Young Boys innerhalb weniger Fussballfestwochen gleich alle Dämonen? Die Cupfinals 1991 und 2009 hatten sie ja nach 2:0-Führung gegen Sion 2:3 verloren. Es würde in diesen für sie grandiosen Frühling passen, den umgekehrten Weg zu beschreiten – und Zürich in extremis noch zu bezwingen. Vielleicht durch einen Treffer von Jean-Pierre Nsame, wie damals im April, als der eingewechselte Angreifer gegen Luzern in der 89. Minute das Tor zur Meisterschaft schoss – und eine Explosion der Gefühle im Stade de Suisse auslöste. «Irgendeinisch chunnt dr Hanspeter», um zwei Züri-West-Zeilen YB-like zu vermischen. Man würde den Trainer Adi Hütter dann fragen, was er Hanspeter Nsame bei der herz­lichen Umarmung vor dessen Einwechslung zuflüsterte. Vielleicht: «Zeig der Schweiz, dass du besser als Michael Frey bist!»

Am Sonntagnachmittag kommt die 89. Minute – und der Ball zu Nsame. Diesmal aber ist etwas anders, diesmal läuft der Ball nicht für YB, diesmal ist die Luft draussen bei den Young Boys. Marco Wölfli, noch so ein grosser Berner Held dieser Wochen, stürmt schon vor der Nachspielzeit in den gegnerischen Strafraum. Im Kopfkino schiesst die Goalielegende YB in die Verlängerung, im Stade de Suisse verteidigt Zürich die Führung mit Herzblut, Kampfgeist, Siegeswillen. Es sind entscheidende Tugenden.

«29 Tage nach den hemmungslosen Feierlichkeiten bringt die YB-Familie nicht mehr die nötige Spannung auf.»

Und es ist eine YB-Niederlage mit gar nicht so leiser Ansage. Man erhielt in den letzten Wochen ja das Gefühl, dass diese Mannschaft viel, vielleicht zu viel gefeiert hatte. Einmal, zweimal, dreimal mit riesigem Brimborium und längst im edlen Rang von Fussballgöttern. Tout Berne liebt Adi Hütter und seine Jungs. Und so ist es am Sonntag keineswegs überraschend, wirken die Young Boys zu Beginn überhaupt nicht bereit. Sie erhalten lange Zeit keinen Zugriff aufs Geschehen, sie müssen sich vorerst gar dominieren lassen vom kecken Aussenseiter, der nach 13 Minuten 3:0 führen könnte.

Aber nur Michael Frey trifft bei einer seiner zwei Topchancen. Ausgerechnet Michael Frey. Nicht alle Berner lieben Hütter, einer bestimmt nicht, genau dieser Frey, der vom YB-Trainer im letzten Sommer aussortiert und durch Nsame ersetzt wurde. Sein Jubel gegen Berner Fans und Trainer nach dem 1:0 ist provokativ und Michi-Frey-mässig. Frey gerät wie auf einem Kreuzzug bald mit einem, zwei, drei YB-Akteuren heftig aneinander. Der eigenwillige Stürmer steht, wie erwartet, in seinem fussballerischen Wohnzimmer sofort im Brennpunkt.

Frey zeigt jenen beeindruckenden Biss, den die Young Boys vermissen lassen. Der Favorit ist satt. Und mit ihm das Berner Publikum, welches den Wettstreit gegen die FCZ-Anhänger um die Stimmungsherrschaft im Stade de Suisse deutlich verliert. YB ist im Cupfinal offiziell das Auswärtsteam, YB ist das auch gemessen an der Unterstützung von den Rängen. Es fühlt sich ein wenig so an, wie wenn man nach drei strengen Nächten an einem Open-Air-Festival am Sonntagnachmittag noch mal verkatert zum Konzert des berühmten Schmusesängers erscheint. Es ist zwar ein schöner Anlass, aber alle sind halt müde – und längst glücklich.

29 Tage nach den hemmungslosen Feierlichkeiten nach 31 Jahren Titellosigkeit am 28. April bringt die YB-Familie nicht mehr die nötige Spannung auf. Vielleicht ist auch eine Spur Selbstüberschätzung dabei. Da helfen all die Warnungen nichts, Hütters nächster Verein Frankfurt habe den DFB-Pokalfinal gegen den Favoriten Bayern auch sensationell gewonnen. Und Hütters letzter Verein Red Bull Salzburg habe das Endspiel in Österreich gegen den krassen Underdog Sturm Graz verloren.

Immerhin zeigt YB ab der 30. Minute endlich mehr Präsenz. Doch es ist der FCZ, der nach einem herrlichen Sololauf Antonio Marchesanos mit einem Spieler weniger eine Viertelstunde vor Schluss das frenetisch bejubelte 2:0 schiesst. Vielleicht ist es kein Zufall, erzwingt Techniker Miralem Sulejmani mit einem seiner raren Kopfballtore sofort den Anschlusstreffer. Sulejmani bleibt in Bern, er hat seinen Vertrag verlängert, obwohl auch der Serbe von zahlreichen ausländischen Vereinen umworben worden war. Über die Hälfte der Stammelf dagegen zieht es in eine Topliga, wie ihren Trainer, wer will das den talentierten Spielern verübeln? Aber diese Fussballer sind mit ihren Gedanken eben nicht mehr nur bei den Young Boys. Auch das ist ein Faktor, der am Sonntag eine Rolle spielt.

Und so endet diese grossartige Saison für YB mit der vierten Cupfinalniederlage in Serie. Von ganz allen Lastern kann sich der Club selbst in dieser historischen Saison nicht verabschieden. Zürich feiert mit dem couragierten Jungtrainer Ludovic Magnin nach mutigem Auftritt den verdienten Sieg auf dem in Zürich verhassten Kunstrasen. Diesmal jubeln in Bern die anderen – Züri-Fäscht statt Züri West im Stade de Suisse.

Im Schatten der Cupspezialisten des FC Sion (13 Siege in 14 Finals) verschönert der FCZ seine ebenfalls imposante Bilanz (11. Erfolg im 12. Endspiel). Magnin und sein sogar noch ungestümerer Assistent René van Eck symbolisierten dabei am Sonntag wie Frey den ausgeprägten FCZ-Hunger, während die Atmosphäre bei YB auch von Melancholie geprägt ist. Es ist der letzte Auftritt dieser wunderbaren Mannschaft, nicht nur Hütter wird gehen, sicher ein, zwei, drei, vielleicht vier oder fünf Akteure werden Bern verlassen, YB steht vor einem markanten Umbruch.

Aber man wird nicht an den Cupfinal denken, wenn man sich an dieses Team erinnert. Sondern daran, wie die Stadt Bern ein, zwei, drei Wochen lang südländische Fussballekstase zelebrierte. Und wenige Minuten nach Abpfiff ist der Cupfinal auch auf dem sonnenbeschienenen Vorplatz des Stade de Suisse schon fast verarbeitet. Ganz in Gelb gewandete Menschen trinken Bier, manche lachen, einer schreit: «Ist doch scheissegal.» Und dann johlt er beschwingt: «Meister, Schweizer Meister, schalalalalalalala.»

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