Was zur Hölle hat sich unter Koller verändert?

Vierter Sieg im vierten Spiel: Den Umschwung beim FC Basel rational zu erklären, ist nicht einfach.

Das Tor zum nächsten Sieg: Alban Ajeti springt am höchsten und erzielt das 1:0. Video: Tamedia

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Vier Spiele, vier Enttäuschungen. Frühe Gegentore, späte Gegentore, gefährdete Saisonziele, schnell entlassene Chef- und erfolglose Übergangstrainer, ein Vorstand auf Tauchstation. Das war der FC Basel vor 15 Tagen – ein taumelnder Verein auf der verzweifelten Suche nach Richtung und Halt.

Vier Spiele, vier Siege. Frühe Tore, späte Tore, zumindest die letzte Stufe vor dem Erreichen der Gruppenphase der Europa League erklommen. Das ist der FCB heute, etwas mehr als zwei Wochen nachdem Marcel Koller das Amt des Cheftrainers übernommen hat. Und die Frage lautet: Was zur Hölle hat sich unter dem 57-Jährigen in dieser kurzen Zeit verändert, damit eine verunsicherte Mannschaft ihren Kurs wieder gefunden hat?

Rot, Effizienz und dazu auch noch etwas Glück

Ein nicht unwesentliches Element war gestern im Rückspiel der 3. Qualifikationsrunde zur Europa League gegen Arnheim in den paar Momenten zwischen den Minuten 25 und 30 zu beobachten. Da sah erst Vitesse-Verteidiger Jake Clarke-Salter für ein hohes Bein die Rote Karte, das wenige Schiedsrichter ausser dem Deutschen Daniel Siebert mit mehr als Gelb bestrafen.


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Gleich darauf verlor genau der eben erst wegen des Platzverweises eingewechselte Ex-FCZ-Spieler Rasmus Thelander Gegenspieler Albian Ajeti bei einem Corner aus den Augen – 1:0 für Basel. Das war einerseits effizient. Und es unterstrich andererseits, wie sehr sich das Schlachtenglück seit Kollers Ankunft auf die Seite des FCB geschlagen hat.

Fussball ist eben ein Spiel von Wahrscheinlichkeiten und – Glück. Und wer die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ihm das Glück hold sein kann, der gewinnt des öfteren Spiele. Vielleicht kann Kollers anfänglicher Erfolg in Basel am besten auf diesen Nenner gebracht werden.

Die Defensive im Fokus

Entsprechend spielen unter ihm derzeit eher Spieler, die auf ihrer Position möglichst hohe defensive Stabilität versprechen. Und weniger die kleinen Zauberlehrlinge wie Aldo Kalulu oder Samuele Campo, bei denen die Kunst schon einmal über der Effizienz steht. Koller versucht, die Wahrscheinlichkeit von Gegentoren möglichst tief zu halten. Damit sich das Team vorne das Glück erarbeiten kann.

Diese Herangehensweise ist auch den Umständen geschuldet. Seit seinem Einstieg in Basel konnte er kaum ein Training mit allen Spielern leiten. Zu dicht ist der Spielplan, zu wichtig ist, dass sich die Stammkräfte zwischen den Partien regenerieren.

Viele TV-Stunden und viele Nächte im Hotel

Also setzt Koller seine Schützlinge viel vor den TV. Er zeigt ihnen in Videosequenzen, was er von ihnen will. Er lässt sie vor Auswärts- und Heimspielen im Hotel nächtigen, damit er ihnen einzeln und in kleinen Gruppen erklären kann, was er von ihnen verlangt. Er setzt bislang konsequent auf jene Spieler, denen er aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Alters zutraut, die Anweisungen auch umsetzen zu können. Und das Leben für die Jungen im Kader könnte noch härter werden. Dem Vernehmen nach soll der FCB seinem Coach zwei neue, erfahrene Spieler zugesagt haben.

Das hat dazu geführt, dass der FCB derzeit zwar keinen Wunderfussball spielt. Aber dass die Mannschaft eine Stabilität erreicht hat, die ihr über die Sommerpause abhanden gekommen war. Wobei gegen Vitesse zu sehen war, dass der Auftritt noch weit davon entfernt war, was sich Koller vorstellt. Fast ohne Unterlass ruderte, dirigierte, winkte und kritisierte der Coach da an der Seitenlinie. Kollers aufgeregt wedelnden Arme dürften insbesondere Innenverteidiger Eder Balanta noch bis in den Schlaf verfolgt haben.

Es wird spannend, ob Kollers Fussball anders aussieht, wenn er einmal mehr Zeit aufs Training verwenden kann. Vorerst ist er davon weit entfernt: Erst wartet am Samstag der Cup. Und am Donnerstag steht schon das Playoff-Hinspiel zur Europa League gegen Apollon Limassol an.

Dieses Problem hat Luzern nicht mehr. Es ist nach einem 1:3 gegen Piräus mit einem Gesamtskore von 1:7 ausgeschieden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2018, 23:41 Uhr

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