Wicky als Trainer – die konsequente Wahl

Der FC Basel macht Ernst mit seiner Verjüngungskur: Der ehemalige Nachwuchscoach Raphael Wicky wird Nachfolger von Urs Fischer.

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Sicher, der FC Basel könnte am Sonntag Meister werden. Aber was in jeder anderen Schweizer Stadt für wenigstens ein klein wenig Aufregung sorgen würde, ist in Basel kein Thema. Hier wird gerade eine andere Fussball­geschichte geschrieben. Mit hoher Kadenz ist der Serienmeister dabei, sich personell völlig neu aufzustellen.

Vor zwei Wochen die Absegnung des Aktienverkaufs an den kommenden Präsidenten Bernhard Burgener, vor einer Woche die Bekanntgabe, dass Urs Fischer nicht einmal das Double den Job retten würde. Und jetzt also die Vorstellung des neuen Cheftrainers: Raphael Wicky, um ein paar Tage noch nicht 40-jährig, 75 Länderspiele, Profi in Sitten, Bremen, Madrid (Atlético), Hamburg und Los Angeles (Chivas), seit sieben Jahren als Nachwuchs­trainer tätig, von 2013 an beim FCB.

In Basel gilt schon länger: Wenn schon die heimische Meisterschaft keine Spannung mehr bietet, so soll wenigstens das Drumherum die Massen unterhalten. Früher reichten Transfers oder ein Trainerwechsel. Aber weil sich der Fussballkonsument wie jeder Mensch so schnell an Reize gewöhnt und immer mehr braucht, um wie gewünscht stimuliert zu werden, muss nun halt das komplette Gebilde frisch aufgestellt werden.

Wickys Wahl zum Cheftrainer ist auf diesem Weg nichts anderes als die konsequente Wahl. Er steht alleine mit seinem Alter für die neue Generation, die sich nach ihrer Aktivkarriere in die Führungspositionen des Profigeschäfts emporarbeitet. Dass er bislang nur Junioren trainiert hat, spricht nicht nur für den Mut, den der FCB mit der Wahl beweist. Wicky verkörpert als bisheriger U-21-Coach das Konzept, das Bur­gener vor 14 Tagen öffentlich präsentiert hat: Es sollen wieder mehr Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Weg in die erste Mannschaft finden. Und so sagt Wicky über sich selbst: «Ich bin ein gutes Gesicht für dieses Projekt, weil ich den Nachwuchs des FCB und all seine Junioren kenne.»

Keine rezyklierten Gefühle

Dass die neue Führung um den designierten Sportchef Marco Streller kurz damit liebäugelte, mit Thorsten Fink einen ehemaligen Meistermacher zum neuen Mann zu küren, mag aus emotionaler Sicht verständlich sein. Der damalige Stürmer Streller erlebte Fink nach den schwierigen letzten Jahren unter Trainer Christian Gross als Mann der Befreiung. Doch eine neue Ära wird nicht mit rezyklierten Gefühlen eingeläutet.

Drei Kandidaten durften der sportlichen Führung ihre Ideen präsentieren. Alle seien «sehr gut gewesen», erzählt Streller. Am Ende habe man sich für Wicky entschieden. Wobei es keine Rolle gespielt haben soll, dass er, Streller und Neo-Verwaltungsrat Alex Frei einst alle gemeinsam im Schweizer Nationalteam aufgelaufen sind. «Wir sind nicht beste Freunde», umschreibt Wicky die Beziehung zu seinem Vor­gesetzten Streller, «aber ich weiss, dass wir offen und direkt miteinander diskutieren können.»

Was alles anders werden soll unter ihm, das kann und will Wicky so kurz nach seiner Unterschrift nicht sagen. Er mag «Ballbesitz und Teams, die offensiv und defensiv flexibel sind». Und natürlich werden ab Sommer nicht plötzlich bloss noch Nachwuchsspieler Rot-Blau tragen, der Einbau soll schrittweise erfolgen: «Es heisst schliesslich Konzept 2017 bis 2020.» Wobei sein Vertrag vorerst bis 2019 läuft, aber mit Option für eine Verlängerung um ein Jahr.

Die Neugier ist angeregt

Was er anstrebt an seiner ersten Station als Trainer eines Profiteams? «Ich gehe einig mit den Zielen, die die Führung formuliert hat», meint Wicky. Das Wort Titel spricht er dabei nicht aus. Muss er auch nicht. Pokale werden in Basel vorausgesetzt. Was derzeit interessiert, ist der Weg dorthin. «Wir versuchen, eine neue Dynamik reinzubringen», sagt Streller ganz allgemein über die Ziele der neuen Crew. Die Neugier auf die kommende Saison haben sie mit Wickys Wahl auf jeden Fall angeregt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.04.2017, 22:45 Uhr

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