Wer ist wirklich schuld am YB-Eigentor?

Ein Missgeschick könnte YBs Champions-League-Träume begraben. Experten sehen den Fehler aber nicht nur beim Eigentorschützen.

Ganz bitter: Kasim Nuhu schiesst in der Nachspielzeit gegen ZSKA Moskau ein Eigentor. Video: SRF.

Es war eine Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung mit dabei, in der Stimme von SRF-Kommentator Dani Kern. Zehn Minuten waren noch zu Spielen im Playoff-Spiel zur Qualifikation der Champions League zwischen YB und ZSKA Moskau. Die Berner dominierten, hatten kurz zuvor eine Grosschance, weshalb Kern flehte: «Lieber Fussballgott, lass Gerechtigkeit walten.» Damit meinte er natürlich den längst überfälligen YB-Siegtreffer.

Nun, es kam anders. Die Hoffnung und Verzweiflung kippte in Fassungslosigkeit: «Das ist einfach unglaublich.» Statt dem erhofften YB-Sieg gab es ein bitteres Eigentor in der Nachspielzeit, die Berner verloren 0:1 – eine schwere Hypothek fürs Rückspiel.

Sofort wurde im Schweizer Fernsehen Abwehrspieler Kasim Nuhu als Alleinschuldiger ausgemacht. Der Eigentorschütze glänzte in den 91 Minuten zuvor mit einer nahezu perfekten Leistung. Experte Alain Sutter bemängelte: «Nuhu schaut nur auf den Ball und sieht so nicht, dass Goalie von Ballmoos weit vor seinem Tor steht.» Kern sagte zuvor: «Von Ballmoos muss natürlich etwas aus seinem Tor kommen.» Aber musste er das wirklich?

Anders beurteilt die Situation ORF-Experte Dietmar Kühbauer. Der Trainer des Wolfsberger AC sagte beim österreichischen Sender: «Für mich ist ganz klar der Torwart der Schuldige.» Nuhu habe die Situation immer unter Kontrolle gehabt, weshalb Von Ballmoos nicht so weit vor seinem Tor hätte stehen müssen. Tatsächlich rechnete Nuhu nicht damit, dass sein Goalie beinahe an der Strafraumgrenze stand – so sind auch seine verzweifelten Rufe nach dem Missgeschick in Richtung Von Ballmoos zu deuten. Der Torwart selber lief mit gesenktem Kopf vom Platz. Es wirkte nicht so, als würde er sich selber von jeglicher Schuld freisprechen.

Die Leidtragenden sind jetzt natürlich die Mitspieler. Diese wollen insbesondere Nuhu aber keinen Vorwurf machen. Gegenüber SRF sagte Captain Steve von Bergen: «Kasim hat 91 Minuten lang überragend gespielt. Und dann kommt diese Szene... Im Moment tut das weh. Das nagt natürlich an seiner Moral, aber wir werden ihn unterstützen.» Und Mittelfelspieler Leonardo Bertone legte nach: «Wir werden Kasim sagen, dass er ein Superspiel gemacht hat. Fehler passieren nun einmal. Deswegen machen wir ihn nicht kaputt. Wir sind ein Team und werden ihm helfen.» Gut möglich, dass sich auch Von Ballmoos die aufmunternden Worte anhören möchte.

fas

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt