Zum Hauptinhalt springen

Wasser, Brot und Wolfisberg

In der Länderspielpause horcht Fussballgott Grädel auch schon mal Mitpassagiere aus. Ein Eishockey-Fan bringt ihn dabei gehörig ins Denken.

Obacht, was Sie öffentlich sagen, besonders wenn ein älterer Herr mit Stirnglatze und Schnauz in Ihrer Nähe ist. Es könnte sich um Grädel handeln. Der notiert sich gerne alles, was er so hört und sieht, schön altmodisch in einem Notizheft, denn schliesslich braucht so eine allwöchentliche Kolumne Inputs; Länderspielpausen sind ausserdem immer eine besondere Herausforderung (managerdeutsch für «mühsam») für jemanden, der sein Herz an den Klubfussball verschenkt hat.

Vergangenes Wochenende belauschte Grädel in der S-Bahn eine Diskussion einiger Eishockeyfans, welche sich nebst dem Spiel mit der Gummischeibe auch noch für das mit dem runden Leder zu interessieren schienen. Einer aus dem Trio hatte, nachdem das Gespräch auf die beiden ersten Auftritte der Schweizer Landesauswahl unter ihrem neuen Trainer kam, eine dieser messerscharfen Analysen zur Hand, die an Simplizität und Bösartigkeit kaum noch zu unterbieten sind. Wenn nämlich ein Bosnier einen Haufen Albaner trainiere, dann müsse das zwangsläufig in einem Debakel enden.

Grädel zuckte innerlich zusammen ob diesem simplen, doofen Spruch auf Stammtischniveau, der jene Fussballer zu diskreditieren versuchte, welche sich ihren Traum von einer Profikarriere in einer grossen Liga – wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg – zu erfüllen vermochten und deren Eltern dummerweise nicht Sulser, Egli oder Wehrli hiessen. Zwar stimmt es, dass an einer Niederlage der Nati schlussendlich immer Ausländer schuld sind, zuletzt Argentinier, Engländer und Slowenen. Aber Grädel wurde hässig, denn dieser Spruch ging ebenfalls gegen Vladimir Petkovic, und der genoss bei Grädel immer noch einen göttergleichen Status der Unantastbarkeit.

Verbal zurückschlagen hätte Grädel wollen, doch es war spät, die Hockeyfans angeheitert und Grädel eben doch zu feige. Für den Plauderi aus der S-Bahn hat sich Grädel später trotzdem eine angemessene Strafe ausgedacht und in sein Heft notiert, einfach mal so: einen lieben langen Tag in einem Kellerloch einschliessen würde er ihn, und ihm dort in Endlosschlaufe Aufzeichnungen von Nati-Spielen aus den 70er- und 80er-Jahren vorführen, als Schweizer Trainer namens Hüssy, Vonlanthen und Wolfisberg Spieler trainierten, deren Eltern tatsächlich Sulser, Egli und Wehrli hiessen. Sicher, eine harte Massnahme. Aber garantiert wirksam.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch