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Warten auf die Euphorie

Die Schweiz ist auf bestem Weg zur Pflichterfüllung. Gegen Slowenien kann sie heute der EM 2016 einen grossen Schritt näher kommen.

Trainer Vladimir Petkovic hat noch keine grossen Gegner wegräumen müssen.
Trainer Vladimir Petkovic hat noch keine grossen Gegner wegräumen müssen.
Walter Bieri, Keystone

Xherdan Shaqiri hat es letzten Herbst gesagt: Ein Scheitern wäre «fast eine Katastrophe». Admir Mehmedi hat es Anfang dieser Woche gesagt: Eine Qualifikation sei «Normalität».

Und jetzt sind die Schweizer dem Ziel und der Pflichterfüllung ganz nahe, sich ihren Platz an der EM 2016 zu sichern. Mit einem Sieg heute Abend gegen Slowenien sei die direkte Qualifikation «zu 80 Prozent» geschafft, denkt Coach Vladimir Petkovic.

Zum Rechenspiel gehört der Modus. Bei Punktgleichheit entscheiden am Ende die Direktbegegnungen über die Platzierung. Nach dem 0:1 im Hinspiel haben die Schweizer darum ein 2:0 als Wunschergebnis, weil sie dann bei Punktgleichheit in jedem Fall vor Slowenien liegen.

Gewinnen sie heute, fehlen maximal noch drei Punkte zur geplanten Direktqualifikation – wenn denn nicht gerade der aussergewöhnliche Fall eintritt und Estland seine vier ausstehenden Partien gewinnt. Und diese drei Punkte sind garantiert, weil mit San Marino noch eine Mannschaft nach St. Gallen kommt, die in 118 Qualifikationsspielen genau 115 Niederlagen und ein Torverhältnis von 15:531 aufweist.

Was ist anders geworden?

Die grossen Gegner hat die Schweiz unter Petkovic nicht aus dem Weg räumen müssen, um sich in diese Lage zu bringen. Gegen Litauen hätte es daheim auch ein 8:0 geben können und in San Marino statt eines zweiten 4:0 gar ein doppelstelliges Ergebnis, Estland war beim 3:0 ebenso wenig ein Prüfstein, und zuletzt in Litauen reichte selbst eine arg durchzogene Leistung zu einem 2:1.

Korrigiert war damit der Fehlstart mit Niederlagen gegen England und in Slowenien. England war beim Debüt Petkovics besser, in Maribor war die Chancenauswertung bedenklich. Nun sagt Petkovic: In Basel werde man sehen, was im Vergleich zum Anfang anders geworden sei.

Was sicher zu sehen sein wird, ist eine Mannschaft, die in ihrer Zusammensetzung keine besonderen Über­raschungen mehr bietet. Petkovic mag ohne Grund nicht Hand anlegen an der Aufstellung. Darum nimmt er für heute auch maximal einen freiwilligen Wechsel vor, indem er Mehmedi für Drmic bringen dürfte. Djourou dagegen ersetzt er nur, weil der verletzt ist.

Petkovic ist ein Trainer, der die Offensive sucht. Bei Gegnern wie Litauen oder San Marino braucht er auch gar nicht zu fürchten, dafür bestraft zu werden. Eigentlich sollte das unter normalen Umständen auch gegen Slowenien nicht der Fall sein, obschon Stephan Lichtsteiner anmerkt, in diesem Spiel würden sie «wirklich gefordert». Zuletzt hätten sie doch nur gegen Mannschaften gespielt, «die wir alle besiegen mussten».

Unaufgeregt und selbstbewusst

Hitzfelds Nachfolger ist auch ein unaufgeregter Coach, stolz genug, seinen Weg nicht zu verlassen, selbstbewusst genug, sich von aussen nicht beeinflussen zu lassen. Mit knappen Worten vermag er für Klarheit zu sorgen.

Ist Embolo schon einer für die ersten elf? «Er muss viel arbeiten, bis er ein fertiger Spieler ist.» Ist Inler ein Risiko, weil er bisher für Leicester nur sieben Minuten spielte? «Da sehe ich kein Problem.» Und was ist mit Xhakas im Juni geäusserter Forderung, zentraler spielen zu wollen? «Xhaka hat immer erfolgreich auf der Seite ­gespielt.» Hat ihn das Thema nicht weiter interessiert? «Nein. Wieso?»

So ist Petkovic im Moment. Die richtigen Bewährungsproben folgen erst noch, und dabei geht es nicht einmal um das Spiel am Dienstag in London gegen ein England, dem heute in San Marino ein 1:0 zur Qualifikation für Frankreich genügt. Es geht um die EM selbst, um das Ziel, einmal über einen Achtelfinal hinauszukommen, um den nächsten Schritt eben.

Eine Teilnahme an einer WM oder EM ist kein Anlass mehr zur ausgelassenen Freude im Land. Das war noch anders 1993, als sich die Schweiz erstmals wieder für eine WM qualifizierte. Inzwischen hat sie das zur Routine gemacht, weil sie seit 2004 von sechs Turnieren nur eines verpasste, die EM von 2012. Mit Blick aufs nächste Jahr ist ein Scheitern schon fast nicht mehr möglich, weil die Uefa den Anlass von 16 auf 24 Teilnehmer aufgeblasen hat.

Montpellier wartet 2016 auf die Schweiz. Im Süden hat sie ihr EM-Quartier geplant. Vielleicht kann sie hier wieder eine Euphorie wecken, wie ihr das letztes Jahr in Brasilien gelang.

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