Vom Traum zum Ziel

Mit elf Jahren kam Sven Joss als Stürmer zu YB. Nun ist er der Nächste aus dem YB-Nachwuchs, der vor dem Durchbruch in der ersten Mannschaft steht – als Aussenverteidiger.

Sven Joss ist bei den Young Boys nach Scott Sutters Abgang in der Hierarchie der Aussenverteidiger aufgestiegen.

Sven Joss ist bei den Young Boys nach Scott Sutters Abgang in der Hierarchie der Aussenverteidiger aufgestiegen.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Ihm gehöre die Zukunft, sagte Adi Hütter vor kurzem über Sven Joss. Vor Joss und Mbabu lag in der Hierarchie der rechten Aussenverteidiger Scott Sutter. Dieser hat YB bekanntlich verlassen und die Karten für die jungen Abwehrspieler wurden neu gemischt. «Die neue Situation ist Fluch und Segen zugleich: Die Chance auf mehr Einsätze ist grösser, aber ich habe auch enorm viel von Scott Sutter lernen können. Das half mir extrem», Sven Joss, der sowohl hinten rechts als auch hinten links eingesetzt werden kann, wie zuletzt gegen Thun.

Joss gehört wie Mvogo, Bertone, Frey, Wüthrich und Hadergjonaj zum starken 94er-Jahrgang bei YB. Während seine Altersgenossen früh in der ersten Mannschaft spielten, musste er sich etwas länger gedulden. Er habe sich bereits Gedanken gemacht, dass es zu spät sein könnte, sagt Joss. Doch 2015/16 bekam auch er den Profivertrag. Aufgewachsen in Konolfingen – in der Umgebung lebt er noch heute –, hat seine Karriere beim lokalen FC angefangen. Dort war Joss nicht Verteidiger, er spielte im Sturm. Mit 11 Jahren kam er zu YB und wurde gleich im ersten Spiel mit der U-12-Mannschaft als Aussenverteidiger eingesetzt. Wieso, weiss Joss damals wie heute nicht, aber diese Position hat er behalten. Neben dem Fussball schloss er die Lehre zum Gärtner ab. «Ich wollte eine Lehre machen, aber es war eine strenge Zeit.»

Glück und Pech mit Hadergjonaj

Mit dem Profivertrag wurde Joss schliesslich zum FC Thun ausgeliehen. «Ich habe gewusst, dass ich nicht erste Wahl sein würde, aber es war nicht einfach für mich, als sie nach der Verletzung von Stefan Glarner noch Ersatz geholt haben», erzählt Joss von den Startschwierigkeiten im Oberland. Als er dann doch einmal gespielt habe, sei das wohl nicht so schlecht gewesen, meint er bescheiden. Der Lohn: Joss gehörte in der Folge zur Stammformation.

Im letzten Sommer lief der Leihvertrag aus. Eigentlich hätte Joss nach Bern zurückkehren sollen, doch er wollte länger in Thun bleiben, um zu Einsätzen zu kommen, solange Florent Hadergjonaj noch bei YB war. «Dann ging es schneller, als ich gedacht habe», sagt der 22-Jährige. Hadergjonaj wechselte zu Ingolstadt, Joss zurück zu YB. Und hatte vorerst Pech: Im letzten Spiel vor dieser Personalrochade verletzte er sich im Duell mit ebendiesem Hadergjonaj an der Schulter und fiel danach mehrere Wochen aus.

Bei seinem Debüt in der ersten Mannschaft Ende November in Lausanne musste Joss nach 12 Minuten erneut verletzt ausgewechselt werden. Diesmal waren es die Bänder im Knie. In der Winterpause bedeutete dies: Reha statt Ferien. «Wenigstens war Wüthrich auch dabei. Wenn man nicht alleine ist, ist es nicht so schlimm.»

Der schnelle Aufstieg in die Startelf

Ersatz und zweimal nicht im Aufgebot, lautete die Bilanz des Verteidigers nach den ersten drei Spielen 2017. Dann kam die Auswärtspartie gegen GC. «Wenn du zuvor nicht im Aufgebot warst, bist du schon froh, wenn du wenigstens auf der Bank sitzt», erzählt Joss. Doch Adi Hütter hatte andere Pläne. «Die Begrüssung mit den Trainern war irgendwie anders als sonst, aber ich hätte trotzdem nicht erwartet, dass ich von Anfang an spielen würde.» 90 Minuten vor Spielbeginn erfuhr Joss die guten Neuigkeiten. Fehlerlos blieb er nicht, wusste dennoch zu gefallen, aber zeigte sich nach der Partie äusserst selbstkritisch.

«Ich kann mich ziemlich gut einschätzen», sagt Joss. Selbstkritisch, wie er ist, sieht er im Defensivverhalten noch Verbesserungspotenzial. Dafür müsse er körperlich zulegen, doch das Training im Kraftraum zeige nur bedingt Wirkung. Lieber als im Kraftraum steht ein Fussballer sowieso auf dem Platz. Auch neben dem Platz ist Fussball ein Thema beim 22-Jährigen. Nur über sich selbst spricht er nicht so gerne. Er wolle seine Spiele nicht mit der Familie analysieren, weil seine Nächsten seiner Leistung gegenüber zu unkritisch seien. Umso wichtiger ist es für ihn, diese selbst gut einschätzen zu können.

Bodenständig wie seine Aussagen sind auch seine Ziele: Joss will sich bei YB durchsetzen. Weiter denkt er noch nicht. «Früher habe ich davon geträumt bei YB zu spielen. Im Lauf der Zeit wurde aus diesem Traum immer mehr ein Ziel», erzählt Joss. Nach Sutters Abgang ist er auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Bereits in Lausanne dürfte er seine nächste Bewährungschance erhalten: Mbabu fehlt gesperrt.

Der Bund

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