Vom Herzstillstand zum Torschützen

Über ein Jahr kämpfte Stürmer Daniel Engelbrecht um sein Leben. Jetzt ist er der erste Profi mit einem implantierten Defibrillator.

Daniel Engelbrecht (mit Kunststoffpanzer für den Defibrillator) trifft erstmals seit seiner Erkrankung. (Foto: Imago)

Daniel Engelbrecht (mit Kunststoffpanzer für den Defibrillator) trifft erstmals seit seiner Erkrankung. (Foto: Imago)

«Nichts ist unmöglich» stand auf dem Shirt von Daniel Engelbrecht, Mittelstürmer des deutschen Drittligisten Stuttgarter Kickers. Der 24-Jährige, der in der 83. Minute eingewechselt wurde, hat soeben in der Nachspielzeit das 2:1-Siegtor für die Kickers erzielt, doch dieser Treffer bedeutete viel mehr als drei Punkte.

Es ist eine Leidensgeschichte, die eine Wendung zum unglaublichen Märchen gefunden hat. Am 20. Juli 2013 brach Engelbrecht im Spiel gegen Erfurt zusammen. Zunächst wurde noch ein harmloser Hitzschlag vermutet, die niederschmetternde Diagnose lautete jedoch: eine gefährliche Herzmuskelentzündung. Viermal musste der Deutsche auf den OP-Tisch und bekam einen Defibrillator eingesetzt – trotzdem erlitt er Rückschläge. Einmal hatte er so starke Herzrhythmusstörungen, dass das Gerät ihn wieder ins Leben zurückholen musste. «Ich dachte, ich sterbe, hatte schon abgeschlossen», sagte Engelbrecht, der in der Folge Panikattacken hatte, sechs Wochen in Therapie war, um die Geschichte mental zu verarbeiten, gegenüber dem «Kicker».

Luft für maximal 30 Minuten

Anderthalb Jahre nach dem Zusammenbruch ist der ehemalige Bochum-Spieler ein Medienstar. Unter Tränen sagte «Engel» am Tag nach seinem Tor zur «Bild»: «Wenn man eineinhalb Jahre um sein Leben kämpft, wird so ein Tor zu einem Tor für die Ewigkeit. Damit wird mein Comeback zu einem Mega-Comeback. Ein wichtigeres und geileres Tor, das steht jetzt schon fest, werde ich nie mehr schiessen können. Es kommt mir alles wie ein Traum vor.» Aber auch die «Gazzetta dello Sport» (Italien), «So Foot» (Frankreich), die «gazzetta» (Griechenland) oder eine brasilianische Zeitung rissen sich um Engelbrecht. Das war dann für die Kickers doch zu viel, und sie verhängten ihm ein Interviewverbot. «Wir müssen den Spieler auch schützen», sagte Kickers-Sprecher Hans-Georg Felder gegenüber der «Bild».

So wurde es in den vergangenen Tagen etwas ruhiger um Engelbrecht, obwohl er selber keine Probleme mit dem Medienrummel hatte. Ohnehin hatte der gebürtige Kölner mit so etwas gerechnet, als er am 22. November 2014 gegen Erfurt sein Comeback feierte. Jetzt kann er aber in Ruhe weiter daran arbeiten, wieder 100 Prozent seines Leistungsvermögens zu erreichen. Derzeit reicht die Luft für maximal 20 bis 30 Minuten, wie der Medienstar mehrfach betont hat. Vergangenen Samstag wurde er bereits in der 67. Minute eingewechselt, blieb diesmal jedoch ohne Torerfolg.

Trotz des bleibenden Restrisikos hat Engelbrecht keine Angst vor einem erneuten Rückschlag: «Fussball ist mein Leben, deshalb war Aufgeben nie eine Option für mich.»

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt