Uli Hoeness warnt und rechnet ab

Der Chef des FC Bayern spricht über Neymar, Dembélés Streik, die Gier eines Stars, eine bittere Absage und seine verbüsste Haftstrafe.

Der Bayern-Chef hat sich zu heissen Themen geäussert: Uli Hoeness am Alpensymposium in Interlaken. (11. Januar 2017)

Der Bayern-Chef hat sich zu heissen Themen geäussert: Uli Hoeness am Alpensymposium in Interlaken. (11. Januar 2017)

(Bild: Keystone)

Uli Hoeness ist sich auch nach seiner verbüssten Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe treu und nach wie vor ein kritischer Zeitgenosse geblieben. Das unterstrich der Präsident des FC Bayern München am Sonntag im neuen Fussballtalk auf Sky, bei dem Jörg Wontorra sein Comeback als Moderator gab.

Vier Tage vor dem Bundesligastart ist der Franzose Ousmane Dembélé das ganz heisse Thema in Deutschland. Der Torjäger von Borussia Dortmund will seinen vorzeitigen Abgang zum FC Barcelona erzwingen, obwohl er noch bis 2021 vertraglich an den Club gebunden wäre. Dembélé ist sogar in den Streik getreten und blieb dem Training bis heute unentschuldigt fern.

Hoeness zieht einen Vergleich

Dafür hat Hoeness überhaupt kein Verständnis und lobt Dortmunds Führung: «Man muss als grosser Verein, und das ist Borussia Dortmund, auch mal Stärke zeigen. Er hat sich bisher sehr klug verhalten. Man muss stark bleiben, wenn ein Spieler weg will: Beim FC Bayern machen wir es so: Entweder es passiert zu unseren Konditionen oder gar nicht. Die Transferphase endet am 31. August. Ab dem 1. September muss er sich dann wieder voll für den BVB reinhängen.»

Auch beim deutschen Rekordmeister gab es einen Stürmer, der trotz eines laufenden Vertrages partout den Club verlassen wollte. Der Brasilianer Douglas Costa wurde mittlerweile an Juventus Turin verkauft. Und Hoeness vergleicht den Fall mit jenem von Borussia Dortmund. «Er hat genauso gehandelt wie Dembélé. Wir haben uns dann gesagt: So einen Spieler, der nach so kurzer Zeit mehr Geld und wieder weg will, obwohl er nicht mal gute Leistungen erbracht hat, den müssen wir schleunigst wieder loswerden. Wir sind ihn Gott sei Dank wieder losgeworden.»

«So gut finde ich den gar nicht»

Und zwangsläufig wurde im Wontorratalk auch der Brasilianer Neymar angesprochen, der für 222 Millionen Euro von Barcelona zu Paris St-Germain wechselte. Auch dazu hat Hoeness eine klare Meinung: «Wir alle haben nie für möglich gehalten, dass so kurzfristig so ein Transfer zustande kommt. Ich hätte Neymar weder für 220 Millionen Euro noch für weniger geholt. So gut finde ich den gar nicht. Das kann ich also nicht verstehen. Irgendwann werden die Zuschauer das nicht mehr mitmachen. Ich glaube aber, dass da irgendwann Schluss ist.»

Eigentlich wollten die Bayern Philipp Lahm, den Weltmeister, der Ende vergangener Saison zurückgetreten war, als neuen Sportdirektor und Nachfolger von Matthias Sammer aufbauen. Doch Lahm wollte offenbar sofort mehr Macht und erteilte dem Club eine Absage, die für Hoeness unerwartet und deshalb bitter war.

«Seinen Berater schätzen wir nicht»

Hoeness meinte zu diesem Thema: «Glauben Sie, dass es klug gewesen wäre, dass ein Spieler wie Philipp am 30. Juni mit dem Fussball aufhört und dann am ersten Juli seine ehemaligen Mitspieler unter Druck setzen kann? Es wäre doch auf jeden Fall notwendig gewesen, dass eine Abkühlphase stattfindet. Diese Zeit hatten wir einfach nicht. Ich persönlich bedaure das sehr, dass Philipp nicht zur Verfügung stand. Wir alle schätzen Philipp sehr, aber seinen Berater, den wir nicht schätzen, hätten wir mit einkaufen müssen.»

Beim neuen Mann, dem ehemaligen Bayernstar Hasan Salihamidzic, sei das glücklicherweise nicht der Fall gewesen. «Bei ihm gab es keinen Berater. Wir sassen nur mit ihm an einem Tisch – für gut zwei Stunden – und haben uns dann die Hand gegeben, dass wir das machen.» Obwohl Salihamidziuc nicht erste Wahl war, spricht Hoeness bereits nach kurzer Zeit von einem absoluten Glücksgriff.

«Eine Sache sieht Ancelotti wohl falsch»

Karl-Heinz Rummenigge habe die Idee vor fünf bis sechs Wochen gehabt. Aber das sei doch keine Notlösung. In 14 Tagen habe der neue Sportdirektor «mehr dazwischen gehauen» als Matthias Sammer in einem Jahr. Das täte allen gut. Die Bayern hätten möglicherweise die Königslösung gefunden.

Zu Trainer Carlo Ancelotti, der einen Sportdirektor eigentlich nicht für zwingend nötig gehalten hat, meinte Hoeness: «Eine Sache sieht Carlo Ancelotti wohl ein bisschen falsch. Es war dringend notwendig, diesen Schritt zu machen. Es war eine riesige Lücke entstanden.»

Schliesslich kam Wontorra auch auf die Haftstrafe, die Hoeness wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe hatte absitzen müssen, zu sprechen. Gerne beantwortete er dies allerdings nicht. Er habe einen Riesenfehler gemacht, dafür gebüsst und möge jetzt eigentlich nicht mehr darüber reden.

Doch Wontorra blieb hartnäckig und Hoeness meinte, es sei eine grosse Herausforderung gewesen, das zu überstehen. «Ich habe versucht, nicht anzuecken und gut zurechtzukommen. Das ist mir gut gelungen.» Ein Moment sei für ihn aber besonders schwierig gewesen. Ein Mithäftling habe ihn nackt unter der Dusche fotografiert, um das Foto in der Öffentlichkeit meistbietend zu verkaufen. «Ich habe eigentlich eine gute Menschenkenntnis, aber da hat sie versagt.»

tn

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