Stück für Stück demontiert

Milan Vilotic kam als grosser Hoffnungsträger zu YB. Verletzungen und ein Trainer, der ihn fallen liess, machten ihn zu einem sehr teuren Missverständnis.

Milan Vilotic (Mitte) im Duell mit Gladbachs Raffael – im Champions-League-Playoff-Hinspiel in Bern bestritt der Verteidiger sein letztes Spiel für YB.

Milan Vilotic (Mitte) im Duell mit Gladbachs Raffael – im Champions-League-Playoff-Hinspiel in Bern bestritt der Verteidiger sein letztes Spiel für YB.

(Bild: Keystone Manuel Lopez)

Ruedi Kunz

Die jähe Versetzung in die U21-Auswahl, die hartnäckigen Schmerzen in der ­Patellasehne, die täglichen Termine bei den Physiotherapeuten, die Ungewissheit darüber, wie es weitergeht: Milan Vilotic hätte so einiges zu erzählen. Doch er mag nicht gross reden. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Das Schweigen ist Mittel zum Selbstschutz. Schliesslich ist Vilotic immer noch Angestellter des BSC Young Boys, der ihm monatlich mehrere 10?000 Franken an Lohn überweist. ­Kritische Worte über die Kaltstellung und deren Folgen könnten das Verhältnis zum Arbeitgeber trüben. Das will der Verteidiger unbedingt vermeiden, zumal er einen guten Draht hat zu ­Christoph Spycher. Der neue Sportchef habe sich immer korrekt verhalten und sei ein verlässlicher Ansprechpartner, sagt Vilotic.

Zurück zu Mentor Forte?

Spycher hat das Vilotic-Dossier von ­seinem entlassenen Vorgänger Fredy ­Bickel geerbt. Er spricht von einer undankbaren Aufgabe – «für mich und ­Milan». Beide Parteien seien bestrebt, eine Lösung zu finden, die für alle zufriedenstellend sei. Am liebsten würde Spycher den Fall Vilotic schon während der Winterpause abschliessen. Sollte kein definitiver Transfer zustande kommen, so will YB Hand bieten für ein ­Leihgeschäft. Eine Option könnte sein, dass sich Vilotic einem der beiden Zürcher Clubs anschliesst. Der Serbe hat gute Erinnerungen an den ersten Aufenthalt in der grössten Schweizer Stadt. 2013 wurde er mit GC Cupsieger. Sein Trainer damals: Uli Forte. Dieser Forte ist im Frühling abermals Cupsieger geworden – diesmal mit dem FC Zürich.

Forte war es auch, der bei YB für die Verpflichtung von Vilotic weibelte, kaum war er ein paar Monate im Amt. Über drei Millionen Franken liess sich YB im Januar 2014 die Verpflichtung des hochgelobten Innenverteidigers kosten. Der Sprunggelenkverletzung, die er sich bei seinem letzten Match mit GC zugezogen hatte, wurde keine grosse Bedeutung zugemessen. Ein Fehler, wie sich bald herausstellen sollte. Der angeschlagene Vilotic schleppte sich während längerer Zeit mehr schlecht als recht von Match zu Match. Damit tat er niemandem einen Gefallen. Im Mai 2014 musste das lädierte Sprunggelenk operiert werden, danach war eine mehrmonatige Wiederaufbauphase notwendig. Seinen Vorschusslorbeeren gerecht wurde Vi­lotic erst in der zweiten Hälfte der Saison 2014/15.

Das falsche Anforderungsprofil

Sein Pech war, dass Fortes Regentschaft in Bern im Sommer 2015 endete und er nicht ins Anforderungsprofil von dessen Nachfolger Adi Hütter passt. Der Österreicher bevorzugt Defensivleute, die in der ­Angriffsauslösung stark sind. Alsbald ­begann die schleichende Demontage des einst als Königstransfer gehandelten ­Vilotic. Er begann die Rückrunde auf der Ersatzbank und wäre möglicherweise bis Ende Saison dort versauert, wenn nicht der junge Grégory Wüthrich wegen eines Meniskusschadens länger ausgefallen wäre. Als im Sommer die Vorbereitung auf die neue Saison begann, war die Botschaft von Trainer und Sportchef klar. «Wir haben Milan gesagt, dass er bei uns keine Perspektiven mehr hat und sich nach einem neuen Club umsehen sollte», sagt Fredy Bickel. Und doch war es überraschend, wie unzimperlich ­Vilotic aus dem Schaufenster der Super League bugsiert wurde. Kaum waren Kasim Adams Nuhu verpflichtet und die internationale Transferfrist abgeschlossen, wurde ihm vom Trainer und Sportchef beschieden, er müsse sich per sofort der U-21-Auswahl anschliessen. Ausschliesslich sportliche Gründe hätten zu dieser Entscheidung geführt, kommunizierte der Verein. Es war ein denkbar unschönes Ende für den einstigen Hoffnungsträger, dem die Vorgesetzten bis zum heutigen Tag ein mustergültiges Verhalten attestieren.

Der Bund

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