GC-Juwel Dabbur – jetzt geht es um Millionen

Halten lässt sich Munas Dabbur wohl nicht. Doch wenigstens soll ein Vielfaches ­vom Kaufpreis herausschauen.

Munas Dabbur (links) will GC und den Letzigrund in Richtung Palermo verlassen. Foto: Steffen Schmidt (freshfocus)

Munas Dabbur (links) will GC und den Letzigrund in Richtung Palermo verlassen. Foto: Steffen Schmidt (freshfocus)

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

1:0, 2:0, 3:0, 4:0, 5:1, 6:1 – solch grossen Spass hatten die GC-Fans lange nicht mehr. Entsprechend gut gelaunt feierten sie ihre Mannschaft. Fast jeder Schuss sass gegen den chancenlosen Aufsteiger Lugano, der den Grasshoppers gerade recht kam, um einen Torreigen fort­zusetzen, der inzwischen fast unheimliche Züge annimmt. 16 Treffer sind ihnen in den ersten 4 Spielen gelungen, das ist ­einzigartig in den vergangenen drei Jahrzehnten. Und es ist der Gegenentwurf zum Vorjahr: Da hatte GC in den ersten 4 Partien 3 Tore zustande gebracht.

Am ehesten noch erinnert das ­Hoch an die Jahre 2001 und 2002. Jeweils 11 Treffer waren GC seinerzeit gelungen, was beim Blick aufs Kader aber auch ­retrospektiv nicht wirklich verwundert. Richard Nuñez, Stéphane Chapuisat und Mladen Petric hatten die Stürmer geheissen. Der uruguayische Zauberer, der Waadtländer Champions-League-Sieger und das immense Talent aus Neuenhof. Es resultierte, im Sommer 2003, der ­bislang letzte Meistertitel.

Der GC-Anhang schwärmt

Heute sind es die Angreifer Munas Dabbur, Shani Tarashaj, Yoric Ravet oder Caio, die den GC-Anhang schwärmen lassen. Oder träumen nach dem höchsten Sieg seit fast sechs Jahren (und ­einem 7:0 gegen Bellinzona). Dass es der bemitleidenswert schwache Aufsteiger den Zürchern ziemlich leicht gemacht hatte, das liess keiner unerwähnt. Trainer Pierluigi Tami sagte sogar: «Mit der ersten Halbzeit bin ich nicht zufrieden. Wir ­begingen zu viele Fehler und hatten zu wenig Tempo in unserem Spiel.» Dank zweier krasser Abwehrfehler kam GC trotzdem zu einer komfortablen 3:0-Führung zur Pause. Und unmittelbar danach gelang Dabbur mit einem Penalty schon das 4:0.

Dabbur mit einem Tor und zwei ­Assists sowie Tarashaj mit einer Doublette waren die Spieler der Partie. Vor allem die beiden Stürmer prägen das GC-Spiel seit dem Saisonstart. Dabbur hat schon fünf Treffer vorbereitet und Tarashaj fünf Tore erzielt. «Wir verstehen uns in der Offensive sehr gut», ­erklärt der 20-jährige Tarashaj die Produktivität und die Effizienz. Erst sechs Pflichtspiele hat er von Anfang an ­bestritten, doch Tami zählt ihn bereits zu den Leistungsträgern. «Ich schätze sein Vertrauen», sagt der junge Mann aus Hausen am Albis mit Wurzeln in ­Kosovo. Von den vielen jungen Spielern im GC-Kader ragt Tarashaj heraus.

Fünf verschiedene Angreifer haben 14 der 16 Saisontreffer erzielt, lediglich das 6:1 gegen Lugano ist mit Marco Basic ­einem defensiven Spieler anzurechnen. Nun aber droht die GC-Offensive bereits zu zerbrechen. Dabbur will weg, das hat er nach dem Spiel vor Journalisten ­erstaunlich offen klargestellt. «Ich möchte den nächsten Schritt machen, das ist sehr wichtig für mich.» Palermo soll die nächste Station des 23-Jährigen sein. «Ich hoffe, dass der Deal in den nächsten ­Tagen zustande kommt», fügte er an. Mit einem Tor und zwei Assists, glaubt er, habe er «einen perfekten ­Abschied» geboten. Er gehe davon aus, dass dies sein letztes GC-Heimspiel ­gewesen sei.

Die Millionenfrage

Mit seinem öffentlichen Vorpreschen hat Dabbur die Clubverantwortlichen überrascht. Geschäftsführer Manuel Huber, der sich anschliessend im Kabinengang ausführlich mit dem Israeli unterhielt, sagt aber: «Dass er den Wunsch hat, zu wechseln, war uns bekannt.» Von ­Palermo ist auch bereits ein Angebot eingetroffen – nur entspricht es nicht dem, was sich GC von einem Transfer verspricht. Bei weitem nicht: «Wir sind weit entfernt von ­einer Einigung», sagt ­Huber. «Ich kann den Wunsch des Spielers verstehen, aber alles hat seine Grenzen. Wir geben Dabbur nur ab, wenn der Preis stimmt.»

Klar: Es geht um Geld. Dass ein Spieler in Zürich zu halten ist, der sagt, sich bereits mit einem neuen Verein einig zu sein, ist unwahrscheinlich und auch ­Huber bewusst. Rund 500'000 Franken hat GC vor einem Jahr an Maccabi Tel Aviv überwiesen und den Spieler mit ­einem Vertrag bis 2017 ausgestattet, nun soll wenigstens ein Vielfaches ­davon bei einem Weiterverkauf herausschauen. Kaum weniger als vier Millionen.

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